Österreich ist europaweit das erste Land, in dem junge Menschen mit 16 wählen gehen dürfen. © Bohmann/Katrin Bruder

 

Ich darf wählen gehen und du?

Wer am Stichtag der Wahl, dem 9. Juli 2019, die österreichische Staatsbürgerschaft und den Hauptwohnsitz in Wien hatte und am 29. September 2019 mindestens 16 Jahre alt ist, darf in Wien wählen gehen. Was das genau bedeutet, klärt CLUB WIEN auf.

Junge Menschen sind mit 16 bereits strafmündig und erweitert geschäftsfähig. Sie setzen sich mit ihrer Lebensplanung auseinander, müssen über ihren Bildungsweg und ihre berufliche Zukunft entscheiden und stehen zum Teil bereits im Berufsleben. Grund genug, dass 2007 das Wahlalter in Österreich auf 16 Jahre gesenkt wurde. Doch wie kam es dazu, dass Jugendliche in Österreich bereits unter der Volljährigkeit wählen gehen dürfen? CLUB WIEN hat mit wienXtra über das Wahlrecht von jungen Menschen gesprochen.

Wählen mit 16

Im Jahr 2007 wurde in Österreich das Wahlalter herabgesetzt. Jugendliche, die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben, dürfen seither bei Nationalrats-, Gemeinderats-, Landtags- und Bundespräsidentenwahlen und bei den Wahlen zum Europäischen Parlament ihre Stimme abgeben. Österreich ist das erste EU-Land, in dem die Teilnahme an nationalen sowie an den Wahlen zum Europäischen Parlament ab 16 erlaubt ist und gilt somit als Vorreiter.

Seit 2018 dürfen auch in Malta Jugendliche ab 16 Jahren an landesweiten Wahlen teilnehmen. Bei Kommunalwahlen dürfen Jugendliche ab 16 Jahren in Estland und Schottland wählen gehen und in Bosnien, Herzegowina, Slowenien und Kroatien darf man ab 16 seine Stimme abgeben, wenn man einen Arbeitsplatz hat. Im Schweizer Kanton Glaris wurde das Stimmrecht für lokale und kantonale Wahlen ebenfalls auf 16 Jahre abgesenkt. In den anderen europäischen Ländern gilt das aktive und das passive Wahlrecht erst ab 18 Jahren.

Durch das frühe Einbinden der Jugend in den politischen Gestaltungsprozess erhofft man sich eine Zunahme ihres politischen Interesses und Wissens. Auf lange Sicht soll sich das wiederum positiv auf die Wahlbeteiligung auswirken. Seit der Herabsetzung des Wahlalters haben in Österreich zwei Europawahlen, zwei Bundespräsidentenwahlen, drei Nationalratswahlen sowie verschiedene Wahlen auf Landes- und Gemeindeebene stattgefunden. Die vierte Nationalratswahl, bei der 16-Jährige wählen können, steht unmittelbar vor der Türe. Doch wohin soll das Kreuzchen gehen, wenn man dann in der Wahlkabine steht? wienXtra unterstützt Jugendliche bei ihrem ersten Wahlgang.

 

Wählen mit 16, ja oder nein?

Mit der Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre hat Österreich eine Vorreiterrolle hinsichtlich der Einbindung junger Menschen in die Politik eingenommen. Doch sind die Jugendlichen wirklich schon so weit, Teil am politischen Geschehen zu nehmen und mit ihrer Stimme aktiv mitzuentscheiden? Das Institut für Strategieanalysen SORA ist dieser Frage nachgegangen und führte eine umfassende Post-Election-Studie zur Nationalratswahl unter 16- bis 18-Jährigen durch. Die Studienergebnisse geben Einblicke in die politischen Einstellungen, Werte und Verhaltensweisen der jungen Menschen in Österreich. Im Vorfeld der Nationalratswahlen wurde immer wieder über die Auswirkungen einer Wahlaltersenkung diskutiert: Sind die Jugendlichen überhaupt schon so weit, um von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen?

Die Ergebnisse der zuletzt durchgeführten Studie zeigten, dass junge Menschen in Österreich vielseitig an Politik und am Politikgeschehen interessiert sind und hingegen vieler Meinungen auch aktiv mitsprechen wollen. Viele zeigen sich interessiert an Politik und nehmen ihr neu gewonnenes Wahlrecht sehr ernst. Sie sind selbstkritisch und erkennen Wissensdefizite, die sie aber auszugleichen versuchen. Unzufrieden sind junge Wählerinnen und Wähler mit der Performance der Politik und den Politikerinnen und Politikern. Allgemein nehmen sie eine große Distanz zwischen sich und der Politik wahr. Zudem wünschen sich viele junge Menschen mehr Aufklärung, um am Wahltag gut informiert wählen zu können.

Junge Menschen aufzuklären und ihnen die erste Wahl zu erleichtern, das macht sich auch wienXtra zum Ziel. In der wienXtra-Jugendinfo gibt es hierfür eine original Wahlkabine und Stimmzettel zum Proben.

Probe-Wahl in der wienXtra-Jugendinfo

Wer heuer zum ersten Mal wählen gehen darf oder schon immer einmal wissen wollte, wie Wählen eigentlich funktioniert, kann sich in der wienXtra-Jugendinfo schlaumachen. Denn dort gibt es neben wichtigen Informationen zur Nationalratswahl auch eine Wahlkabine zur Probe. So können die Jugendlichen in einer original Wahlkabine einen Musterwahlzettel ankreuzen und ihn in eine original Wahlurne stecken. Zur Vorbereitung oder zum Nachlesen und -schauen gibt es vor Ort viel Informationsmaterial rund ums Wählen, wie zum Beispiel den Jugendcheck der Bundes Jugend Vertretung, die die Parteien zu Themen befragt hat, die jungen Menschen besonders wichtig sind. Zudem unterstützen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die jungen Wahlinteressierten, besprechen wichtige Hard Facts und klären zu den jeweiligen Parteien auf.

Weitere Infos zur wienXtra-Jugendhilfe finden Sie hier.