Petra Jens will Durchhäuser wieder bekannter machen. Entsprechende Hinweistafeln sollen auf diese praktischen Abkürzungen in der Stadt hinweisen. © Bohmann

Zu Fuß durch die Stadt

Petra Jens ist Wiens erste Beauftragte für FußgängerInnen. Mit uns hat sie über Schrittanzahl, Lieblingsrouten und die Lust der WienerInnen am Stadtwandern gesprochen.

Seit 2013 macht sich Petra Jens in der Mobilitätsagentur für die Anliegen von Fußgängerinnen und Fußgänger stark. Ihre Überzeugung: Eine Stadt, in der viel zu Fuß gegangen wird, ist eine lebendige Stadt. Damit niemand auf einen Spaziergang verzichten muss, setzt sie sich für eine barrierefreie Gestaltung von Gehwegen und Plätzen ein.

CLUB WIEN: Wie viele Kilometer legen Sie täglich zu Fuß zurück?

Petra Jens: Das ist ganz unterschiedlich. Pro Tag komme ich auf 4.000 bis 20.000 Schritte. Das zeigt mir ein Schrittzähler an, den ich immer dabei habe. Durchschnittlich komme ich damit wohl auf die empfohlenen täglichen 10.000 Schritte. Es ist halt nur ungleich verteilt. Auch zwischen Wochentag und Wochenende. Am Wochenende gehe ich mehr, weil die eine oder andere Wanderung oder ein ausgedehnter Stadtspaziergang dazukommt.

Gibt es eine Lieblingsroute?

Nicht wirklich. Ich folge beim Gehen gerne dem Wasser, also dem Donaukanal oder der Alten Donau. Ich gehe aber auch gerne in der Höhe, also überall dort hin, wo man ein bisschen Aussicht hat. In den Wienerwald zum Beispiel.

Wie viel Wert legen Sie dabei auf das Schuhwerk?

Ich gehe nicht sehr gerne Schuhe kaufen. Mein Lieblingspaar trage ich schon seit 20 Jahren. Unter der Woche habe ich der Bürokleidung entsprechendes Schuhwerk an. Am Wochenende gehe ich am liebsten in Bergschuhen oder barfuß.

Bekommt man eine andere Perspektive auf die Stadt, wenn man sie zu Fuß durchquert?

Auf jeden Fall. Man nimmt eine Stadt nie so intensiv wahr, wie wenn man zu Fuß herumgeht. Man sieht viel mehr Details und kommt mit Leuten ins Gespräch. Das ist eine ganz spezielle Qualität, eine Stadt zu erleben.

Was muss eine Stadt auf jeden Fall haben, damit man gerne zu Fuß geht?

Es muss eine dichte Stadt sein. Eine Stadt, wo vieles nah beieinander liegt. Wohnen, Einkaufen, Arbeiten, Schule, Kindergarten. Es muss eine Stadt der kurzen Wege sein und viel Abwechslung auf möglichst engem Raum bieten.

Wie müsste aus Ihrer Sicht die optimale Stadt für Fußgängerinnen und Fußgänger aussehen?

Sie ist barrierefrei, hat möglichst wenig Stiegen und Stufen und gute Querungsmöglichkeiten über stark befahrene Straßen. Sie ist aber auch grün, bietet Schatten und Trinkbrunnen und schöne Dinge zum Anschauen. Das können Geschäftsauslagen sein, aber auch Denkmäler und Kunstwerke. Eine Stadt, wo man gerne zu Fuß geht, ist aber auch eine Stadt, in der andere Menschen gerne zu Fuß gehen. Das ist ganz wesentlich, weil es anspornt und einfach mehr Spaß macht.

Kommt Wien dem nahe?

Wien kommt dem sehr nahe. Wir haben in der Mobilitätsagentur fast jede Woche Delegationen aus anderen Städten zu Besuch. Die fragen uns dann immer, wie wir das machen, dass wir für Fußgängerinnen und Fußgänger eine so hohe Qualität schaffen.

Ein Beispiel dafür?

Die Mariahilfer Straße. Da sieht man täglich viele Menschen, die genussvoll auf und ab flanieren. Gehen die Wienerinnen und Wiener generell gerne zu Fuß? Ganz klares Ja. Das ergeben viele Befragungen. Die Beliebtheit des Zufußgehens ist in Wien erwiesenermaßen ausgesprochen hoch.

Wien hat eine architektonische Besonderheit, nämlich das sogenannte Durchhaus. Damit kommt man schnell von einer Straße zur anderen. Wird das noch häufig genutzt oder ist das in Vergessenheit geraten?

Leider ist das Wissen um diese Durchhäuser in Vergessenheit geraten. Wenn man in dem Grätzel, in dem man wohnt, nicht aufgewachsen ist, weiß man oft gar nicht, dass es so geschickte Abkürzungen gibt. Das finde ich sehr schade. Eines meiner Ziele ist daher, diese Durchhäuser wieder bekannter zu machen. Man soll sie zum Beispiel auf Fußwegkarten oder Online-Stadtplänen finden. Aber auch auf der Straße direkt soll es Hinweise auf die Durchgänge geben.

Tipp für alle EinsteigerInnen: Die Gratis-App "Wien zu Fuß" mit integriertem Schrittzähler herunterladen und losgehen. © Bohmann

Wenn jetzt jemand auf den Geschmack gekommen ist und mit dem Stadtwandern beginnen möchte - haben Sie einen Tipp?

Meine Empfehlung ist die kostenlose "Wien zu Fuß"-App. Die hat nicht nur einen Schrittzähler integriert, sondern auch ein Routing und eine Sammlung von ganz vielen wunderschönen Spaziergängen in unterschiedlichen Bezirken. Die kann man sich zu Hause in Ruhe anschauen und dann nachgehen.

Video: Wiener Durchhäuser

In Wien gibt es viele Durchhäuser. FußgängerInnen-Beauftragte Petra Jens hat uns bei einem Spaziergang deren Funktion erklärt. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

Vorteilspartner CLUB WIEN

Arnold Schönberg Center

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 10 Prozent Ermäßigung im Arnold Schönberg Center!

Erfahren Sie mehr 30908

Video: Alles Walzer

Erfahren Sie mehr 30926

Figurentheater LILARUM

Mit der CLUB WIEN-Vorteilskarte erhalten Mitglieder 1 Euro Ermäßigung auf den Originalkartenpreis.

Erfahren Sie mehr 31098

SEGWAY Touren – SEGWAY to go

Schweben Sie mit dem SEGWAY durch Wien!

Alle Vorteilspartner