07.JUNI 2021 
Lifestyle
Arno Aumayr ist Gründer und Obmann von Maker Austria. © Maker Austria e.V.

Maker Austria: DIY-Kultur in Wien

Selbermachen liegt im Trend. Auch in Wien boomt die "Do it yourself"-Szene. Maker Austria bietet Raum, um zu arbeiten. Die Werkstatt ist eine der bestausgestatteten in Europa.

Rund 900 Quadratmeter Raum, um sich und seine Ideen zu verwirklichen. Das ist Maker Austria, einer der größten Maker Spaces in ganz Wien. Als Zentrum für ambitionierte Selbermacherinnen und Selbermacher ist die Werkstatt eine der größten Österreichs und punktet mit hervorragender Ausstattung, inklusive 3D-Drucker und Lasercutter.

Der gemeinnützige Verein ermöglicht, an einer Vielzahl von Projekten zu werken. Der Bogen spannt sich von Elektronik über Robotik und Holzarbeit bis hin zu Textilprojekten oder auch Keramikarbeiten. Dank eines Meeting- und Workshopbereichs hat man sich zu einer echten Institution in Wien entwickelt.

Generell boomt das Thema auch bei uns, wer gerne repariert könnte sich auch für den Reparaturbon der Stadt Wien interessieren.

Der Vorteilsclub sprach mit Gründer und Obmann Arno Aumayr über Visionen, 3D-Druck und die Zukunft der DIY-Szene.

Vorteilsclub: Könnten Sie uns etwas über sich erzählen? Wie wurden Sie zum Selbermacher?

Arno Aumayr: Ich wurde in Oberösterreich geboren und bin seit meinem 19. Lebensjahr in Wien. Ich bin Elektromechaniker und Maschinenbauer, habe mich aber relativ schnell nach meiner Ausbildung als Quereinsteiger im Bereich EDV/IT angesiedelt. 2000 habe ich meine erste Firma im Bereich Internetapplikationsentwicklung, spezialisiert im Forschungsbereich, eröffnet. Danach diese und eine zweite Firma auf- und ausgebaut (22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter). Im Jahr 2012 habe ich aufgrund privater Gründe und gesundheitlicher Probleme (Burn-out) meine Firmen geschlossen und mir ein Jahr Auszeit gegönnt. Danach habe ich zum zweiten Mal mein Hobby beziehungsweise meine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Alle bei Maker Austria, auch ich noch immer, arbeiten aber ehrenamtlich. Maker Austria feiert im Oktober seinen siebten Geburtstag.

Wie kam es zur Gründung von Maker Austria? Was war die Vision dahinter?

Wie schon gesagt, "Basteln" (primär im Robotik-Bereich) war schon immer eine Leidenschaft von mir. Aufgrund dessen, dass es in Wien und Österreich damals keinen klassischen Maker Space gab, habe ich mich dazu entschlossen, einen Maker Space mitten in Wien zu eröffnen. Mit aktuell rund 900 Quadratmetern reiner Werkstättenfläche sind wir noch immer der größte Maker Space in Österreich. Als gemeinnütziger Verein, wie eigentlich alle in diesem Feld, zählen wir in der Maker-Szene zu den größten und am besten ausgestatteten in Europa.

Ist die "Do it yourself"-Szene ein Gegenpol zur Wegwerfgesellschaft? Ist es Maker Austria auch ein Anliegen, den Menschen zu zeigen, dass DIY nachhaltig ist?

Ganz klar: ja. Wir lehnen uns sehr an die ursprünglichen Gedanken des Maker Movements an.

Sie haben auch eine tolle Ausstattung. Könnten Sie uns etwas über 3D-Drucker oder auch Lasercutter erzählen? Was kann man damit alles machen?

3D-Drucken ist eine großartige Produktionsmethode. Es gibt Dinge, die können nur mit dem 3D-Drucker hergestellt werden, in sonst keiner anderen Produktionsvariante.

3D-Drucken wird bei uns hauptsächlich in den Bereiche Prototyping, Kunst und Reparatur verwendet. Wenn man etwa Dinge braucht (Einzelstück oder Kleinstmenge), die es in der Form noch nicht gibt. Zum Beispiel für spezielle Gehäuse. Im Produktdesign ist 3D-Drucken ebenfalls sehr stark, um die Entwürfe/Zeichnungen kostengünstig in die reale Welt zu bringen. Etwas anzufassen ist noch immer etwas anderes, als Entwürfe oder 3D-Zeichnungen zu sehen. Und natürlich werden viele Ersatzteile gedruckt, die es entweder nicht mehr zu kaufen gibt oder die völlig überteuert sind. Großes Thema diesbezüglich natürlich die geplante Obsoleszenz.

Ähnlich verhält sich das Ganze auch beim Laser. Wobei der Laser, im Gegensatz zum 3D-Drucker, auch als Produktionsmaschine einzusetzen ist. Dadurch, dass sich zum Beispiel auch Stoffe oder Leder damit schneiden lassen, entdecken immer mehr Sparten den Lasercutter, um ihn nutzbringend zu verwenden. Die Anwendungsmöglichkeiten sowohl vom Lasercutter als auch vom 3D-Drucker sind schier unendlich. Eine genauere Ausführung hier würde den Rahmen sprengen.

Von Robotik über Kleidung bis hin zu 3D-Druckern wird bei Ihnen in vielen Bereichen gearbeitet. Wie kann man sich das vorstellen und wie gestaltet sich da der Arbeitsraum?

Die Themen von Maker Austria (3D-Drucken, Laser, Elektronik, Holz, Textil, CNC-Drehen und Fräsen, Metall, Keramik …) haben sich über die Zeit entsprechend in unserer Location angesiedelt. Die Hauptbereiche, wie etwa Elektronik, Holz, Robotik, sind seit Anfang an mit dabei. Die anderen Bereiche haben sich über die Zeit hinweg entwickelt. Wir sind grundsätzlich sehr Community-orientiert, das heißt, die Community gibt vor, wohin wir uns entwickeln. Bereiche werden größer oder kleiner, kommen neu hinzu oder verschwinden wieder.

Zum Abschluss: Würden Sie sagen, DIY boomt weiterhin? Werden Angebot und Nachfrage in den kommenden Jahren wachsen? Wird sich die Technik auch weiterentwickeln?

Ja, ja und ja! Allein in der kurzen Zeit, in der ich jetzt aktiv in der Maker-Szene unterwegs bin, hat sich viel, sehr viel getan. Der Bekanntheitsgrad steigt zwar sehr langsam, da die meisten ursprünglichen Initiativen meist kein Marketing- und PR-Budget haben, aber doch. Und auch die Technik hat sich wie in vielen Bereichen unglaublich weiterentwickelt. Ich gehe davon aus beziehungsweise bin sicher, dass wir das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht haben.