15.OKTOBER 2018 
Gesundheit
Die Mobilitätsbox findet in vielen Kindergarten bereits großen Anklang. So auch im Kiga Obere Augartenstraße. © Christian Fürthner

Auf kleinen Füßen die Welt entdecken

Je früher Kinder das Zufußgehen und Radfahren in der Stadt entdecken, umso mehr finden sie auch im Erwachsenenalter Gefallen daran. Deshalb entwickelte die Mobilitätsagentur Wien die Mobilitätsbox, eine Box, mit der Kinder Freude an Bewegung finden.

Beim diesjährigen Wiener Gesundheitspreis wurde die Mobilitätsagentur Wien mit dem ersten Platz in der Kategorie "Gesund in Einrichtungen/Organisationen" ausgezeichnet. Ausschlaggebend dafür ist die Konzeption und Bereitstellung sogenannter Mobilitätsboxen für Kindergärten. Dabei handelt es sich um Kisten, die den Kindern mittels diverser Materialien Zufußgehen, Laufradfahren sowie Fahrradfahren näherbringen und schmackhaft machen sollen. Die Kiste mit Spiel-, Experimentier- und Bewegungsmaterialien soll die körperliche sowie geistige und soziale Entwicklung durch Bewegung fördern. CLUB WIEN hat mit Petra Jens, Mitarbeiterin der Mobilitätsagentur Wien über den Gesundheitspreis und die Mobilitätsbox gesprochen.

Petra Jens ist Beauftragte für Fußgängerinnen und Fußgänger der Stadt Wien und an der Entwicklung der Mobilitätsbox maßgeblich beteiligt.

Wiener Gesundheitspreis: Was ist das?

Bereits mit dem morgendlichen Läuten des Handyweckers starten wir in einen von digitalen Technologien ummantelten Tag. Was vor 30 Jahren noch völlig unvorstellbar war, ist heute kaum noch wegzudenken: Smartphone, Computer und Co begleiten uns im Alltag. Wir leben in einer Zeit des schnellen Wandels, in der die digitalen Technologien als große Chance für Wachstum gesehen werden. So vollziehen sich auch Veränderungen in Wirtschafts- und Arbeitswelt, in Öffentlichkeit und Privatleben in hoher Geschwindigkeit. Die Folgen sind, dass neue Technologien und Neue Medien zunehmend unser Kommunikationsverhalten, unsere Sozialisationsprozesse und Sprachkultur beeinflussen. Doch wie sehr dominieren uns digitale Medien? Welche Auswirkungen haben sie auf uns, unsere Kinder? Welchen Einfluss haben sie auf unsere Gesundheit und Umwelt? Antworten auf diese und andere Fragen lieferte die Wiener Gesundheitsförderungskonferenz 2018 unter dem Titel "Gesundheit und Digitalisierung - Inspirationen für die Praxis der Gesundheitsförderung". Sie fand am Montag, dem 10. September 2018, im Wiener Rathaus statt. Im Zuge der Konferenz wurden heuer 45 Projekte und Publikationen eingereicht. Eine Fachjury wählte die Preisträgerinnen und Preisträger in den Kategorien "Gesund in Grätzel und Bezirk", "Gesund in Einrichtungen und Organisationen" sowie "Gesunde digitale Stadt" - Jahresschwerpunkt der Wiener Gesundheitsförderung - aus. Unter der Kategorie "Gesund in Einrichtungen/Organisationen" hat die Mobilitätsagentur Wien den ersten Platz belegt. Sie stellte ihre Kindergarten-Mobilitätsbox vor. Eine Box, die Kleinkinder spielerisch zum Radfahren und Zufußgehen animiert.

Kleine ganz groß unterwegs

Um Kleinkinder das Entdecken der Stadt zu Fuß oder mit dem Rad schmackhaft zu machen, entwickelte die Mobilitätsagentur Wien eine Spielebox. "Je früher Kinder das Radfahren und Zufußgehen entdecken, desto eher finden sie auch im Erwachsenenalter Freude daran. Bewegung ist gesund und enorm wichtig für Kinder. Das viele Sitzen in der Schule und in der Freizeit ist ein Problem", so Petra Jens. Bei der Mobilitätsbox handelt es sich um eine Kiste, die Spiel-, Experimentier- und Bewegungsmaterialien sowie einen Leitfaden mit 15 Aktionsideen zur Mobilitätsbildung beinhaltet. Jeder Kindergarten, der Interesse an der Mobilitätbox hat, kann diese für vier bis sechs Wochen ausborgen. Bevor es mit dem Entdecken und dem Ausproben richtig losgehen kann, findet ein circa einstündiges Beratungsgespräch mit den Pädagoginnen und Pädagogen statt. Doch wie kam es zu dieser Box?

Spaß an Bewegung

Bewegung ist für ein gesundes und vitales Leben ausschlaggebend. Wer sich viel bewegt, ist nicht nur körperlich fitter, sondern auch geistig und emotional. Deshalb ist es wichtig, Kindern bereits im frühen Alter den Spaß an der Bewegung zu vermitteln. Denn wer bereits von Beginn an gewohnt ist, aktiv zu sein und anstelle der U-Bahn das Rad zu nehmen, wird auch später den Sport nicht scheuen. Bewegung lässt sich problemlos durch Zufußgehen, Laufradfahren und Fahrradfahren in den Alltag integrieren und wird dadurch zur Selbstverständlichkeit.

Der Kindergarten ist die erste Bildungseinrichtung im Leben eines Menschen. Hier werden Kinder nicht nur betreut, sondern auf das Leben neugierig gemacht. Durch das Spielen mit Gleichaltrigen entwickeln sie soziale Kompetenzen und lernen wichtige Grundlagen für das weitere Leben.

Bildung beginnt jedoch bereits mit der Geburt. Von Anfang an setzen sich Kinder aktiv und neugierig mit der Welt auseinander und entwickeln nach und nach ein Verständnis für Zusammenhänge. Sie entdecken die Welt für sich. Mit fortlaufendem Alter erweitern, differenzieren und erneuern Kinder ihr Bild von der Welt. Wichtig bei diesem Selbstverständnis ist, nicht zu fragen, wie Erwachsene Kindern etwas vermitteln können, sondern welche Bedingungen Kinder brauchen, um selbst Fragen stellen und Antworten suchen zu können. Hierbei kommt die Mobilitätsbox ins Spiel. Die Kindergarten-Mobilitätsbox soll das Interesse an aktiver Mobilität fördern. Sie bietet Angebote zu drei Themenbereichen: "So bin ich unterwegs", "Ich gehe auf Entdeckungsreise" und "Geschickt unterwegs". Die Themenbereiche laden sowohl die Kinder als auch die Eltern dazu ein, aktiv mitzumachen und sich zu bewegen. Sei es der Weg zur Schule zu Fuß oder generell ein Spaziergang durch die Stadt. In der Box befinden sich viele lustige Sachen, wie Spielfiguren, die Menschen im Verkehr simulieren, eine Fahrradklingel, ein Fahrradlicht oder auch Bücher und Spiele zum Thema Straßenverkehr. Die Kinder erfahren spielend, handelnd, forschend, bauend, beobachtend und nachahmend ihre Kindergartenumgebung. Dies soll sie gut auf den Schulweg vorbereiten. Bisher wurden auf diese Weise schon mehr als 1.800 Kinder in mehr als 60 Wiener Kindergärten erreicht. "Die Box kann von Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen kostenfrei bei der Mobilitätsagentur Wien ausgeborgt werden. Die Box wird in den Kindergarten geliefert und nach sechs Wochen wieder abgeholt", so Frau Jens. Hier geht's zur Mobilitätsbox.

Mit Anna unterwegs in den Kindergarten

Damit das Erlernte aus dem Kindergarten nicht in Vergessenheit gerät, erhalten alle Kinder, die bei der Mobilitätsbox mitmachen, ein kleines Kinderbüchlein für zu Hause. "Anna unterwegs in den Kindergarten" heißt das Buch und ist auch in türkischer Sprache erhältlich. Dass der Weg zum Kindergarten zu Fuß und mit dem Laufrad ein spannendes Abenteuer sein kann, wird im Kinderbüchlein mehr als deutlich. Die kleine Anna entdeckt ihre Umwelt auf dem Laufrad, im Lastenrad oder zu Fuß und erlebt dabei lustige und interessante Dinge. Das Buch ist für Kinder von zwei bis sechs Jahren geeignet. "Mit dem Kinderbüchlein und der Mobilitätsbox haben wir zwei Produkte entwickelt, die einerseits kleinere Kinder ansprechen und andererseits Pädagoginnen und Pädagogen dabei unterstützen, Radfahren und Zufußgehen auf Alltagswegen im Kindergarten spielerisch zum Thema zu machen", so Jens.