Im Schnitt alle drei Wochen muss auch eine U-Bahn-Garnitur in die Waschanlage. © PID/Christian Fürthner

Waschtag für die U-Bahn

Wenn ein Auto geputzt werden muss, wird damit in die Waschanlage gefahren. Aber wie ist das bei einer U-Bahn-Garnitur? Ganz genauso. Nur dass die Waschstraßen für Silberpfeil und Co. ein wenig größer sind. CLUB WIEN war in der U-Bahnwaschanlage Leopoldau.

Rund 960 Millionen Fahrgäste verzeichnen die Wiener Linien jährlich, etwa die Hälfte davon können die U-Bahnen für sich verbuchen. All diese Menschen hinterlassen natürlich Spuren, vor allem im Wageninneren. Außen hingegen sorgen vornehmlich Witterung, Insekten, Taubenkot und Tunnelstaub auf rund 83 Kilometern U-Bahn-Netz für Verunreinigungen. Während der Fahrgastbereich in der Regel händisch von Schmutz befreit werden kann, wird jenem an der Außenhülle maschinell auf den Leib gerückt: in einer der vier U-Bahn-Waschanlagen der Wiener Linien.

Die U-Bahn-Waschanlage in der U1-Station Leopoldau, noch ohne ihre Kundin: eine dreiteilige U-Bahn-Garnitur. © PID/Christian Fürthner

Eine Reinigung alle drei Wochen

In den Einrichtungen der U-Bahn-Stationen Leopoldau, Erdberg und Heiligenstadt können Züge der Linien U1, U2, U3 und U4 gewaschen werden, in Michelbeuern nur die der Linie U6. Aus einem simplen Grund: Die Zugmaschinen und Waggons haben eine andere Spurbreite und beziehen ihren Strom von einer Oberleitung. Das hat seinen Ursprung in der Zeit, als auf gewissen Streckenabschnitten der U6 noch die Wiener Stadtbahn unterwegs war.

CLUB WIEN war in der Waschanlage, die am längsten durchgehend in Betrieb ist: in jener der U1-Station Leopoldau. Sie ist seit 2006 in Verwendung und dient vor allem zur Reinigung von Zügen der Linie U1. Eine Garnitur wird circa alle drei Wochen geputzt, erklärt Michael Dörr, Maschinenbauingenieur und hauptverantwortlich für sämtliche Waschanlagen der Wiener Linien. "Für einen kompletten U-Bahn-Zug benötigen wir hier circa 35 Minuten", führt er weiter aus.

Nein, das sind keine Kostüme für einen Perchtenlauf, sondern Ersatzbürsten für die U-Bahn-Waschanlage. © PID/Christian Fürthner

Wasser zu 95 Prozent wiederverwertet

Gereinigt wird eine Garnitur in drei Etappen. Prinzipiell besteht die Möglichkeit, dass auch nur einem der drei Zugteile eine Wäsche angediehen wird. "Beim Hineinfahren wird der Zug bereits mit einer chemischen Lösung benetzt", erläutert Dörr. "Wenn er in der Endposition ist, starten zwei automatische Waschportale, die ihn noch einmal mit Chemie befeuchten. Diese löst nicht nur den Schmutz und die Verunreinigungen, sondern fungiert auch als Schmiermittel zwischen Lack und Bürsten." Die Bürsten sind eine Spezialanfertigung und härter als die in Autowaschanlagen eingesetzten Exemplare.

Auch die U-Bahnen müssen mal duschen gehen. Wir zeigen, wie die Waschstraße bei den Wiener Linien funktioniert. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

Zwar werden bei einem Waschgang für einen Zug von 120 Metern Länge etwa 6.000 Liter Wasser verbraucht. Davon werden aber 95 Prozent wiederverwendet, indem die Flüssigkeit abgepumpt, gereinigt und mit Sauerstoff belüftet wird. "Auf diese Weise werden Bakterien abgetötet, damit es nicht zu Geruchsbildung kommt", so Dörr.

In den Tanks links im Bild wird Osmosewasser aufbewahrt. Es enthält weder Salz noch Mineralien und trocknet rückstandsfrei. © PID/Christian Fürthner

Keine Spuren beim Trocknen

Der Löwenanteil des Wasserverbrauchs wird mit Nutzwasser bestritten, nur zu Beginn wird frisches Wasser eingesetzt. "Das Reinigungsmittel wirkt im Nutzwasser nicht so gut wie im frischen Wasser", erzählt Dörr. "Das wird aber ganz fein vernebelt, deswegen brauchen wir für den ganzen Zug nur ungefähr 150 Liter."

Für den letzten Spülvorgang wird schließlich Osmosewasser verwendet, etwa 300 bis 350 Liter. Das ist Wasser in seiner reinsten Form, also ohne jegliche Salze und Mineralien. So hinterlässt es beim Trocknen keine Spuren und perlt rückstandsfrei ab. Damit ersparen sich die Wiener Linien die Montage von Gebläsen zum Trockenföhnen der frisch gesäuberten U-Bahn-Garnituren. Diese Methode habe ohnehin nie das gewünschte Ergebnis geliefert, so Michael Dörr.

Maschinentechniker Michael Dörr ist Herr über sämtliche Waschanlagen der Wiener Linien. © PID/Christian Fürthner

1,6 Liter Reinigungsmittel für kompletten Zug

Nicht nur durch die Wiederaufbereitung des Wassers wird ein wertvoller Beitrag zur Schonung der Umwelt geleistet, erklärt Maschinentechniker Dörr: "Wir verwenden qualitativ sehr hochwertige Reiniger und kommen deswegen für einen kompletten Zug in Summe mit 1,6 Litern Reinigungsmittel aus." Dabei handelt es sich um eine besondere chemische Zusammensetzung, die Gummi nicht angreift, da dadurch die Dichtungen der U-Bahn-Garnitur Schaden nehmen würden. Allerdings bleibt so freilich auch der Abrieb von Schuhsohlen am Lack haften. Der muss dann händisch entfernt werden.

Hier wird das Wasser aufbereitet. 95 Prozent werden wiederverwendet. © PID/Christian Fürthner

Sicherheit wird im Bereich der Waschanlage großgeschrieben. Denn dass U-Bahnen mit Strom angetrieben werden und zum Waschen wiederum Wasser benötigt wird, ist hinlänglich bekannt. Eine Kombination, die potenziell tödlich sein kann, zumal die Züge mit 750 Volt Gleichstrom betrieben werden. Deswegen gibt es in der Halle, in der gewaschen wird, keine Elektrizität: "Den Strom zum Hineinfahren in die Halle nimmt sich der Zug davor oder danach", so Dörr.

Eine U-Bahn-Garnitur beim Einfahren in die Waschanlage. Hier fließt kein Strom, diesen bezieht der Zug von außerhalb. © PID/Christian Fürthner

Auch Graffiti verschwindet

Nach vollendetem Waschgang erstrahlt eine Garnitur schließlich in neuem Glanz und kann sofort wieder ins Netz eingegliedert werden. Bis sie in drei Wochen wieder in die Waschanlage fährt. Und sollte doch einmal etwas Gröberes passieren, gibt sich Michael Dörr im Kampf gegen den Schmutz siegessicher: "Wir werden allem Herr, sogar den Graffiti. Aber dafür wird der Zug in eine eigene Halle gebracht und von einer Spezialfirma gereinigt."

Vorteilspartner CLUB WIEN

Bank Austria Kunstforum Wien

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 25 Prozent Ermäßigung auf den Eintrittspreis.

Erfahren Sie mehr 31124

Unser Theater

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten zwei Euro Ermäßigung.

Erfahren Sie mehr 31163

Figurentheater Marijeli

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 1 Euro (rund 15 Prozent) Ermäßigung im Figurentheater Marijeli.

Erfahren Sie mehr 34620

Hochwertige Pflege für Bart, Haut und Seele

CLUB WIEN-Mitglieder erhalten 10 Prozent Ermäßigung auf den Einkauf im Webshop.

Alle Vorteilspartner