Das Gesamtwerk Beethovens gibt es bis Dezember an den Wochenenden in 180 Stunden im Lebensbaumkreis Am Himmel zu hören. © Am Himmel

 

Beethoven Am Himmel lauschen

Das Kulturleben im öffentlichen Raum nimmt wieder Fahrt auf, auch Am Himmel im 19. Bezirk. Dort wird Ludwig van Beethovens Gesamtwerk gebracht, also alle 722 Stücke. Passend, schließlich gilt vielen die Musik des naturliebenden Künstlers als himmlisch.

Um in Wien dem Himmel nahe zu sein, muss man nicht weit reisen. Im 19. Bezirk befindet sich das beliebte Freizeitareal Am Himmel mit seinem Lebensbaumkreis, dem Café Restaurant Oktogon, einem Weingarten, einem Naturkinderspielplatz und vielem mehr. Dass dem so ist, ist dem Kuratorium Wald zu verdanken, das 1997 große Teile des Gebiets erwarb. Besonders großer Beliebtheit erfreuen sich die 40 Lebensbäume. Sie stehen in zwei konzentrischen Kreisen, dabei ist jeder Baum mit einer Tonsäule mit Bewegungsmelder und Lautsprecher ausgestattet. Geht man also an einem der Bäume vorbei, fangen sie quasi zu sprechen an. So erfährt man über die Stimme von Schauspieler Klaus Maria Brandauer, der von Günther Nenning verfasste Texte vorträgt, allerlei Wissenswertes. Etwa über die Geschichte der jeweiligen Pflanze und über die Charaktereigenschaften all jener, die an den Tagen geboren sind, denen der bestimmte Baum zugeordnet ist. Und das alles wörtlich im Vorbeigehen.

Musikalischer "Pop-up-Store"

Über 46 Lautsprecher wird an den Wochenenden klassische Musik ausgespielt. Da wir heuer den 250. Geburtstag des Komponisten Ludwig van Beethoven feiern, lag es nahe, sein Werk im sogenannten Klangraum im Lebensbaumkreis Am Himmel erklingen zu lassen. "'Ludwig am Himmel' ist das erste von hoffentlich vielen Jahresprogrammen", erzählt Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Kuratoriums Wald. "Man kann es mit einem 'Pop-up-Store' vergleichen. Geboten soll immer klassische Musik zu einem bestimmten Thema werden." Das Programm wird im Rahmen von WIENBEETHOVEN2020 jeden Samstag und Sonntag zwischen Juni und Dezember gefahren. Donnerstag, der 17. Dezember, ist dabei der letzte Termin. Das ist der Tag, an dem Beethoven getauft wurde. Der tatsächliche Geburtstag des Komponisten ist ja bis heute unklar.

Über das ganze Jahr 2020 verteilt wird das Gesamtwerk des Genies in 180 Stunden zu hören sein. Damit werden an den Wochenenden alle 722 Werke Beethovens über die neuen 46 Lautsprecher ertönen: "40 Lautsprecher sind im Lebensbaumkreis nach innen ausgerichtet, außerhalb hört man fast nichts. Sechs weitere Lautsprecher beschallen das Amphitheater, das 1.200 Menschen Platz bietet", verrät Heilingbrunner. Der Klangraum misst in Summe 12.000 Quadratmeter, Abstandregeln können also mit Leichtigkeit eingehalten werden. "Das ganze Gelände wurde neu gestaltet, die Anlage sowie das Programm sind wetterunabhängig" so Heilingbrunner. "Dafür wurden 600.000 Euro investiert. Damit ist dies der modernste Klangraum in Mitteleuropa in freier Natur."

 

Neun Symphonien in einem

Als Sonderprogramm wird jeden Samstag von 11 bis 11.40 Uhr "Nine in One" von Komponist und Musiker Wolfgang Mitterer geboten: Hierbei werden allen neun Symphonien Beethovens zusammengemischt und mit elektronischen Klängen versetzt. "Beeindruckend sind dabei auch die über die 40 Lautsprecher ausgespielten Surround-Effekte", erklärt Heilingbrunner. "Denn jeder Speaker ist einzeln über eine 46-Spurmaschine ansprechbar." Davor oder danach bietet sich die Gelegenheit zum Frühstück oder Brunch im Café Restaurant Oktogon Am Himmel.

Das Beethoven-Special findet auch in Kooperation mit Ö1 Niederschlag. An den Samstagen im Juli und August jeweils um 17 Uhr präsentieren Moderatorinnen und Moderatoren der Sendereihe "Pasticcio" im Lebensbaumkreis eine Einführung zu ausgewählten Themen rund um Ludwig van Beethoven und im Anschluss eine persönliche Musikauswahl im Klangraum.

Hochkarätige Live-Gäste

Ebenfalls von Ö1 betreut sind die Sonntagnachmittage von Anfang Juli bis Ende September. Auch die Sendereihe "Die Zukunft der Natur" wird live vor Publikum präsentiert, Live-Gäste runden das Programm an bestimmten Terminen ab. So gibt es beim ersten Teil der Reihe am 5. Juli eine performative Lesung mit Schriftsteller Bodo Hell und der von der Gruppe ALMA bekannten Musikerin Marie-Theres Stickler an der diatonischen Harmonika. Am 26. Juli lautet das Thema "Märchenhafte Natur": Geboten wird eine Lesung mit musikalischer Begleitung mit Starschriftsteller Michael Köhlmeier und Margarethe Herbert am Cello sowie Peter Herbert am Kontrabass. Zum Abschluss der Ö1-Spezialserie gibt es am 27. September unter dem Motto "Getrunkene Gläser - Gemischte Sätze" abermals eine musikalische Lesung. Schauspieler Wolfram Berger liest, Walther Soyka spielt Knöpferlharmonika, Karl Stirner die Zither.

Der Eintritt ist wie bei allen anderen Veranstaltungen Am Himmel selbstverständlich frei. Das Programm kann auch in Form eines wunderschön gestalteten Plakats per Mail mit Postadresse bestellt werden. Gegen eine Portogebühr von fünf Euro wird es per Post zugestellt. Natürlich ist es auch über die Website von Am Himmel  ersichtlich. Tipp: Auch im Zuge des Wiener Weinwandertag wird hier am am 3. und 4. Oktober Halt gemacht.