Der Rathauspark ist reich an Naturdenkmälern - links die Rotbuche, rechts der Tulpenbaum. © Alexandra Kromus/PID

 

Frühlingstipp: Naturdenkmäler in Wien

Wer Lust auf einen Ausflug zu einem einmaligen Naturschauspiel hat, muss in Wien nicht lange reisen. Quer durch die Stadt warten Naturdenkmäler darauf, entdeckt zu werden. CLUB WIEN hat ein paar Ausflugstipps für Sie zusammengestellt.

Naturdenkmäler findet man an vielen Orten: in Parks, Vorgärten oder auch Innenhöfen. Historische Baum- und Naturwunder werden in Wien seit 1936 registriert. Heute gibt es Hunderte solcher Denkmäler in Wien, von Stadtbäumen, kleinen Gewässern bis hin zu Felsengebilden. Eines haben viele gemeinsam: Sie eignen sich perfekt für einen Frühlingsspaziergang. Die passende Route finden Sie ganz leicht im wien.at-Stadtplan, wo alle Naturdenkmäler verzeichnet sind.

 

Raritäten im Rathauspark

Der Rathauspark ist ein nahe liegendes Ziel für einen Frühlingsausflug. Er ist auch Heimat einer botanischen Seltenheit. Die geschlitzblättrige Rotbuche ist Naturdenkmal Nummer 562 und bekannt für ihre ausgefransten, farnähnlichen Blätter. Zu finden ist der 20 Meter hohe Baum direkt im Zentrum des Parks, gleich hinter dem Herzog-Heinrich-Jasomirgott-Denkmal.

Direkt gegenüber befindet sich Naturdenkmal Nummer 564, eine der ältesten Platanen im Rathauspark. Diese Bäume bestimmen das Erscheinungsbild des Rathausparks, Nummer 564 ist einer der ältesten und besticht durch die besonders gesunde Kronenbildung. Als wäre das noch nicht genug, finden wir einige Meter dahinter, gegenüber der WC-Anlage, Naturdenkmal 561. Dieser Tulpenbaum ist vor allem aufgrund seiner Rarität in Wiener Parks bemerkenswert.

Apropos Park: Auch der Pötzleinsdorfer Schlosspark ist immer einen Besuch wert. Gleich mehrere Bäume und Baumgruppen hier sind Naturdenkmäler, zusammengefasst als Naturdenkmal 62. Besonders beeindruckend sind die Mammutbäume. Auch die Sumpfzypressen und Nordmanntannen sind absolute Seltenheiten in Wien.

Bäume mit großer Geschichte

Die Schönbrunner Allee ist Naturdenkmal Nummer 556. Auf 750 Metern Länge ragen in Viererreihen Rosskastanien, Linden, Ahornbäume und Zürgelbäume empor. Die meisten stammen aus den letzten Jahren der Herrschaft von Maria Theresia. Auch andere Alleen schafften es zum Naturdenkmal: die Hofjagdallee, Nummer 350, im 13. Bezirk, die Platanenallee, Nummer 539, in der Innstraße im 20. Bezirk oder die Rosskastanienallee, Nummer 474, in der Gregorygasse im 23. Bezirk.

Mitten auf dem Gehsteig außerhalb des Botanischen Instituts am Rennweg wächst eine ganz besondere morgenländische Platane. Dieser Baum ist als Mozart-Platane bekannt und wird auf ein Alter von mehr als 230 Jahren geschätzt. Wolfgang Amadeus gab hier dem bedeutenden Botaniker Nikolaus Joseph von Jacquin Klavierunterricht und spazierte regelmäßig daran vorbei. Die Plakette am Baum trägt übrigens den Namen Jacquin-Platane, im Volksmund hat sich aber der berühmtere Mozart durchgesetzt. Die Baumart mit der prächtigen Krone kam Mitte des 16. Jahrhunderts aus Kleinasien, Indien und Südosteuropa zu uns und ist sehr belastbar, auch Schadstoffe machen ihr kaum etwas aus.

Botanische Besucher aus Asien

Im zweiten Hof des alten AKH steht einer der vielleicht schönsten Bäume Wiens. Gerade im April entfaltet der Judasbaum seine volle Pracht und begeistert mit seinen rosaroten Blüten. Naturdenkmal Nummer 762 wurde vermutlich im 18. Jahrhundert gepflanzt und besteht aus zehn Altstämmen. Mit ausreichend Platz kann sich der Baum immer wieder von selbst erneuern. Der Schmetterlingsblütler stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeerraum und gedeiht nur im Osten Österreichs. Der Name bezieht sich auf die Region Judäa.

Weit gereist ist auch der Trauerschnurbaum. Man kennt ihn auch als Japanischen Schnurbaum, obwohl er eigentlich aus Korea und China stammt. Das Spannende ist, dass die Schnurbäume erst im Hochsommer ihre Blütezeit erleben. Im späten Herbst erfreut der Baum mit seinem intensiven, gelben Laub. Am Pius-Parsch-Platz vor der Kirche St. Jakob in Floridsdorf und gegenüber der Klenaugasse 2 in der Donaustadt stehen zwei solche Exemplare.

Wandern zwischen Auenrelikten

Eine von Wiens beliebtesten Spazierrouten ist der Stadtwanderweg 9, der durch den Prater führt. Höhepunkt ist das Mauthner- und Krebsenwasser, der letzte Rest einer Auenlandschaft, die sich mitten im zweiten Bezirk befand. Anfang des 20. Jahrhunderts reichte das Krebsenwasser noch fast bis zur Ostbahnbrücke. Das enge Nebeneinander von Wald und Wasser ist im Großstadtbereich einmalig und bietet auch Tieren einen wertvollen Lebensraum, zum Beispiel den Bibern der Praterauen.

Auch auf der Donauinsel kann man durch Auwaldrelikte gehen. Der "Tote Grund" ist ein Naturschutzgebiet südöstlich der Steinspornbrücke in der Donaustadt. Das Gewässer ist einen Kilometer lang und 200 Meter breit. Die Ökozelle ist weitgehend unberührt und seine Ufer sind Heimat von Weide, Esche, Weißdorn, Pappel und Hartriegel. Besonders viele Eulen und etliche Singvögel leben hier. Auch Rehe und Rebhühner verstecken sich im Dickicht.