Um die Herztöne des Kindes zu messen, benutzt Markus Leich ein sogenanntes CTG-Gerät. © Bohmann/Andrew Rinkhy

 

Für Mamas und Babys

Wegbereiter. Seit 1995 sind hierzulande auch Männer zur Hebammenausbildung zugelassen – doch keiner hatte sich bisher für diesen beruflichen Werdegang entschieden. Das hat sich nun geändert: Seit vergangenem Sommer arbeitet Markus Leich im Donauspital.

Nicole ist gar nicht zufrieden. Seit 20 Minuten ist sie auf der Welt, aber irgendwie noch nicht ganz angekommen. Eingewickelt in eine flauschige Decke liegt das weinende Kind in Markus Leichs Armen, der es wiegend zu beruhigen versucht. "Nach den gemütlichen neun Monaten in Mamas Bauch fühlt es sich für die Kinder hier draußen etwas ungemütlich an", sagt Markus Leich. Er ist Wiens erste männliche Hebamme und seit vergangenem Sommer im Donauspital im 22. Bezirk tätig. "Aber das legt sich dann meistens wieder ganz schnell beim Kuscheln mit der Mutter." Nicole ist bereits die vierte Geburt, die Leich heute begleitet hat - und das, obwohl es erst elf Uhr vormittags ist. Drei der Geburten waren spontan, eine ein Kaiserschnitt. Für alle Mütter ist es das erste Kind.

"Die Chemie muss stimmen"

"Erstgebärende sind in der Regel besonders aufgeregt. Es ist wichtig, sie zu beruhigen und ihnen das Gefühl zu geben, in guten Händen zu sein. Vor allem, weil diese Geburten mit rund zwölf Stunden auch länger dauern", erklärt Leich. Ob er dabei ein Mann oder eine Frau sei, habe bislang keine Rolle gespielt. Seiner Meinung nach geht es nicht ums Geschlecht. "Die Chemie zwischen Hebamme und Mutter muss einfach stimmen." Die gute Zusammenarbeit mit seinen Kolleginnen, den Gynäkologinnen und Gynäkologen, Anästhesistinnen und Anästhesisten und Kinderärztinnen und -ärzten im Haus weiß Leich besonders zu schätzen. "Wir sind ein Team, das auf ein gemeinsames Ziel zusteuert. Wir wollen Mutter, Vater und Kind bestmöglich rund um die Geburt begleiten."

 

Tipps fürs Stillen

Aufnahme-, Aufklärungs- und Teamgespräche, Untersuchungen des Gesundheitszustandes von Mutter und Kind, Behandlungen, Lagekontrollen, Medikamentenausgabe, Versorgung von Wunden: Markus Leichs Aufgabenbereich ist breit gefächert. Stillberatungen sind ebenfalls Teil seiner täglichen Arbeit, denn nicht immer klappt alles von Anfang an wie am Schnürchen. Auch hier sieht er als Mann keine Nachteile. "Viele meiner Kolleginnen haben selbst keine Kinder und somit ebenfalls keine persönliche Stillerfahrung. Da es aber ein Teil unserer Ausbildung ist, sind wir alle gut geschult darin, bei den ersten Versuchen zu helfen."

Neun Geburten pro Tag

Es ist nicht nur die Liebe zu Babys allein, die Leich dazu bewogen hat, diesen Beruf zu wählen. Vielmehr war es die Kombination aus Medizin, dem Kontakt mit Menschen und der Möglichkeit, etwas Wertvolles für die Gesellschaft zu leisten. Heute hat er Tagdienst und arbeitet zwölf Stunden am Stück, von sieben bis 19 Uhr. Bis er nach Hause geht, werden noch mindestens fünf neue Erdenbürgerinnen und -bürger erwartet. "So viele Geburten sind eher selten in einer Schicht. Aber bei uns ist halt jeder Tag ein bisschen anders. Und das ist schön."

"Das Geschlecht der Hebamme spielt keine Rolle. Es geht rein darum, Frauen zu helfen. Und das vor, während und nach der Geburt. Entscheidend für eine Hebamme sind die Fähigkeiten, gut im Team zu arbeiten und sich individuell auf die Mütter einstellen zu können. Dass es so wenige Männer gibt, die diesen Berufsweg wählen, kann auch damit zusammenhängen, dass von 700 Bewerberinnen und Bewerbern pro Studiengang nur rund 30 Personen zugelassen werde", so Renate Grossbichler-Ulrich, leitende Hebamme im Donauspital.