Eine Mauerbiene sucht eine aus Hartholz gefertigte Nisthilfe auf. Verschlossen Eingänge zeigen, dass die jeweiligen Löcher besiedelt sind (links). Rechts eine Nützlingsunterkunft mit verschiedenen Nisthilfen. © DIE UMWELTBERATUNG/Monika Kupka

 

Wohnbau für Wildbienen

Der Frühling steht in voller Pracht, viele Wildbienen sind aktiv und summen bereits eifrig. Ihr natürlicher Lebensraum verschwindet zunehmend, höchste Zeit also, ihnen mit Nisthilfen unter die Flügel zu greifen. CLUB WIEN weiß, worauf dabei zu achten ist.

Wer einen Topf mit Thymian oder Lavendel im Garten, auf dem Balkon oder auf dem Fensterbrett stehen hat, kennt das wahrscheinlich: Eine Biene kommt angeflogen und sammelt Nektar oder Pollen ein. Dabei handelt es sich meist nicht um Honigbienen, die in einem Stock leben und einen Staat bilden, den es zu verteidigen gilt, sondern um eine der zahlreichen Wildbienenarten. "Österreichweit gibt es etwa 700 verschiedene Arten", weiß Björn Schoas, Gartenexperte bei DIE UMWELTBERATUNG und selbst Bio-Imker. "Allein in Wien leben fast 500 Wildbienenarten, die im Gegensatz zur Honigbiene solitär, also einzeln, leben. Wildbienen sind jene Bienen, die nicht domestiziert und weitergezüchtet wurden. Auch Hummeln werden zu den Wildbienen gezählt."

Wildbienen sind Einzelgänger

Entgegen der landläufigen Vorstellung sind Wildbienen in der Regel also quasi Einzelgänger, bauen ihre Nester und versorgen ihre Brut jede für sich. "Dabei werden in der Erde, in Hohlräumen und Pflanzenstängeln Brutzellen angelegt", so Schoas. "Das Weibchen stattet jede Brutzelle mit Pollen als Larvennahrung aus und legt ein befruchtetes Ei darauf, anschließend wird die Zelle verschlossen. Die junge Biene entwickelt sich in dieser Zelle und verlässt sie als erwachsene Biene, häufig erst im darauffolgenden Jahr." Der Lebensraum für die beim Bestäuben von Blumen und anderen Pflanzen nützlichen Insekten geht allerdings immer mehr verloren. Damit verschwinden auch geeignete Nistplätze sowie das notwendige, vielfältige Nahrungsangebot an blühenden Wildpflanzen. Beide sollten eng beieinander liegen.

Hier kommt der Mensch ins Spiel: Um den Bienen bei der Brut sozusagen unter die Flügel zu greifen, können mit einfachen Mitteln Nisthilfen gebaut werden. Aufgestellt werden sollen diese prinzipiell an einer Stelle, die vor Regen geschützt ist und viel Sonne abkommt. Das kann beispielsweise südseitig an Schuppen, Garagen oder Hausmauern sein, tunlichst einen Meter über dem Boden. "Je länger die Nisthilfen am Tag der Sonne ausgesetzt sind, desto höher ist die Chance der Besiedlung. Sind einzelne Öffnungen verschlossen, bedeutet das, dass diese bewohnt sind", erklärt Björn Schoas. "Keine Sorge bei Balkonen oder Terrasse in höheren Stockwerken, auch dort siedeln sich bei geeigneten Bedingungen Wildbienen an."

 

Bambushalme und Schilfrohr

Um eine Nisthilfe zu bauen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Egal, für welche Methode man sich entscheidet, man sollte sich an den natürlichen Lebensräumen der Wildbienen orientieren. Untergebracht werden alle Varianten in einer Nützlingsunterkunft. Sie ähnelt einem Vogelhäuschen und ist im Wesentlichen eine hochkant aufgestellte Holzkiste. Gerne besiedelt werden die Pflanzenstängel von Bambus, Schilfrohr, der Wilden Karde oder Gewürzfenchel. Am einfachsten werden Interessierte an Bambushalme oder Schilfrohr kommen. Deren Innendurchmesser sollte zwei bis neun Millimeter, die Länge 15 bis 20 Zentimeter betragen. "Oftmals bietet der Handel aber ungeeignete Größen an, die dann auch nicht besiedelt werden", warnt Schoas.

Außerdem sollte man Stängel nicht auseinanderbrechen oder an irgendeiner beliebigen Stelle auseinanderschneiden. Wichtig ist, dass das hintere Ende der Röhren verschlossen ist. Bei Bambusröhrchen sollte man hinter den Knoten durchsägen, so entsteht ein natürlicher Abschluss. Schilfhalme wiederum können mit einer scharfen Rebschere abgeschnitten werden. Danach gebündelt in eine alte Weißblechdose oder ein anderes Gefäß stopfen und liegend in der Nützlingsunterkunft befestigen. Alternativ können sie auch einzeln in die Löcher von Hohlziegeln gesteckt werden. "Wichtig bei Schilf- und Bambusröhrchen ist, dass diese glatt abgeschnitten, nicht gequetscht werden und keine ausgefransten Enden haben", rät Schoas. "Daran würden sich die Wildbienen ihre empfindlichen Flügel verletzen."

Holz und Ton

Es müssen aber nicht Halme oder Stängel sein, auch gut abgelagertes Hartholz ohne Rinde von Esche, Buche oder Eiche kann verwendet werden. Achtung: Nadelholz eignet sich nicht als Nisthilfe, es fasert zu stark und kann ebenfalls zu Verletzungen bei den Bienen führen. Angebohrt werden die verwendeten Blöcke immer am Längsholz und nicht am Stirnholz, also nicht auf der Seite, an der die Jahresringe zu sehen sind. Wie bei den Halmen sollten die Löcher einen Durchmesser von zwei bis neun Millimeter haben, die Tiefe sollte fünf bis zehn Zentimeter ausmachen. Einen Mindestabstand gibt es ebenfalls zu beachten, er sollte zwei Zentimeter betragen. Beim Bohren ist Vorsicht geboten: Ein Durchstoßen sollte unbedingt vermieden werden, die Hinterseite muss immer verschlossen sein. Mit einem Schmirgelpapier werden schließlich auf der Vorderseite die Bohrlöcher geglättet, im Anschluss wird das Sägemehl ausklopft. Mit den Löchern nach vorne wird diese Art der Nisthilfe ebenfalls in die Nützlingsunterkunft gelegt.

Auch mit Ton lässt sich relativ einfach eine Nisthilfe gestalten. Dabei werden mit unterschiedlich dicken Stricknadeln Nestgänge in den feuchten Ton gestochen. Um ein Wiederverschließen der Gänge beim Herausziehen der Nadeln zu vermeiden, muss der Tonblock komplett durchstoßen werden. Die Löcher auf der Rückseite werden im Anschluss mit Ton verschlossen. Sobald er getrocknet ist, wird der Block gebrannt. Wem das zu aufwendig ist, kann auch zu fertigen Nisthilfen aus gebranntem Ton greifen. Von anderen käuflich erhältlichen Varianten rät Björn Schoas allerdings ab: "Sogenannte Nützlingshotels, wie man sie im Handel kaufen kann, sind leider für Wildbienen oft ungeeignet und bleiben dann unbewohnt. Die Löcher der Nisthilfen sind teilweise zu groß, das Holz ist oft zu faserig und ausgefranst oder das Material ist einfach das falsche."

Futterquelle von Frühling bis Herbst

In diesem Sinne: Einfach selbst zur Tat schreiten und eine Nisthilfe für die summenden Insekten bauen. Die richtige Futterquelle in unmittelbarer Nähe dazu sollte von Frühling bis Herbst vorhanden sein. "Im städtischen Bereich können auch Balkone und Innenhöfe zu Nahrungsinseln für Wildbienen und Insekten werden", so Schoas. "Dazu eignen sich besonders blühende, duftende Kräuter wie Salbei, Lavendel, Thymian, Majoran oder Pfefferminze. Bienen werden dann optimal gefördert, wenn sie neben den Nisthilfen auch Futterquellen vorfinden."