Bürgermeister Michael Ludwig (rechts), Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (l.) und das Regierungsteam präsentieren gemeinsam mit Silvia Angelo (ÖBB, vorne Mitte) das Stadtentwicklungsgebiet Nordwestbahnhof. © PID/Markus Wache

 

Neuer Stadtteil verbindet Bezirke

Aus dem Nordwestbahnhofareal wird ein attraktiver Stadtteil gemacht. Ab 2030 wird es dort 5.000 Arbeitsplätze, 6.500 Wohnungen, zehn Hektar Grünraum und eine bessere Verbindung zwischen Leopoldstadt und Brigittenau geben.

Bürogebäude, Wohnhäuser, Geschäfte, ein moderner Bildungscampus, großzügige Grünflächen und eine neue Straßenbahnlinie: Auf dem 44 Quadratmeter großen Gelände des Nordwestbahnhofs entsteht bis 2033 ein neuer Stadtteil. "Wien soll damit noch ein Stück lebenswerter werden", sagt Bürgermeister Michael Ludwig. "Wir reagieren damit aber auch auf die Herausforderungen einer wachsenden Millionenstadt und zeigen, wie man ihnen sozial, umsichtig und vorausschauend begegnen kann." Rund 5.000 Wienerinnen und Wiener werden künftig in dem Viertel einen neuen Arbeitsplatz und etwa 16.000 Wienerinnen und Wiener ein neues Zuhause finden.

Leistbare Wohnungen

Der neue Stadtteil ist ein weiteres Musterbeispiel für das erfolgreiche Wiener Wohnbau-Modell. Er setzt die Tradition des sozialen Wohnbaus fort. Wohnen soll leistbar bleiben und kein Loch ins Geldbörsel reißen. Auf 60 Prozent der Wohnflächen im neuen Stadtteil sind geförderte Wohnungen geplant. 1.300 der insgesamt 6.500 Wohnungen werden neue Gemeindewohnungen sein. Sie werden über den wohnfonds_wien und Bau- trägerwettbewerbe entwickelt. Ein Erdgeschoßmanagement mit Lokalen und Geschäften sorgt für ein lebendiges Miteinander und beste Infrastruktur.

Turbo für die Wiener Wirtschaft

Damit ist das Projekt auch in wirtschaftlicher Hinsicht enorm wichtig für die Stadt. Investitionen in Infrastruktur sind Investitionen in die Zukunft. Jeder Euro leistet einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Sicherung von Arbeitsplätzen und unterstützt den wirtschaftlichen Aufschwung – ein wichtiges Signal im volkswirtschaftlich schwierigen Jahr.

Umweltfreundlich

Klimaschutz und soziale Fragen sind bei der Entwicklung des künftigen Stadtteils eng verknüpft. Vizebürgermeisterin Birgit Hebein dazu: "Am Nordwestbahnhof entsteht ein Stadtteil, der genau diese beiden wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit in den Mittelpunkt stellt. Er verbindet leistbares Wohnen, sozialen Zusammenhalt und Klimaschutz." Konzepte für Klimawandelanpassung, nachhaltige Mobilität und die Förderung der Kreislaufwirtschaft sind wichtige Eckpfeiler und fließen bereits in die Planung mit ein.

Ökostrom vom Dach

Alle Gebäude werden mit umweltfreundlicher Fernwärme und Fernkälte versorgt – beides in Wien erzeugt. Der Ökostrom kommt von Photovoltaikanlagen auf dem Dach. Darüber hinaus entsteht mit der neuen, zehn Hektar großen Parkanlage eine Grünoase mitten im 20. Bezirk. Sie wird durch die neu zu schaffende Straßenbahnlinie 12 umweltfreundlich erreichbar sein.

Campus als Zentrum

Fix eingeplant ist ein Bildungscampus plus, also ein Gebäude mit Schulklassen und Kindergartengruppen, die miteinander den Tag verbringen und von- und miteinander lernen. Konkret sind ein Kindergarten mit zwölf Gruppen, eine Volksschule mit 17 Klassen und eine Mittelschule mit 16 Klassen vorgesehen. Das Campusareal soll für alle Bewohnerinnen und Bewohner geöffnet und zu einem sozialen Zentrum für den gesamten Stadtteil werden.

Zwischennutzung für Kultur

Bis dahin wird das Gelände kulturell genutzt. Bereits seit 2015 betreibt zum Beispiel der Verein "Tracing Spaces" einen Projektraum. Als unabhängige interdisziplinäre Forschungsplattform konzipiert und produziert das Team unter anderem Projekte und Ausstellungen zu Mobilität, Tourismus und Migration. Seit Juni 2020 zeigt das Projekt "MUSEUM Nordwestbahnhof" die Geschichte des Nordwestbahnhofs.

 

Zusammenarbeit mit ÖBB

Wie bereits beim Sonnwendviertel am Hauptbahnhof oder aktuell am Nordbahnhof wurde zur Entwicklung des Areals ein Infrastrukturübereinkommen zwischen der Stadt Wien und den ÖBB unterzeichnet. Bürgermeister Michael Ludwig erläutert: "Damit setzen wir einen wichtigen Schritt zur städtebaulichen Entwicklung des Nordwestbahnhof-Areals." Silvia Angelo, Mitglied des Vorstands der ÖBB-Infrastruktur AG, ergänzt: "Wir sind stolz, dass wir auf unserem Gelände dieses zukunftsweisende Stadtentwicklungsprojekt mitgestalten dürfen, das Tausenden Menschen Raum zum Wohnen und Arbeiten, Lernen und Erholen bieten wird."

Kosten werden geteilt

Das lässt sich die Stadt einiges kosten. Grob geschätzt fallen rund 220 Millionen für die Errichtung der Infrastruktur an. Auch die ÖBB übernehmen, wie bei anderen Bahnarealen, einen wesentlichen Anteil.

Barriere fällt weg

Der Nordwestbahnhof ist das letzte verbliebene große innerstädtische Entwicklungsgebiet. Das Gelände liegt zwischen Donau und Donaukanal in der Nähe des Augartenspitzes und wird aktuell als Fracht- und Güterbahnhof genutzt. Mit dem neuen Stadtteil sollen der 2. und der 20. Bezirk – derzeit durch den Bahnhof getrennt – näher zusammenrücken. Die rund 1,5 Kilometer lange und 400 Meter breite Barriere zwischen Augarten und Dresdner Straße wird aufgehoben. Dazu übertragen die ÖBB einen rund zehn Hektar großen Naturstreifen an die Stadt Wien. Der wird als "Grüne Mitte" das Zentrum des neuen Viertels sein.

Start noch in diesem Herbst

Der Startschuss für die Entwicklung des neuen Stadtteils soll noch diesen Herbst mit einer Umweltverträglichkeitsprüfung durch die ÖBB fallen. Ist das Ergebnis positiv, wird mit den Abbrucharbeiten begonnen. Bis 2033 soll das Gesamtprojekt fertiggestellt sein. Vor allem die Abrissphase soll so anrainerinnen- und anrainerfreundlich wie möglich ablaufen. Das Abbruchmaterial kann größtenteils mit dem Zug abtransportiert werden.