Zum Valentinstag kann man auch Worte sprechen lassen. Zum Beispiel in Form eines selbstverfassten Liebesgedichts. © iStockphoto

Sag's mit Worten

Ein Strauß Blumen? Eine Schachtel Pralinen? Zum Valentinstag alles schön und gut. Origineller ist allerdings ein selbstgeschriebenes Gedicht. Fritz Ostermayer, Leiter der Wiener Schule für Dichtung, verrät, worauf man achten sollte.

Will man seine Gefühle für die geliebte Person ausdrücken, benötigt man für gewöhnlich keinen besonderen Anlass. Der Valentinstag bietet sich aber in besonderem Maße an: Er wird bekanntlich alljährlich am 14. Februar als Tag der Liebenden zelebriert. Dazu gehört es, der oder dem Geliebten kleine Geschenke zu machen. Lediglich rund um den Muttertag werden mehr Blumen verkauft, und auch Pralinen sowie andere süße Aufmerksamkeiten finden reißenden Absatz. Das mag liebevoll gemeint sein und darf auch beibehalten werden. Für bleibende Erinnerung sorgt hingegen etwas weit Persönlicheres: ein selbstverfasstes Liebesgedicht.

Liebesgedicht darf nicht kalt lassen

In unseren Breiten wird der Valentinstag erst seit den 1950er-Jahren gefeiert, Liebesgedichte und -lieder hingegen werden seit Jahrtausenden verfasst. Dabei erlebten sie in der Antike unter Ovid einen ersten Boom. Ein paar Jahrhunderte später, im Mittelalter, taten sich die Minnesänger beim Ersinnen romantischer Texte besonders hervor. Schließlich bedeutet das Wort "Minne" im Mittelhochdeutschen so viel wie "liebevolles Gedenken". Wie viele Liebesgedichte bis heute geschrieben, in Liedform gebracht und auf unterschiedlichste Weise vorgetragen worden sind, lässt sich nicht einmal abschätzen.

Aller Anfang ist schwer. Aber davor, selbst ein Liebesgedicht zu schreiben, muss niemand Scheu haben. © iStockphoto

Was aber sollte man beachten, wenn man sich selbst ans Schreiben eines Liebesgedichtes wagt? CLUB WIEN fragt nach bei einem, der es weiß: Fritz Ostermayer ist Journalist, Autor, DJ und Musiker und seit 2012 künstlerischer Leiter der Wiener Schule für Dichtung. Diese feierte letztes Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Er stellt zunächst Sinn und Zweck des Ganzen klar: "Wenn ich ein Liebesgedicht für einen bestimmten Menschen schreibe, dann sollte der natürlich darauf anspringen. Sonst hat es seine Wirkung verfehlt. Denn wenn es mich kalt lässt, funktioniert es nicht", erklärt Ostermayer.

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Rückgriff aufs Reimlexikon

Ein Liebesgedicht soll berühren, deswegen sollte man sich zunächst einmal Gedanken machen, was an der geliebten Person besonders ist. Welches Genre man wählt, ist dabei nicht ganz unwesentlich, so Ostermayer: "Wenn ich ein klassisches Liebesgedicht verfassen will, dann sollte man die schönen Eigenschaften des geliebten Wesens darin vorkommen lassen. Gut sind auch gemeinsame Erinnerungen, um eine gewisse Zweisamkeit zu erzeugen."

Seit 2012 leitet Journalist, Autor und Musiker Fritz Ostermayer die Schule für Dichtung in der Mariahilfer Straße. Er weiß, was man beim Verfassen eines Liebesgedichts beachten muss. © SfD/Andy Urban

Den Überraschungseffekt sollte man ebenfalls nicht unterschätzen. Dabei geht es darum, mit Erwartungshaltungen zu brechen: "Das funktioniert immer. Indem man etwa die Geliebte oder den Geliebten mit humoristischen, komischen, stilistisch originellen Wendungen auf seine Seite zieht." Auch vor Reimen, seien sie auch bisweilen verpönt, muss niemand zurückschrecken. Da darf schon einmal ein Reimlexikon bemüht werden, muss aber nicht, wie der Leiter der Schule für Dichtung betont: "Je komplexer die Reime, umso schöner natürlich. Aber ein einfältiges Gedicht kann ebenfalls rühren. Wenn sich 'Herz' auf 'Schmerz' reimt und alles andere passt, dann spricht nichts dagegen."

Gesungene Liebesgedichte

Selbstverständlich gibt es auch Dinge, die man beim Schreiben eines Liebesgedichts tunlichst unterlassen sollte: "Zu billig sein. Man sollte Kitsch und Sentimentalitäten vermeiden, auch wenn es vielleicht inhaltlich stimmt. Weil die oder der Verliebte normalerweise ja ein Depp ist, schüttet sie oder er ihr oder sein Herz gern eins zu eins aus. Allerdings kommt man da schnell wie ein Einfaltspinsel rüber", so Ostermayer.

Nur keine Angst vor einem Reim. Wenn der Rest passt, darf sich auch "Herz" auf "Schmerz" reimen. © iStockphoto

Wer ein Instrument beherrscht, kann das selbst verfasste Liebesgedicht auch gerne vertonen. Lieder haben Ostermayer zufolge beim anderen Geschlecht ohnehin mehr Erfolg als rezitierte Lyrik: "Wird da eine Stimme hinzugefügt und vielleicht noch eine ganz einfache Wandergitarre, wird so größere Intensität erzeugt. Wenn ich zum Beispiel Leonard Cohen lese, dann ist das oft sehr schön. Aber kommen seine Stimme, eine Gitarre und vielleicht eine kleine Rhythmussektion dazu, dann geht das auf wie ein Germteig." Wenig verwunderlich, dass eines der Lieblingsliebesgedichte Ostermayers eigentlich ein Popsong aus dem Jahre 1969 ist: "Eines der schönsten ist für mich 'Pale Blue Eyes' von Velvet Underground, gesungen von Lou Reed. Es ist ein Liebesgedicht an eine verheiratete Frau, und man weiß, das kann nichts werden. Und dennoch singt er so eine innige, einfache Liebeserklärung: Ich liebe dich, obwohl du verheiratet bist."

Vorsicht, nicht nachmachen!

Auch wenn man nach einem Negativbeispiel fragt, bekommt man Fritz Ostermayers Antwort prompt: "Dazu fällt mir ein gewollt grauenhaftes Liebesgedicht von Kurt Schwitters ein. Schwitters war Vertreter des Dadaismus, einer künstlerischen und literarischen Bewegung, die traditionelle Kunstformen satirisch und übertrieben verwendete. Er hat viele absichtlich schlechte Gedichte geschrieben, und eines würde man sich heute auf keine Wand mehr sprühen trauen: 'Meine süße Puppe / Mir ist alles schnuppe / Wenn ich meine Schnauze / Auf die Deine bautze'. Auch das ist ein Liebesgedicht."

In diesem Sinne: Flugs den Bleistift gespitzt, die Füllfeder in Tinte getaucht oder schlicht das Textverarbeitungsprogramm am Computer gestartet und ran ans Werk. Gelingt es, wird es die oder der Geliebte nie vergessen.

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