06.AUGUST 2020 
Umwelt
Nicht nur ein prächtiger Anblick, sondern wichtig für Lebensqualität und Artenvielfalt in einer Großstadt: Ökologisch gepflegte Gärten, Innenhöfe, Terrassen und Dachgärten. Sie können mit der Plakette "Naturnahe Grünoase" ausgezeichnet werden. © MA 22/Manfred Pendl

Ausgezeichnete Grünoasen

In Wien gibt es unzählige Gärten, Terrassen und begrünte Innenhöfe, die sich nicht nur sehen lassen können, sondern umweltfreundlich angelegt sind. Die schönsten werden jedes Jahr als "Naturnahe Grünoasen" ausgezeichnet. CLUB WIEN weiß, was sie ausmacht.

Grüne Flecken gibt es in Wien abseits öffentlicher Parks viele. Ob Kleingärten, Innenhöfe, Terrassen oder Dachgärten: Die Bewohnerinnen und Bewohner der Donaumetropole hegen und pflegen ihre Grünflächen samt Flora und Fauna mit viel Liebe und Geduld. Immer mehr bemühen sich dabei, sie so umweltfreundlich und naturnah wie möglich zu gestalten. Der berühmte Englische Rasen, in dem kein Halm krumm steht, hat ausgedient. Das erfreut angesichts der damit verbundenen Vielfalt nicht nur das Auge, sondern trägt auch zu Lebensqualität und Artenvielfalt in der Stadt bei.

Nicht zuletzt deshalb werden seit 2008 von der Stadt Wien - Umweltschutz die schönsten Grünflächen mit der Plakette "Naturnahe Grünoase" versehen. Was zu Beginn nur auf den 5. Gemeindebezirk beschränkt war, wurde 2013 auf ganz Wien ausgeweitet. Seit Bestehen des Projekts wurden insgesamt weit über 200 Objekte mit dem Abzeichen versehen. "Jährlich werden zwischen zwanzig und dreißig Objekte ausgezeichnet", sagt Manfred Pendl von der Stadt Wien- Umweltschutz. "Die Mehrheit der ausgezeichneten Objekte sind Haus- und Kleingärten. In den letzten Jahren wurden auch vermehrt Gemeinschaftsgärten ausgezeichnet. Auch eine große Grünfläche einer Wohnhausanlage wurde bereits mit einer Plakette versehen."

Worauf es ankommt

Worauf sollte bei einer Grünfläche nun geachtet werden, soll sie eine "Naturnahe Grünoase" werden? "In einem naturnahen Garten werden bevorzugt langlebige, standortgerechte, heimische Pflanzen gesetzt, die wenig Pflege benötigen", erklärt Björn Schoas von der mit Rat und Tat zur Seite stehenden Projektpartnerin DIE UMWELTBERATUNG. Baumgruppen, Wildobsthecken, Staudenbeete, Blumenwiesen, aber auch Strukturelemente aus Holz oder Stein können gestaltende Elemente sein. Dabei kommt es nicht auf die Größe an. Auch auf dem Balkon oder im Schrebergarten können kleine Wassertränken Insekten und Vögel während der heißen Sommermonate unterstützen. Und Wildblumenmischungen gibt es etwa auch fürs Balkonkisterl.

"Naturnahe Gartenteiche oder kleinere Wasserflächen bieten zusätzlich Lebensraum für eine vielfältige Fauna und Flora. Pflanzen aus regionalen Gärtnereien und Baumschulen sind an das regionale Klima angepasst. Am richtigen Standort gesetzt, sind sie robuster gegen Schädlinge und Krankheiten", so Schoas. All diese Pflanzen gedeihen nicht nur im Garten, sondern auch in Töpfen auf der Terrasse oder auf dem Balkon. "Ein Boden mit vielen fleißigen Bodentieren, die richtige Pflanzenwahl sowie vorausschauende Pflanzenstärkung und -pflege sind der beste vorbeugende Pflanzenschutz. Nützlinge wie Marienkäferlarven, Ohrwürmer oder Florfliegenlarven zu fördern, ist ein weiterer wichtiger Bestandteil in der ökologischen Pflege von Grünflächen." 

Zertifizierte Produkte und umweltfreundliche Materialien

Noch bevor man einen Garten, ein Beet oder eine Balkonlandschaft anlegt, kann man den Grundstein für ökologisches Garteln legen, weiß Schoas: "Beim Einkauf ist es wichtig, auf zertifizierte Produkte sowie auf umweltfreundliche Materialien aus regionaler Produktion zu achten. Biologisch produzierte Pflanzen sind garantiert gentechnikfrei und werden ohne chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel kultiviert." Schon beim Erwerben der Erde sollte darauf geachtet werden, dass diese torffrei ist. "Torffreie Erden tragen dazu bei, dass die einzigartigen Lebensräume der Moore erhalten bleiben. Sie schützen auch das Weltklima - denn Moore speichern ein Drittel des weltweiten Kohlenstoffs", so Schoas.

Nicht umsonst zählt das Verwenden von torffreier Erde zu den Kernkriterien, um die Plakette zu erlangen. Zu den Hauptbewertungspunkten zählen außerdem der Einsatz von biologischem Dünger statt Kunstdünger sowie von biologischem Pflanzenschutz statt Herbiziden und anderen giftigen Schädlingsbekämpfungsmitteln. Alle Kriterien finden Sie hier. Eingereicht kann jederzeit via E-Mail an die Stadt Wien - Umweltschutz werden. Auch telefonisch ist dies möglich, unter der Nummer +43 1 4000 73590.

Bewertung bei voller Blüte

Stichtag gibt es keinen, allerdings werden die Anmeldungen stets in der Vegetationszeit bearbeitet, also dann, wenn alles in voller Blüte steht. Und wie läuft die Bewertung schließlich ab? "Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter der Stadt Wien - Umweltschutz beurteilt vor Ort das Objekt", erläutert Manfred Pendl. "Sind die Kriterien bereits bei der ersten Besichtigung ausreichend erfüllt, wird die Plakette unmittelbar überreicht. Sofern noch Nachbesserungen notwendig sind, erfolgt eine weitere Besichtigung."

Auch jetzt kann man sich ans Werk machen, um eine Plakette zu erlangen, weiß Björn Schoas: "Empfehlenswert ist die Pflanzung von Gemüsepflanzen und mehrjährigen Kräutern, diese können jetzt noch gepflanzt werden. Auch Staudenpflanzungen sind während der Sommermonate an kühlen Tagen möglich. Wichtig ist, die Pflanzen zu Beginn über mehrere Tage zu beschatten. Bäume und Sträucher können erst im Herbst gepflanzt werden, optimal wäre eine Pflanzung im Oktober und November. Auch Wildblumenwiesen können nur im Herbst und im Frühjahr angelegt werden." Auch Manfred Pendl weiß, dass es nie zu spät ist, einen ökologisch gepflegten Garten anzulegen: "Die Auszeichnung hängt nicht alleine vom Vorhandensein von Setzlingen ab. Die anderen Kriterien sollten bereits erfüllt sein. Doch um auf Nummer sicher zu gehen, kann man schon dieses Jahr alle Kriterien durchgehen, um nächstes Jahr erfolgreich ausgezeichnet werden zu können."