03.AUGUST 2020 
Umwelt
Die Naturwiese beim Rudolf-Köppl-Hof bringt Nachhaltigkeit in den Gemeindebau. © Eva Fenkel

Naturwiese im Gemeindebau

Ein Juwel mitten im Gemeindebau. Auf Initiative der BewohnerInnen entstand im Donaustädter Rudolf-Köppl-Hof eine Naturwiese. Das steigert nicht nur die Lebensqualität der Menschen, es hilft auch der Wiener Flora und Fauna, gesund zu bleiben.

Die Geschichte der Naturwiese begann bei einer Mieterinnen- und Mieterversammlung im April 2019. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Rudolf-Köppl-Hofs in der Donaustädter Eipeldauer Straße äußerten dort den Wunsch nach einer naturbelassenen Grünfläche. Die Idee: mehr Bewusstsein für die Natur durch eine Fläche ohne menschliche Eingriffe schaffen.

Von der MieterInnenversammlung zum Naturjuwel

Die Idee fand auch bei wohnpartner schnell Anklang, wie sich wohnpartner-Teamleiterin Snjezana Calija, Leitung Bezirk 22, erinnert. „Bei einem Hofgespräch im Juni 2019 mit einem Vertreter der Wiener Umweltschutzabteilung beziehungsweise der MA22 wurden fachliche Impulse zur Umsetzung der Wiese diskutiert, gleichzeitig sprach sich die Mehrheit der Anwesenden für die Umsetzung des Projekts aus“, sagt Calija. Kurz darauf begannen wohnpartner und Wiener Wohnen mit der Umsetzung.

Von da an lief alles wie am Schnürchen. wohnpartner, Wiener Wohnen inklusive Haus- & Außenbetreuung und MA 22 arbeiteten gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern daran, aus der Vision eine Realität zu machen. „Dabei wurde die oberste Bodenschicht entfernt und durch einen nährstoffarmen Boden ersetzt. Im Februar 2020 wurden die ersten Blumenzwiebeln gesetzt und Saatgut gestreut“, sagt Calija. Gepflanzt wurde ein bunter Mix aus wild wachsenden Blumen und Blütengewächsen.

Auch die Tierwelt ist begeistert

Besonders erfreulich: Die Wiener Tierwelt fand sehr schnell Gefallen an der Naturwiese. „Bei Workshops in der Wiese wurden verschiedene Arten wie der schwarzblaue Ölkäfer, Wiesenschaumzikaden, der gemeine Ohrwurm, der Tigerschnegel und Marienkäfer mit der Lupe entdeckt“, sagt Calija. Gerade Insekten und Kleintiere sind durch den Verlust von Lebensraum bedroht, Projekte wie dieses sind daher eine große Unterstützung für das Ökosystem Wien. Gerade im Gemeindebau besteht ein hohes Artenvielfaltpotenzial: Nur rund 30 Prozent der Gesamtfläche sind verbaut, 70 Prozent der Fläche sind begrünte Höfe und Außenanlagen. Die über 600 Hektar Grünflächen mit 70.000 Bäumen und einer Million Sträuchern sind wertvoller Lebensraum für viele Tierarten und schaffen ein angenehmes Mikroklima.

Aus NachbarInnen wird eine Gemeinschaft

Das Projekt Naturwiese hat den Gemeindebau aber auch auf der zwischenmenschlichen Ebene bereichert. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind sich bei der Arbeit nähergekommen. Vom Planen bis zum Garteln: Der Austausch hat aus vielen Nachbarinnen und Nachbarn Bekannte gemacht und den Weg für Freundschaften geebnet. Immer wieder trifft man sich und spricht über Naturbeobachtungen. „Vor allem freuen wir uns, dass auch die Kinder so leidenschaftlich bei der Sache und sehr interessiert sind. Projekte wie dieses schaffen Gemeinschaft und Verständnis für die Natur und Insekten.

Der Erfolg des Projekts lässt jedenfalls auf Nachahmerinnen und Nachahmer hoffen. „Bei Interesse von Bewohnerinnen und Bewohnern wird wohnpartner gerne wieder solche, aber auch andere Initiativen unterstützen und begleiten“, sagt Calija.

Informationen zu Veranstaltungen, der Arbeit von wohnpartner und Kontaktdaten zu wohnpartner-Lokalen und BewohnerInnenzentren in ganz Wien finden sich unter www.wohnpartner-wien.at