26.AUGUST 2021 
Freizeit
Die Wasserskiwand ist ein effektives Ganzkörpertraining. © Bohmann/Dujmic

Ninja Warrior Favoriten

Spaß an der Bewegung. Darum geht’s im Motorikpark 10 im Helmut-Zilk-Park. Dank des Hindernisparcours können dort Alt und Jung den inneren Ninja, Indiana Jones oder Piraten entdecken. Wir hatten beim Testen viel Spaß!

Mitten im Grätzl entstand 2017 einer der wohl coolsten Sport- und Spielplätze Wiens. Nach Vorbild des großen Motorikparks in der Donaustadt realisierte man in Favoriten einen Ort der Bewegung. Auf 1.400 Quadratmetern findet man zehn Stationen vor, die spielerisches Trainieren möglich machen. Egal ob das Ziel lautet, Ausdauer oder Kraft zu verbessern oder einfach Spaß zu haben: Der Motorikpark 10 ist der perfekte Ort dafür.

Der Park ist durchgehend geöffnet, bei Nässe, Eis, Schnee, Frost und Gewitter sollte man aber von einer Nutzung Abstand nehmen, da die Verletzungsgefahr steigt. Kinder unter 1,40 Meter sollten nur unter Aufsicht turnen. Generell wird der Park aber Kindern jeden Alters Freude bereiten. Auch wir sind beim Anblick der Sportlandschaft schon voller Vorfreude und bereit durchzustarten. Wichtig: Bei allen zehn Stationen findet man Sicherheitshinweise, die man unbedingt durchlesen sollte.

Gleichgewicht ist gefragt

Die erste Station, die wir angehen, ist das Balancier-Sechseck. Dabei handelt es sich um sechseckig angeordnete Balken und Plattformen, die ordentlich wackeln und es einem schwer machen, oben zu bleiben. Die Aufgabe ist klar: Das Sechseck umrunden, ohne herunterzufallen. Wie schwer ist es, eine ganze Runde zu schaffen? Falls es uns jemals gelingt, sagen wir Bescheid. Aber auch für Tollpatsche wie uns ist das eine hervorragende Übung der Gleichgewichts- und Steuerungskompetenz.

Eine ähnliche Übung, aber in größerem Rahmen ist der Balancierparcours. Da finden sich Wippen, Seile, Balken, Wackelbretter und hohe Steine, über die man, idealerweise grazil, balanciert. Hier ist nicht nur der Gleichgewichtssinn gefordert, man ist auch gezwungen, sich schnell auf neue Situationen einzustellen und mitzudenken. So trainiert man nicht nur die Beine, sondern auch das Oberstübchen. Die Station ist definitiv ein Highlight im Motorikpark und macht richtig Spaß. Nachdem wir ein paar eher unansehnliche Runden gedreht haben, finden wir langsam, aber sicher den richtigen Dreh und werden immer schneller und fehlerfreier. Mit ein bisschen Fantasie kann man sich auch vorstellen, man balanciert wie Indiana Jones über einem Fluss voller Krokodile. Da trainiert die Fantasie auch noch mit.

Training, das in die Tiefe geht

Generell gibt es viele Gleichgewichtsübungen. So verbessert sich neben der Balance auch die vielzitierte Tiefenmuskulatur. So bezeichnet man die vielen kleinen Muskeln, die auf äußere Einflüsse reagieren und uns so schützen. Wenn zum Beispiel die U-Bahn auf einmal stehen bleibt und man kurz um die Balance kämpft, dann fällt man dank der Tiefenmuskulatur nicht auf die Nase. Und falls doch, trainiert man halt im Motorikpark, damit das beim nächsten Mal besser endet. Eine Station, die vor allem die Stabilisatoren in den Knien und im Fußgelenk auf Vordermann bringt, ist die Labyrinth-Platte. Auf dieser stehend, steuert man mit den Beinen eine Kugel durch ein Labyrinth bis ins Ziel. Genau so wie beim legendären Brettspiel, das wir sicher alle als Kind gerne einmal frustriert durch die Wohnung gepfeffert hätten.

Das Schöne ist, dass man so schonend trainieren kann, ohne seinem Körper zu viel zuzumuten. Die Wackelplatte, die aussieht wie ein Surfbrett, ist ein nahezu identes Training, nur halt ohne die Kugel, die ins Ziel muss. Beide Stationen schärfen auch die Propriozeption, oder Tiefensensibilität. Der Begriff bezieht sich auf ein Sinnesnetzwerk in unseren Gelenken, Muskeln und Sehnen, das uns dabei hilft, unsere Lage und Bewegung im Raum besser wahrzunehmen und zu koordinieren. Quasi die Steuerung für unsere Tiefenmuskulatur, manch einer nennt das auch den "sechsten Sinn". Um noch einmal die Öffis zu bemühen: Wenn jemand mühelos in der Straßenbahn steht, ganz angeberisch, ohne sich festzuhalten, dann hat er wahrscheinlich eine gut ausgebildete Propriozeption.

Apropos Rumpf: Der wird auch bei der Wasserski-Wand gebraucht. Die gibt einen ordentlichen Schub in Richtung Arme und Schultern. Bei der Übung greift man sich einen an Seilen hängenden Pfosten, ident zu einem Haltegriff beim Wasserski, und versucht, diesen haltend, mit den Füßen die Kletterwand hochzusteigen. Ganz wichtig: Die Körperspannung halten, Griff in Augenhöhe lassen und ganz bewusst und langsam von einem Vorsprung zum nächsten klettern. Die Vorsprünge sind in drei Farben gehalten, man kann also zum Beispiel versuchen, alle gelben abzuwandern. Nach einer Weile spürt man die Bauchmuskeln ordentlich und auch die Schultern fangen an zu brennen. Wir sind überzeugt, die Station ist Teil jeder Piraten-Grundausbildung.

Ein Mal wie ein Ninja sein

Unser persönlicher Favorit ist aber die Klettertour, das Herzstück des Motorikparks. Hier muss man sich von einem Hindernis zum nächsten hanteln und das Ziel erreichen. Die Hindernisse sind sehr abwechslungsreich und inkludieren Hängeleitern, Seile, Klimmzugstangen und sogar eine Art Metallkäfig in der Mitte. Wir fühlen uns stark an die Sendung "Ninja Warrior" erinnert und gehen mit Ehrgeiz in die Übung, nur um schon nach ein paar Stationen mit dem Charme eines Nilpferds rauszufallen. Macht nichts, wir gehen das Ganze einfach wieder von vorne an. Eine Verbesserung spürt man sehr bald, und wenn man sich etwas Zeit zum Üben nimmt, kann man die Klettertour auch ganz gut bewältigen. Wer Lust auf mehr Herausforderung hat, kann rückwärts klettern oder nur mit einem Arm arbeiten. Man kann sich auch mit Freundinnen und Freunden zusammentun und quasi umeinander herumklettern. Eine simple Übung, die man mit etwas Fantasie vielfältig erweitern kann und die eigentlich nie langweilig wird.

Zum Abschluss drehen wir noch eine Runde durch den Sprintslalom. Da läuft man, der Name verrät es, Slalom zwischen Stangen. Eine ideale Übung, um die Laufkoordination und die allgemeine Gewandtheit zu verbessern. Und ganz nebenbei kann man sich auch austoben und ein bisschen Ausdauer trainieren, wie das beim Laufen halt so ist.

Fazit: Der Motorikpark 10 macht einfach Spaß und weckt das Kind in jeder und jedem. Auch in Kindern. Die Stationen erlauben einen breit gestreuten Trainingsmix und ganz nebenbei ist es auch viel schöner, an der frischen Luft zu sporteln als im stickigen Fitnesszentrum. Leiwand!