Wien bietet Platz für Kunst. In kleinem wie in großem Rahmen. Beim Street Art & Graffiti Festival "Calle Libre" konnten die KünstlerInnen live bei der Vollendung ihres Werkes erlebt werden. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

Wenn die Stadt zur Leinwand wird

Wien setzt auf kulturelle Offenheit. Und das auch beim Thema Kunst. Beispiele dafür sind das Street Art & Graffiti Festival "Calle Libre" und die sogenannte "Wienerwand".

Den "Weitblick" brauchte man vergangenes Wochenende bei einem Spaziergang durch Wien. An einigen Häuserwänden leuchtete es farbenfroh. Die kunstvoll gemalten und gesprayten Bilder nationaler und internationaler Künstlerinnen und Künstler ließen sich in ihrem vollen Glanz am besten mit ein paar Metern Abstand betrachten. Das Festival "Calle Libre" lockt nach Wien. Wir waren hautnah dabei.

Kunstvolles in Wien

Nur wenige schaffen es, einfach vorbeizugehen. Die Wienerwand am Yppenplatz in Ottakring ist der Hingucker des Grätzels. Auf ihr findet sich die ganze Bandbreite der Graffitikunst. Schriftzüge mit Namen stehen neben Fischen, einer comicinspirierten dreiohrigen Micky-Maus-Figur, Geckos und sozialen Statements. Das Besondere an dieser Wand: Jede und jeder darf hier sprayen. Es ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Es ist eine von mittlerweile siebzehn Wienerwänden, die von der Stadt für Graffitis zur Verfügung gestellt wurden. Grundgedanke des Projekts war es, das illegale Sprayen einzudämmen und legale Alternativen zu schaffen.

Teil der Jugendkultur

"Graffitis, obwohl meist nicht bestellt und nicht erwünscht, sind wohl die häufigste Kunstform im öffentlichen Raum. Sprayerinnen und Sprayer wollen und sollen Aufmerksamkeit erregen und ihren Themen, zum Beispiel Ungleichheit oder soziale Ungerechtigkeit, Ausdruck verleihen. Das Wiener Graffiti-Konzept soll ihnen zu mehr Anerkennung oder zumindest Akzeptanz verhelfen", sagt Franz Kratzer vom Wiener Bildungsserver. Graffiti ist eine Ausdrucksform und die Sprayerinnen und Sprayer sind oft Kunst- oder Grafikstudierende. Was man an der Wienerwand findet, ist Kunst, aber auch sozialer Kommentar oder Kritik. Manchmal ist es auch Ausdruck des Wunsches nach gesellschaftlicher Rebellion. Für die Stadt Wien ist es ein wichtiger Teil der Jugendkultur, der sich einen Platz im öffentlichen Raum verdient hat.

Viele Sprayerinnen und Sprayer haben auch ein aktives Interesse an abstrakter Kunst. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Wienerwände sind für alle SprayerInnen

Die Voraussetzungen, an den Wänden zu sprayen, sind niederschwellig. Man braucht sein eigenes Equipment, muss sich in den vorgegebenen Grenzen bewegen und ist zum respektvollen Umgang miteinander verpflichtet. Die freigegebenen Wände erkennt man ganz leicht an der Taube, dem Logo der Wienerwand. Franz Kratzer erklärt den Sinn hinter dem Symbol: "Graffiti teilt dieselbe Hassliebe wie eine Taube in der Stadt. Beide sind kontroverse Bestandteile eines Stadtgefüges, da sie die Stadt auf ihre Art benutzen und beleben. Das Wiener Wappen repräsentiert die Stadt Wien als Schirmherrin, die Taube symbolisiert die Akteurinnen und Akteure und der Name Wienerwand steht für die Symbiose beider."

Der richtige Weg

Die Wienerwände werden in der Graffitiszene sehr positiv angenommen, erklärt Stefan Wogrin von Spraycity. Auf seiner Website kann man eine fabelhafte Auswahl nationaler und internationaler Graffitis ansehen. Außerdem gibt es einen Blog, die Möglichkeit selbst Bilder hochzuladen und eine Karte, in der alle legalen Flächen in Österreich verzeichnet sind. Wogrin ist auch Herausgeber des Offline Graffiti Magazine. "In kaum einer anderen europäischen Stadt gibt es derart viele legale Graffitiflächen wie in Wien. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass eine Legalisierung von Graffiti an geeigneten Stellen der richtige Weg ist und das Stadtbild positiv verändert." Viele Sprayerinnen und Sprayer sind froh, ihre Kunstwerke legal und ohne Angst vor rechtlichen Konsequenzen anfertigen zu können. Die Werke am Yppenplatz zeigen deutlich, dass hier hochbegabte Menschen am Werk sind.

Alle, die ihr eigenes Equipment mitbringen und andere Sprayerinnen und Sprayer sowie auch deren Werke mit Respekt behandeln, sind bei der Wienerwand willkommen. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Das sieht man auch darin, dass manche Sprayerinnen und Sprayer sich Wände im näheren Wohnbereich durch eigenes Engagement verdient haben. "Das gilt zum Beispiel für die erste Fläche im 22. Bezirk, in der Colerusgasse in Eßling. Dort wurde auf Betreiben von Manuel und Julian, zweier junger Graffitikünstler, eine legale Wand eingerichtet", erzählt Kratzer.

Donaukanal ist ein klassischer Hotspot

Spannend ist auch der ständige Wandel, dem die Wände unterliegen. Schon nächste Woche könnte die Wand ganz anders aussehen. Neben dem Yppenplatz ist vor allem der Donaukanal als Hotspot bekannt. Der ist mit der Kunst im öffentlichen Raum untrennbar verbunden. "Der Donaukanal wäre ohne Graffiti vermutlich nicht so beliebt, wie er es heute ist", sagt Wogrin. Für Interessierte gibt es viele Werke, die es sich anzusehen lohnt, darunter auch Klassiker. "Es gibt etwa am Donaukanal neben dem Flex ein sehr großes Werk des Wiener Künstlers BUSK, welches sich bereits seit über 15 Jahren auf dieser Wand befindet."

Für die Anrainerinnen und Anrainer ist die Wand kein Problem. Am Spielplatz hat sich das Graffiti als absoluter Renner erwiesen. @ Bohmann/Andrew Rinkhy

Vielfältiges Publikum aktiv

Klar ist auch: Wer ernsthaft sprayen möchte, braucht lange und intensive Übung. Nur so sind künstlerisch wertvolle Ergebnisse zu erzielen. Die Nutzerinnen und Nutzer der Wand sind so divers wie die Werke selbst. Neben Jugendlichen sind vor allem die Graffitis der etablierten Szenemenschen, viele davon über 30 und laut Kratzer oft im Grafikbereich tätig, beliebt. Doch auch Graffititourismus ist in Wien allgegenwärtig. "Es gibt definitiv Graffititouristengruppen, die in Wien ohne Stress ihr Bild gestalten wollen. Wien ist im Ausland in der Graffitiszene sehr beliebt", sagt Kratzer. Auch Schulen fragen immer öfter nach, ob sie die Wände im Rahmen von Projekten nutzen können.

Die Wienerwand hat alle Merkmale einer klassischen "Win-win"-Situation. Die Künstlerinnen und Künstler haben die Chance sich auszudrücken, ohne kriminell zu werden. Alle anderen können sich die Kunst ansehen, egal ob ganz gezielt oder zwischendurch auf dem Weg zur Arbeit.

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