Der Miniatur-Stephansdom ist eines der Highlights im "Königreich der Eisenbahnen". © Bohmann/Dujmic

 

Mini-Wien im Wurstelprater

Wien ist nicht nur die lebenswerteste Stadt der Welt, die Donaumetropole wird auch zur zweitgrößten Modelleisenbahnhauptstadt weltweit. Dafür sorgt die neue Attraktion im Wurstelprater: „Das Königreich der Eisenbahnen“.

Die Entscheidung ist unmöglich. Auch nach ein paar Runden durch das „Königreich der Eisenbahnen“ kann man sich nicht darauf festlegen, welches der 70 Wahrzeichen im Maßstab 1:87 einem am besten gefällt. Auch dem Direktor der Ausstellung, Filip Simek, fällt die Wahl schwer. „Mir gefallen alle sehr gut. Ein Favorit ist vielleicht die Spittelau, die ja aufgrund der Hundertwasser-Optik doch etwas ganz Besonderes ist.“

Eine gute Wahl, wie wir finden. Die Miniatur-Müllverbrennungsanlage ist wunderbar gelungen, von der Kuppel bis zu den Verzierungen sind auch die kleinsten Details geglückt. Unser persönliches Highlight ist vielleicht der Hauptbahnhof. Der sieht dem großen Vorbild täuschend ähnlich und die kleinen Züge wecken in uns definitiv das innere Kind. Der Stephansdom hat es uns auch angetan.

Großer Aufwand für kleines Wien

Doch das Modell ist mehr als nur ein Wahrzeichen. Etliche Gebäude, Straßen voller Öffi-Verkehr, parkende Autos und Tausende von Figuren erwecken Wiens kleines Ebenbild zum Leben. Dass dieses Vorhaben so gut gelungen ist, hat mit Zufall wenig zu tun. Das „Königreich der Eisenbahnen“ ist eine Schwesterattraktion von „Království železnic“, der größten Modellbahnausstellung in Mitteleuropa aus Prag. Hier waren echte Profis am Werk, und zwar richtige Teams, keine einsam vor sich hinbastelnden Modellbauerinnen und -bauer. Tischlerinnen und Tischler, Elektrikerinnen und Elektriker, Feinmechanikerinnen und Feinmechaniker, Programmiererinnen und Programmierer: Ein Team von 50 Leuten war im Einsatz.

 

Insgesamt werden 13 Millionen Euro in das Projekt investiert. Damit wird Wien nach Hamburg zur zweitgrößten Modelleisenbahnhauptstadt weltweit. Der Aufwand war dementsprechend groß. „Da wir nicht vor Ort bauen konnten, musste das gesamte Modell woanders errichtet werden. Dann wurde alles für den Transport aufgeschnitten, in Kisten verpackt und hier in Wien wiederaufgebaut“, sagt Simek.

Kooperationen und Nachhaltigkeit

Insgesamt ist das Stadtmodell 270 Quadratmeter groß. Neben 73 Wahrzeichen stehen hier 198 Häuser und Kits, 62 Lokomotiven, 300 Wagen, 10 Bims und U-Bahnen, 60 mobile Straßenfahrzeuge, 230 statische Fahrzeuge, 11.450 Figuren, 28 Action-Szenen und 13.700 Beleuchtungen. „Wir sind besonders stolz darauf, dass uns eine gute Mischung aus Geschichtsträchtigem und Modernem gelungen ist“, sagt Simek.

Ein besonderes Highlight ist eine Kooperation mit den Wiener Linien. „Wir haben eine alte Straßenbahn zur Verfügung gestellt bekommen und werden auch zukünftig Artefakte erhalten. Da der öffentliche Nahverkehr ein absoluter Schwerpunkt für uns ist, ist das also eine tolle Sache für uns. Gäste mit Jahreskarten erhalten übrigens Nachlass bei uns“, sagt Simek.

Auch mit Wien Energie hat man zusammengearbeitet. Das 14 Meter hohe, zweistöckige Ausstellungsgebäude verfügt über eine nachhaltige Photovoltaikanlage, um Strom umweltbewusst zu erzeugen. „Unser Dach war dafür sehr gut geeignet, da es flach und in sehr gutem Zustand ist. Darum haben wir mit Wien Energie die 100-Kilowatt-Anlage errichtet. Außerdem haben wir eine Wasserkühlung und erwärmen das Grundwasser gänzlich ohne fossile Brennstoffe.“ Dafür sorgt eine Wärmepumpe mit thermischer Versorgung aus dem Grundwasser.

So gleicht das „Königreich der Eisenbahnen“ seinem großen Vorbild in jeder Hinsicht: beide geschichtsträchtig und zukunftsfit zugleich.