Der Mistplatz Grinzing ist von Montag bis Samstag, 7 bis 18 Uhr geöffnet. Am Mistplatz kann Sperrmüll, Elektrogeräte und Problemstoffe in Haushaltsmengen kostenlos abgegeben werden. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Ein schönes Plätzchen für den Sperrmüll

In Wien werden jährlich 155.000 Tonnen Müll abgegeben, davon sind rund 20.000 Tonnen Sperrmüll. Dieser landet auf den Wiener Mistplätzen, einer Gratis-Serviceeinrichtung der Stadtverwaltung. Wie funktioniert so ein Mistplatz? CLUB WIEN gibt Auskunft.

Wer kennt das nicht? Man übersiedelt in eine neue Wohnung, kauft sich endlich das schöne Boxspringbett oder mistet gründlich aus. Die Devise lautet: Altes raus, Neues rein. Doch wohin mit den alten Sachen und was kann ich wo entsorgen? Die Wiener Mistplätze bieten den Wienerinnen und Wienern einen kostenlosen Service zur Sperrmüllbeseitigung. Doch auch dort gelten Regeln. Mit Sperrmüll bepackt hat sich CLUB WIEN zum Mistplatz Grinzing begeben, dort Ulrike Volk von der MA 48 getroffen und mit ihr über den Mistplatz und seine Funktionen gesprochen.

In Wien gibt es 16 Mistplätze, die allesamt gut platziert und leicht zu erreichen sind. Betreut werden sie von der Magistratsabteilung für Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark (MA 48). Die Wiener Mistplätze gibt es seit 1988. Sie wurden für die Wiener Bevölkerung geschaffen, um Sperrmüll, Elektrogeräte und Problemstoffe in Haushaltsmengen bequem und umweltgerecht entsorgen zu können. Seither gab es im Bereich der Mülltrennung und -entsorgung immer wieder Verbesserungen und Erneuerungen sowie gesetzliche Änderungen. Neben den Recyclingstationen wird auch viel Wert auf die Nutzerinnen- und Nutzerfreundlichkeit gelegt, weshalb die Mistplätze modernisiert werden. Ein besonders moderner und nutzungsfreundlicher Mistplatz ist jener in Grinzing.

Wie alles begann ... 

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Abfall meist zu Asche, da er größtenteils im eigenen Ofen zu Hause verbrannt wurde. Mit dem gestiegenen Wohlstand und der Entwicklung zur Konsumgesellschaft nach dem 2. Weltkrieg gab es immer mehr Abfallmengen mit anderer Zusammensetzung. Zusätzlich vermehrte sich Sperrmüll, der in den bereitgestellten Behältern keinen Platz fand. "Dieser konnte in den Mulden im öffentlichen Raum entsorgt werden", so Ulrike Volk von der MA 48. Von Mülltrennung an sich war damals noch keine Rede.

Es gab in Wien für Sperrmüll einige offene Mulden, die unbetreut für alle zugänglich aufgestellt wurden. Diese wurden aber nicht nur wie vorgesehen für Sperrmüll, sondern auch für andere Abfälle aus Haushalten und von Gewerben genutzt. Doch mit der Modernisierung und dem vermehrten Aufkommen von elektrischen Geräten, Plastikwaren und Problemstoffen, was mehr und mehr Müll erzeugte, kam es langsam zu einem Umdenken. Ende der Siebzigerjahre kam die getrennte Sammlung von Müll zum ersten Mal auf. Man startete mit der Stofftrennung, das heißt mit dem Recycling beziehungsweise der umweltfreundlichen Behandlung von Problemstoffen.

Die Wiener Mistplätze

Um Mülltrennung ordnungsgemäß und umweltgerecht umsetzen zu können, benötigt es vor allem geordnete Übergabestelle mit geschultem Personal. Im Jahr 1988 entschloss sich die Stadt, solche zu errichten, doch wo? "Die MA 48 hatte keine freien Plätze, die sich als Übergabestellen von Sperrmüll eigneten. Deshalb beschloss man, die vorhandenen Winterdienstplätze zu nutzen", so Volk. Winterdienstplätze sind Plätze, auf denen Streumittel zwischengelagert werden, damals vor allem Streusplitt. Bei Schneefall wird dieser von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der MA 48 für die Bestreuung der Straßen abgeholt. Da diese Plätze bereits von Personal betreut wurden, asphaltiert und auch ausreichend groß waren, wurden auf den Winterdienstplätzen Mulden aufgestellt - die ersten Mistplätze waren geboren. Auf den neuen Mistplätzen konnte die Bevölkerung Sperrmüll, Problemstoffe und Altstoffe entsorgen, aber auch bereits Altwaren abgeben.

Mit der Zeit entwickelten sich die Aufgaben am Mistplatz weiter. Neue Produkte und neue Technologien bringen neue Abfallarten (Stichwort Energiesparlampen, LED-Bildschirme etc.), die es heißt, getrennt zu sammeln und entsprechend weiterzubehandeln.

Der Weg der modernen Entsorgung

Ist die Wohnung erst einmal entrümpelt, heißt es jetzt noch, die alten Sachen richtig zu entsorgen. In den Anfangszeiten der Mistplätze war die Entsorgung noch schwieriger, da die Mulden nur über einen Aufstieg erreichbar waren. Das heißt, die Waren mussten zuerst die Mulde hinaufgebracht werden, um sie anschließend hinunterzuschmeißen. Der Mistplatz in Grinzing wurde 2014 als erster Mistplatz Wiens komplett modernisiert. Die Mulden wurden auf einer tieferliegenden Ebene platziert, um die Abfälle ohne Aufstiegshilfe zu entsorgen, und neue Schilder wurden aufgestellt. Bei der Sanierung stand vor allem die Sicherheit der Kundinnen und Kunden im Vordergrund. So gibt es am Mistplatz in Grinzing getrennte Anfahrtswege für die Kundschaft und den Betrieb. "Wenn man früher Mulden entleerte oder ausgetauscht hat, ist es immer wieder zu gegenseitigen Beeinträchtigungen von Kundeninnen beziehungsweise Kunden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei den nötigen Manipulationen der Mulden gekommen. Mit der getrennten Zufahrt wurde gewährleistet, dass solche Situationen erst gar nicht mehr entstehen können", so Ulrike Volk. Nun fahren die Kundinnen und Kunden auf einer eigenen Ebene und kommen mit den Fahrzeugen für die Manipulation der tieferliegenden Mulden nicht in direkten Kontakt.

Hier kommt der Sperrmüll rein – Stationen am Mistplatz

Der Mistplatz bietet je nach Abfallart verschiedene Stationen. Neben den Mulden für Holz, Reifen, Grünschnitt, Sperrmüll und auch Styropor gibt es auf jedem Mistplatz weitere Stationen wie die Problemstoffabgabestelle. Hier werden nicht nur Problemstoffe, sondern auch Speiseöle, Altstoffe, Medikamente oder Elektrokleingeräte abgegeben. Die abgegebenen Stoffe werden getrennt und in unterschiedliche Behälter gebracht. "Wenn ich beispielsweise ein Handy abgebe, muss dieses auseinandergenommen werden. Der Akku wird rausgenommen und gesondert aufbewahrt. Der Grund dafür ist, dass sich im Akku unterschiedliche Schadstoffe befinden, die nicht gemeinsam mit dem Handy behandelt werden sollen", so die Mitarbeiterin der MA 48.

Einige Inhaltsstoffe können wiederverwertet werden. Diese kommen in eine stoffliche Verwertung, das heißt, sie werden recycelt. Andere Stoffe müssen anderweitig behandelt werden. "In Wien gibt es den Drehrohrofen. Das ist die Verbrennungsanlage für gefährliche Stoffe wie Altöl. Das Öl wird in der Anlage thermisch verwertet und anschließend für Energie wie die Produktion von Strom oder Fernwärme genutzt.

Einkaufen am Mistplatz

Am Mistplatz sind bei der Problemstoffabgabestelle unterschiedliche Produkte der MA 48 zu erwerben. Dazu gehört die torffreie Erde "Guter Grund", hergestellt aus dem Wiener Kompost. Sie ist in 18- und 40-Liter-Säcken zum Preis von drei beziehungsweise fünf Euro erhältlich. Zudem können am Mistplatz noch Laubsäcke, Weihnachtsäcke oder Vorsammeltaschen erworben werden.

Batterie-Sammelboxen sowie Drei-Liter-Kübel für Altspeiseöle und -fette (WÖLI) für zu Hause sind gratis erhältlich. Die erste Abholung eines Gastro-WÖLIs kostet fünf Euro. Der Tausch von vollen gegen leere, saubere WÖLIs ist dann wieder kostenlos. Auch Bücher können am Mistplatz in die Büchertauschstelle gebracht werden. Bereits gelesene Bücher können abgegeben und gegen "neue" eintauscht werden. Ziel ist die Abfallvermeidung. Die Büchertauschstelle ist in einer Telefonzelle und auf jedem Mistplatz zu finden.

Kompost der Klasse A+ vom Mistplatz

Auf den Wiener Mistplätzen kann Kompost der Klasse A+, ein Kompost, der in seiner Qualität kaum besser sein könnte, abgeholt werden. Daraus entsteht unter anderem auch die Erde "Guter Grund", die am Mistplatz erworben werden kann. Vom Kompost hingegen kann - je nach Verfügbarkeit - für die private Nutzung ein halber Kubikmeter gratis abgeholt werden. "Wir kompostieren rein biogene Pflanzenabfälle. Das heißt, es sind nur Gartenabfälle und Küchenabfälle wie Gemüse und Obst, kein Fleisch, keine Eierschalen oder sonstigen tierischen Produkte enthalten. Das sichert unsere hohe Qualität. Die Gartenabfälle kommen in das Kompostwerk in der Lobau. Die Kompostierung dauert acht bis zwölf Wochen, währenddessen werden für die Mikroorganismen optimale Lebensbedingungen hinsichtlich Luftzufuhr und Wassergehalt geschaffen, sodass sich die Mikroorganismen wohlfühlen und ihrer Tätigkeit nachgehen. Dies geschieht durch das Umsetzen der Kompostmieten und die bedarfsgerechte Zufuhr von Wasser. Am Ende entsteht Kompost der Klasse A+, ein Kompost, den man auch zur Düngung im Biolandbau verwenden kann. Er trägt das österreichische und europäische Kompostgütesiegel und ist quasi ein High-End-Produkt", erklärt Ulrike Volk.   

Abgabe von Altwaren in Tandler-Boxen

Seit 2015 gibt es auf den Mistplätzen auch die Möglichkeit, seine Altwaren bei der Tandler-Box abzugeben. Alte Waren, die zu Hause nicht mehr gebraucht werden, können hier abgegeben werden. Je nach Zustand kommen die Waren weiter zum 48er-Tandler oder werden als Spenden an karitative Einrichtungen übergeben. Auch Altkleider können hier abgegeben werden. "Wir stellen sicher, dass die abgegebenen Kleider soweit wie möglich auch in Wien weiterverwendet werden", so Volk.

Restmüllabgabe möglich

Seit einiger Zeit ist es am Mistplatz Grinzing auch möglich, seinen Restmüll zu entsorgen, jedoch ist die Abgabe kostenpflichtig. In der Regel wird der Restmüll über die Restmüllgebühr finanziert, die jede Bürgerin und jeder Bürger zu zahlen hat. Die Nutzung des Mistplatzes und die Abgabe der Altstoffe hingegen sind kostenlos. Aufgrund dessen war es früher nicht möglich, seinen Restmüll am Mistplatz zu entsorgen, da man ansonsten die Restmüllgebühr zu Hause umgehen könnte. "Da aber trotzdem immer wieder der Bedarf aufkam, zum Beispiel nach einer größeren Party, bei der mehr Müll anfiel, stellte man am Mistplatz eine eigene Station für Restmüll auf", erklärt Ulrike Volk. Für bis zu 150 Liter sind zwei Euro zu zahlen.

Der Grinzinger Mistplatz ist der erste, der modernisiert und nutzerinnen- und nutzerfreundlich errichtet wurde. Die Mistplätze Simmering, Auhof, Rinterzelt, Liesing sowie der Mistplatz in Stammersdorf wurden ebenfalls bereits modernisiert beziehungsweise sind teilweise auch neu. "Dort, wo es möglich und genügend Platz vorhanden ist, schauen wir, dass die Mistplätze nach diesem neuen System aufgebaut werden", so Volk.

Öffnungszeiten am Grinzinger Mistplatz: Montag bis Samstag 7 bis 18 Uhr. Der Mistplatz Rinterzelt im 22. Bezirk ist zusätzlich auch an Sonntagen von 7 bis 18 Uhr geöffnet.