Hannes Wittmann sorgt am Wahltag dafür, dass in seinem Sprengel alles reibungslos über die Bühne geht. © Bohmann/Bubu Dujmic

 

SprengelwahlleiterInnen: Damit die Wahl sicher über die Bühne geht

Wenn wir zur Wahl schreiten, sorgen die Damen und Herren von der Sprengelwahlbehörde im Wahllokal dafür, dass alles rund läuft. Den Vorsitz inne haben SprengelwahlleiterInnen. CLUB WIEN hat in Erfahrung gebracht, wie ihr Arbeitstag aussieht.

Wenn Hannes Wittmann am Tag der Nationalratswahl um 6 Uhr Früh den Turnsaal einer Volksschule in Wien-Landstraße betritt, macht er das, was er vor jeder Wahl macht: Er lüftet. Dieses Schulgebäude dient am Wahltag als Wahllokal, im Turnsaal sind zwei Sprengel untergebracht. In einem von ihnen hat Herr Wittmann den Vorsitz: Er ist Sprengelwahlleiter. Als solcher trägt er nicht nur Sorge, dass während der Wahl alles korrekt abläuft. Auch das Wohl der Wählerinnen und Wähler liegt ihm am Herzen. Die einem Turnsaal eigenen Gerüche sollen niemanden beim Kreuzerlmachen stören. Etwas Frischluft sorgt für Abhilfe.

WählerInnen kommen in Schüben

Hannes Wittmann ist seit 2010 Wahlleiter. "In jeder Magistratsdienststelle muss eine gewisse Anzahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Wahl bereitgestellt werden", erklärt er. "Im Zuge dessen habe ich mich auch einmal gemeldet. Seitdem mache ich das." Als erster Arbeitsschritt wird das sogenannte Wahlpaket geöffnet und auf Vollständigkeit überprüft. Darin enthalten sind nicht nur Stimmzettel und Wahlkuverts, sondern etwa auch Aushänge, Aufkleber, Rauchverbotsschilder, Kugelschreiber und die Niederschrift zur Wahl, in der auch besondere Vorkommnisse festgehalten werden. "Um 7 Uhr beginnt die Wahlhandlung, dann können die Leute wählen", so Wittmann. "Nach meiner Erfahrung gehen in der Früh und zu Mittag viele Personen wählen. Kurz vor Wahlende kommt noch einmal ein großer Schwung."

Erkennbarerer WählerInnenwille

Um 17 Uhr, wenn in Wien die Wahllokale schließen, beginnt das große Auszählen. "Zuerst werden nur die Stimmen der Parteien gezählt. Das geschieht doppelt, damit wir ja keinen Fehler machen." Danach sind die Vorzugsstimmen an der Reihe, Partei um Partei mit Hilfe einer Stricherlliste. Das Ergebnis wird dann der Bezirkswahlbehörde übermittelt, die dann das offizielle Wahlergebnis bereitstellt. Bei der Stimmabgabe sind die Wählerinnen und Wähler durchaus kreativ: Nicht immer wird mit einem Kreuzerl die jeweilige Partei gewählt.  Es gibt auch Wählerinnen und Wähler, die alle anderen Parteien durchstreichen damit nur eine übrig bleibt. "Wenn Sie ein Smiley genau bei einer Partei zeichnen, dann kann das auch gültig sein", weiß Wittmann. "Wichtig ist, dass der Wille der Wählerinnen und Wähler erkennbar ist."

 

Wer schon einmal wählen war, weiß: In jedem Sprengel sitzt nicht nur eine Person, sondern ein ganzes Komitee, die Sprengelwahlbehörde. Sie besteht aus Sprengelwahlleiterin oder Sprengelwahlleiter sowie deren oder dessen Stellvertreterin oder Stellvertreter. Diese sind meist Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Magistrats oder diesem nahestehenden Organisationen. Dazu kommen drei Beisitzerinnen und Beisitzer von den politischen Parteien. Sie alle zählen die Stimmen gemeinsam aus.

Vorbereitungen vor dem Wahltag

Die Vorbereitungen auf die Wahl beginnen für Herrn Wittmann bereits vor dem Wahltag. "Ich habe kurz davor die Einschulung durch die Bezirkswahlbehörde, für gewöhnlich Donnerstag und Freitag vor der Wahl. Wenn ich am Sonntag ins Wahllokal komme, stehen die Sessel und Tische schon dort, die Wahlkabinen und die Wahlurne sind schon aufgestellt." Spezielle Voraussetzungen muss man als Sprengelwahlleiterin oder Sprengelwahlleiter zwar nicht mitbringen, aber: "Erfahrung, ruhiges Arbeiten und der Umgang mit Menschen helfen bestimmt weiter." Genau das gefällt Hannes Wittmann, der im Brotberuf in der IT-Abteilung des Magistrats arbeitet, besonders gut: "Man hat mit unterschiedlichen Leuten zu tun. Das ist nett."

Wenn man so lange wie Herr Wittmann als Sprengelwahlleiter tätig ist, lernt man zwangsläufig die unterschiedlichsten Menschen kennen und erlebt auch Ungewöhnliches. So wollte eine Mutter bei der letzten Europawahl unbedingt ihre 16-jährige Tochter als Erstwählerin in die Wahlkabine begleiten. "Das haben wir nicht zugelassen", erzählt Wittmann. "Die Fälle, in denen eine Unterstützung in der Wahlzelle zulässig ist, sind im Gesetz genau geregelt. Da die Tochter alt genug und nicht behindert war, musste sie alleine wählen. Das Wahlrecht ist schließlich ein persönliches Wahlrecht."

Kein Kasperltheater

Solche Vorfälle sind aber die Ausnahme. "Man merkt schon, dass vielen Leuten der Vorgang der Wahl sehr wichtig ist. Das wird schon ernst genommen. Es ist nicht so, dass das ein Kasperltheater ist." Selbst zu wählen ist Hannes Wittmann auch ein Anliegen. Da er am Wahltag als Wahlleiter in einem anderen Sprengel tätig ist als in jenem, in dem er wählen kann, nimmt er eine Wahlkarte in Anspruch. "Damit kann ich in einem Wahlkarten-Wahllokal an meinem Wahlstandort wählen. Ich wäre sonst eine halbe, dreiviertel Stunde weg."

Seit seinem ersten Einsatz ist Herr Wittmann nun in seinem Sprengel im Turnsaal einer Volksschule in Wien-Landstraße bei jeder Wahl als Sprengelwahlleiter tätig. Und macht als erstes an einem Wahlsonntag die Fenster zum Lüften auf.