Bei Dämmstoffen gibt es eine große Auswahl an nachhaltigen Optionen, von Hanf über Kork bis Wolle. © Getty Images

 

So sanieren Sie clever und nachhaltig

Der Frühling ist die Hauptsaison für SaniererInnen. Doch bevor Sie die Ärmel hochkrempeln, brauchen Sie einen klaren Plan. Ohne den kann beim Sanieren einiges schiefgehen. CLUB WIEN hat bei DIE UMWELTBERATUNG ein paar Tipps eingeholt.

Die allermeisten Sanierungsprojekte in Österreich beschäftigen sich mit dem Thema Behaglichkeit und Heizen. Doris Banner von DIE UMWELTBERATUNG weiß das aus erster Hand. In Beratungsgesprächen gibt sie den Menschen gerne die goldene Regel des Sanierens mit auf den Weg: „Zuerst die Dämmung, dann die Heizung“.

Heißt konkret: Die beste Heizungsanlage bringt wenig und spart kein Geld, wenn die thermische Hülle des Gebäudes, also die Dämmung, ineffektiv ist. „Wer eine neue Heizung anschaffen möchte, sollte vorher das Haus gut dämmen und erst dann eine entsprechend kleiner dimensionierte Heizanlage kaufen.“ Eine solche Sanierung wirkt mehrfach positiv: „Wenn man den Heizwärmebedarf durch Dämmung senkt, macht das immer Sinn. Es ist umweltfreundlich und spart auf lange Sicht Geld.“

Gut beraten, gut saniert

Der erste Schritt sollte ein Gespräch mit einer unabhängigen Beratung wie DIE UMWELTBERATUNG sein. Dort werden Menschen informiert und können so einige Fehler vermeiden. „Ich empfehle bei solchen Gesprächen immer, einen Energieausweis rechnen zu lassen, zum Beispiel von einem Architekturbüro oder einem Energieplaner“, sagt Banner. So erfährt man die Energieklasse des Gebäudes. Sie liegt zwischen A++, was hervorragend ist, und G, was ganz schlecht ist. „Diese Information ist wichtig und die Grundlage für viele Förderungen, sei es vom Bund oder vom Land.“ Das Ziel einer Sanierung sollte mindestens Energieklasse B (Niedrigenergiehaus) sein.

Jetzt gilt es herauszufinden, wo man sein Geld am besten investiert. Banners Credo, wie schon erwähnt: Dämmung hat Priorität, auch aus ökologischer Sicht. „Durch eine gute Dämmung spare ich im Lauf der Zeit wesentlich mehr Energie, als bei deren Herstellung verbraucht wird.“ Das meistverwendete Material ist expandiertes Polystyrol, besser bekannt unter dem Markennamen Styropor. Das ist billig, einfach zu verarbeiten, allerdings nicht ganz ohne Fragezeichen. „Insbesondere die Entsorgung ist problematisch und es ist ein Erdölprodukt, was nicht ideal sein kann.“

Hanf, Flachs, Zellulose

Alternativen gibt es viele, darunter eine Palette an nachwachsenden Rohstoffen. Die am weitesten verbreitete ist Hanf. „Hanf wächst ohne Dünger und ohne Spritzmittel. Außerdem machen ihn seine Bitterstoffe unattraktiv für Insekten, man muss also nicht chemisch gegen Insektenfraß schützen“, sagt Banner. Und Hanf hat einen sehr niedrigen OI3-Index, der Maßstab für Umweltfreundlichkeit. Je niedriger der Wert, desto besser. Der OI3-Index ist eine Möglichkeit zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Baumaterialien und Bauteilen. Hanf schneidet da sehr gut ab, ebenso wie Kork, Flachs, Stroh oder Schafwolle. Beliebt ist auch Zellulose, das vor allem in Dächern verwendet wird.

Obacht bei der Wärmepumpe

Ganz klar ist: Wer nachhaltig heizen will, muss von fossilen Brennstoffen wegkommen. Ein Boomobjekt der letzten Jahre sind Wärmepumpen, die nachhaltiges Heizen durchaus möglich machen können. Doch, so warnt Banner, müssen da die Voraussetzungen passen.

„Luft-Wärmepumpen machen nur bei einer sehr guten Energieklasse, mindestens A, Sinn. Diese Pumpen erzeugen Energie aus kalter Luft und brauchen bei ungenügender Dämmung und niedrigen Außentemperaturen extrem viel Strom.“ Das ist nicht ratsam, schließlich gibt es in Österreich einen Mangel an ökologisch erzeugtem Strom. „Gerade im Winter muss Strom importiert werden und bei dem zugekauften Strom handelt es sich fast ausschließlich um Kohle- und Atomstrom.“ Gute Alternativen zur Wärmepumpe sind Fernwärme, Biomasseheizung, zum Beispiel Pellets in Kombination mit einer thermischen Solaranlage.

Gute Fenster sind ganz wichtig

Ein Knackpunkt bei jeder Sanierung sind auch die Fenster. „Ein guter Fensterstandard, etwa die Dreischeiben-Wärmeschutzverglasung, erhöht die Behaglichkeit in den Räumen und senkt den Heizwärmebedarf.“ Die Fenster sind so etwas wie das Gesicht des Hauses und gerade bei älteren Häusern muss man nicht immer alles wegschmeißen. „Auch alte Kastenfenster kann man mit Wärmeschutzverglasung und einer neuen Dichtung sehr gut wieder auf Vordermann bringen“, sagt Banner.

Baukosten und Sanierungskosten werden im Lebenszyklus eines Hauses von den Kosten für den laufenden Betrieb um ein Vielfaches übertroffen. Sprich: Wer am falschen Ende spart, zahlt am Ende drauf. „Sanieren hat seine Kosten. Man braucht Gerüste, Baustelleneinrichtung, man muss malen. Da sollte man bei Fenstern und Dämmung nicht sparen“, sagt Banner. „20 Zentimeter Dämmung einzubauen, kostet nicht so viel mehr als zwölf Zentimeter, macht sich aber auf lange Sicht bezahlt. Gute Planung ist alles.“ Wer sich von den Profis von DIE UMWELTBERATUNG Tipps holt, kann also den Geldbeutel schonen und gleichzeitig der Umwelt einen großen Dienst erweisen.

Mehr Infos dazu finden Sie auf der Website von DIE UMWELTBERATUNG.