Ashkan liebt es, den Malkurs zu leiten und die SeniorInnen im Haus Leopoldau lieben es, von ihm zu lernen. © Bohmann/Bubu Dujmic

 

Der Meister im Haus Leopoldau

Der Malkurs im Haus Leopoldau bringt die kreative Seite der BewohnerInnen zum Vorschein. Unter der Führung von Asylwerber Ashkan finden die TeilnehmerInnen nicht nur ihren inneren Picasso, sondern auch neue FreundInnen und viel Lebensfreude.

Begeistert greift sich Seyed Amir Ashkan Sanglakhghouchanatigt Asl Sharafi Samarghandi an die Brust. Der Mann mit dem stattlichen Namen, der gerne Ashkan genannt wird, findet in der Arbeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses Leopoldau des Kuratoriums Wiener Pensionisten-Wohnhäuser jede Menge Freude. Bei einem gelungenen Pinselstrich kann er seine Freude nicht verbergen. „Ich bin sehr stolz, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern hier zu arbeiten“, sagt der Asylwerber aus dem Iran. „Alle sind sehr nett zu mir und ich möchte unbedingt, so lange es geht, den Kurs leiten.“

Gemeinsam das Leben genießen

Heute arbeitet die Gruppe mit einer Fotografie eines Papageis. Es gilt, den bunten Vogel auf die Leinwand zu bringen. Ashkan steht allen mit Rat und Tat zur Seite. Da rät er zu etwas mehr Grün, hier zu einem schmaleren Pinsel. Ashkan war in seiner Heimat ein Künstler. „Leider konnte ich dort nicht länger bleiben, da unser Regime sehr große Probleme mit Künstlerinnen und Künstlern hat. Deswegen kam ich nach Wien, um ein neues Leben zu beginnen.“ Dass ihm die Kunst im Blut liegt, sieht man ihm gleich an, ebenso seine Leidenschaft für die Malerei. „Für mich ist die Kunst Leben und Liebe zugleich. Und das Wichtigste für mich ist, dass die Menschen im Kurs das Leben genießen.“

Und das tun sie auch, wie Bewohnerin Anneliese Riegler gerne bestätigt. Sie ist Kursteilnehmerin der ersten Stunde und sowohl vom Kursangebot der Häuser zum Leben als auch von Ashkan begeistert. „Unser Malmeister ist sehr bemüht, sympathisch und er weiß, was er tut. Wir haben schon so viel von ihm gelernt“, sagt die Seniorin. „Ich wusste zum Beispiel nicht, dass man bei einem Bild mit dem Hintergrund beginnt. Hier zum Beispiel malen wir nicht den Papagei zuerst, sondern zuerst alles andere und erst dann den Vogel im Vordergrund.“

 

Neues entdecken und FreundInnen finden

Bevor Anneliese in den Kurs kam, hatte sie keinerlei Erfahrung in Sachen Malerei. „Durch die Kurse hier im Haus hat sich für mich eine neue Welt erschlossen. Ich bin auch in der Keramikgruppe und finde die kreative Arbeit einfach toll.“ Egal ob Herbstlaub oder Bilder aus Zeitschriften, die Seniorinnen und Senioren arbeiten an jedem Bild mit ganz viel Herzblut. Die Bilder werden auch ausgestellt und verkauft, zum Beispiel auf dem Ostermarkt, und erfreuen sich großer Beliebtheit. Kein Wunder, steckt doch sehr viel Arbeit in den Werken. „Für manche Bilder brauchen wir schon sechs bis acht Wochen“, sagt Anneliese.

Der Kurs ist aber nicht nur eine tolle Chance, sich kreativ auszudrücken. Man lernt auch viele neue Menschen kennen. „Ich habe schon sehr viele Freundschaften im Kurs geschlossen. Man sieht ja oft die gleichen Damen und Herren in den Kursen, sei es Malen oder Singen oder die Gymnastik. Es bildet sich schon eine Gemeinschaft und das taugt mir viel mehr, als alleine zu Hause zu sitzen.“

Malen kann auch Therapie sein

Stolz zeigt Anneliese eines ihrer älteren Werke. Der Einzige, der genauso stolz auf die Werke des Malkurses ist wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ist Ashkan. Besonders glücklich ist er, wenn er sieht, wie gut das Malen den Bewohnerinnen und Bewohnern tut. „Manche der älteren Menschen haben Schwierigkeiten mit der Beweglichkeit, gerade mit den Händen. Da sehe ich oft, dass Malen mehr sein kann als Kunst. Es ist auch eine Therapie. Bei vielen verbessert sich die Koordination im Lauf des Malkurses deutlich.“

Dann widmet sich Ashkan wider seinen Malschülerinnen und -schülern. Mit dem Fortschritt beim Papagei ist er sehr zufrieden. „Das werden wieder sehr schöne Bilder“, freut sich Ashkan. Und sowohl der Malmeister als auch die Seniorinnen und Senioren genießen das gemeinsame Kreativsein. Und das ist ja bekanntlich das Wichtigste.

Weitere Infos zu Kursen des KWP erhalten Sie bei den Häusern zum Leben oder unter der Telefonnummer des Hauses 01 313 99-0.