11.JUNI 2019 
Freizeit
Der Kletterparcours ist die vielleicht größte Herausforderung im Motorikpark. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Ein Training in Wiens Open-Air-Fitnesscenter

Sport an der frischen Luft ist das Motto in den Wiener Motorikparks. Anstatt im freudlosen Fitnesscenter die Wand anzustarren, trainieren hier Jung und Alt direkt unter der Sonne. CLUB WIEN hat mit Trainer Josef Jancso ein Workout absolviert.

Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Das sind die Dimensionen der Motorik. Im Motorikpark im 22. Bezirk gibt es ein Open-Air-Studio mit zahlreichen Geräten und Parcours, das dabei hilft ganzheitlich fit zu bleiben. Gerade im Sommer ist das gefragt; Stichwort Bikinifigur. Sämtliche Stationen auf dem 21.000 Quadratmeter großen Gelände wurden nach sportmedizinischen Gesichtspunkten gebaut.

Josef Jancso ist seit der ersten Stunde als Trainer am Projekt beteiligt. Von Schulgruppen bis Seniorinnen und Senioren steht er allen Fitnesssuchenden auf Nachfrage zur Seite. Im Motorikpark können alle gratis trainieren. Bevor man loslegt, ist eine Trainingsstunde aber empfehlenswert. "Auch wenn wir hier glücklicherweise viele Kinder haben, ist der Park kein Kinderspielplatz. Wer etwas für seine Gesundheit tun will, sollte schon lernen, wie man die Stationen richtig nutzt und was ein Workout alles braucht."

Für Jung und Alt ideal

Der Motorikpark ist auch für Gruppentrainings ideal geeignet. An den diversen Stationen kann man kleine Wettkämpfe inszenieren und Teambuilding betreiben. Auch Schulen sind hier oft zu Gast. "Das Schöne ist, hier treffen ganz junge Menschen und Seniorinnen und Senioren aufeinander. Die einen, um die Bewegungskompetenz zu entwickeln, die anderen, um sie zu erhalten. Dadurch gibt es hier eine ganz eigene Stimmung." Im Gegensatz zum Fitnesscenter hört man hier ständig jemanden lachen, johlen oder Leute sich gegenseitig anfeuern.

Bei unserer Trainingsstunde herrscht Kaiserwetter. In der Distanz funkelt sogar der nahe gelegene IKEA unter den Sonnenstrahlen. Top-Wetter, aber auch ein Grund für ein paar Vorbereitungen. "Ich empfehle den Kindern, ein Kapperl aufzusetzen, und alle sollten sich im Sommer gut einschmieren. Schatten gibt es hier nicht allzu viel", sagt Jancso. Umfassend eingecremt legen wir auch gleich los.

Sprunggelenk im Fokus

Am Anfang aller Workouts steht das Aufwärmen. Gemeinsam mit Jancso laufen wir eine Runde um den Park, die Arme drehen wir dabei mühlenartig, um auch die letzten Muskeln zu aktivieren. Danach widmen wir uns den Gelenken, insbesondere dem Sprunggelenk. Über diverse Plattformen, die teilweise wackeln und teilweise verlangen, dass man die Füße bei den Schritten in alle möglichen Richtungen dreht, schreiten wir dem Training entgegen. "Das Sprunggelenk ist darum so wichtig, da es bei fast jeder Übung mitmacht. Besonders bei aktiven und abwechslungsreichen Parcours, wie wir sie hier haben. Wer gut aufwärmt, ist verletzungsresistenter", sagt Jancso.

Dann geht es richtig los. Nach einem Lauf durch die Slalomstangen ist das Trampolin an der Reihe. Das federnde Netz befindet sich unter einer Platte, man springt von Loch zu Loch. Zuerst mit einem Bein voraus, dann mit beiden gleichzeitig. Theoretisch kann man auch Drehungen in der Luft durchführen. "Alle Stationen hier sind für jede und jeden geeignet. Man kann die Übungen selbst schwieriger gestalten, um das Training an den Fitnesslevel anzupassen", sagt Jancso.

Die Parcours verlangen alles ab

Für Jancso ist der Kletterparcours so etwas wie die Königsdisziplin. Über Stangen, Seile, Schaukeln und Netze muss man sich dem Ziel entgegenhanteln. Wer durchkommt, ohne den Boden zu berühren, hat sich den Respekt von Jancso verdient. "Das ist wirklich nicht ohne. Vor allem, weil man solche Übungen wirklich selten macht. Sogar mit Bouldern kann man das schwer vergleichen." In der Tat ist der Parcours eine Herausforderung. Die Balance zu halten, ist das erste Problem, die rasch ermüdenden Arme das zweite. Schon nach wenigen Metern endet unser Versuch auf dem sprichwörtlichen Boden der Realität.

Von einem Parcours zum nächsten. Der Balancierparcours ist genau das, wonach er klingt. Leicht hüpfend muss man von einer Stange zur nächsten springen. Es gibt keine Gelegenheit, sich irgendwo anzuhalten. Manche der Schritte sind ganz schön wackelig. Hier spüren wir auch schon die erste Erschöpfung. Die Beine werden müde, die Erfolgschancen sind gering, der Spaßfaktor bleibt aber hoch. Apropos Spaß: Im hinteren Bereich finden wir die Zentrifuge. Das ist ein Seil, an dem man, nach kräftigem Anlauf, um eine mehrere Meter hohe Stange fliegen kann. "Diese Station simuliert so ein bisschen das Kitesurfen. Arme, Schultern und Rumpf werden voll gefordert", sagt Jancso.

Wir lassen die Muskeln spielen

Jetzt geht es ans Eingemachte: Der Kraftpavillon ist so etwas wie die Muckibude des Motorikparks. Vor der kleinen Hütte stehen eine Reckstange sowie zwei Ringe für Turnübungen bereit. Für das eigene Workout sind vor allem Klimmzüge interessant, wie auch Jancso bekräftigt. "Der Kraftpavillon eignet sich perfekt für Klimmzüge, Kniebeugen und Liegestütze. Das sind drei der allerwichtigsten Übungen im Fitnessbereich." Bei den Kniebeugen kann man die Gewichte ganz einfach selbst wählen, von richtig schwer bis sehr leicht. Im Pavillon gibt es auch mehrere Stationen, an denen man den Rumpf trainieren kann.

Ist all das geschafft, kann man das Workout entweder an der Dehnstation abschließen oder noch eine oder zwei Runden um den Motorikpark laufen. Das Workout unter der Sonne schlaucht ordentlich, macht aber Lust auf mehr. Jancso ist vom Motorikpark überzeugt. "Hier draußen ist man einfach so richtig motiviert. Ich finde es wesentlich besser, als auf dem Ergometer die Wand anzustarren", sagt der Trainer. "Und man spart sich auf jeden Fall auch noch das Solarium."