Rund 20 Arbeitsstunden investieren Schumacher-Meisterin Nicole Üblacker und ihr Team in ein Paar Schuhe. © vonmorgen

Handgemachtes aus Wien

Frische Ideen für alte Handwerkskunst, um Wiens Grätzel neu zu beleben. Wer sich davon angesprochen fühlt, kann auf die Unterstützung der Wirtschaftsagentur Wien zählen.

Ob Möbel, Keramik, Hüte oder Schuhe: In Wien setzt man wieder auf Handwerk. Ein Grund dafür ist die steigende Nachfrage nach hochwertigen, langlebigen und maßgeschneiderten Produkten. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Gründerinnen und Gründer, die alte Traditionen schätzen, aber auch auf neue Technologien nicht verzichten möchten. So wie die Schuhmacherin Nicole Üblacker. Gemeinsam mit Designer Thomas Licht hat die ehemalige Architekturstudentin einen Sneaker entwickelt, der von einem herkömmlichen Turnschuh so weit entfernt ist wie Butter von Margarine.

Handwerk weiterentwickelt

Schlichtes Design, edles Bioleder, zerlegbar, patentierte Sohlenkonstruktion. Damit punktet das Schuhwerk aus der 2015 gegründeten Werkstatt VON MORGEN. Allein am Leisten hat Üblacker ein Jahr getüftelt. Das Besondere am Sneaker ist aber eine umlaufende Naht, mit der sich der Schuh jederzeit öffnen und gezielt reparieren lässt. Ohne die Form zu verlieren. "Der Sneaker ist ein Modell, das ja ursprünglich aus der industriellen Fertigung kommt. Wir bringen ihn quasi zurück in die Zukunft, mit handwerklichen Methoden, die 100 oder 200 Jahre alt sind", sagt Thomas Licht. "Wer sein Handwerk versteht, kann mit längst vergessenem Wissen neue Methoden der Herstellung erfinden. Wir nähen, rangieren, zwicken, schärfen, schleifen, dampfen, verformen, ballen aus und nähen durch. Viele Stunden Handarbeit machen jeden Schuh zum Meisterstück."

Zusammengearbeitet wird mit kleinen Familienbetrieben, die nach alter Tradition pflanzlich gerben. "Dabei werden nur Kalk, Baumrinde, Wurzeln und Blätter verwendet. Keine Chemie, kein Chrom. Pflanzliches Leder ist ein reines Naturprodukt, bei dem die natürliche Struktur erhalten bleibt. Es atmet, ist weich im Griff, und bekommt mit der Zeit eine wunderschöne Patina", so Üblacker.

Die Wirtschaftsagentur Wien unterstützt innovative Unternehmen mit kostenlosen Service- und Beratungsangeboten. © PID / Fürthner

Belebung der Grätzel

Unterstützung beim Markteintritt bekam die Schuhwerkstatt von der Wirtschaftsagentur Wien. Warum die in Zeiten der Digitalisierung traditionelles Handwerk fördert, erklärt Christian Bartik, Leiter der Förderabteilung, so: "Handwerksbetriebe sind nicht nur wirtschaftlich, sondern auch für die Lebensqualität einer Stadt wichtig. Sie beleben die Grätzel, sorgen für Vielfalt und schaffen Arbeitsplätze. Uns geht es darum, die Nahversorgung zu unterstützen. Beispielsweise mit einer Förderung für innovative Betriebe oder einer Förderung zur Belebung von leeren Geschäftslokalen."

Lokales gewinnt an Bedeutung

Der Spruch "Handwerk hat goldenen Boden" gilt also auch heute noch? "Lokales Produzieren und Konsumieren verstärkt sich. Klassische Betriebe, aber auch Unternehmen der Kreativwirtschaft gehen mittlerweile neue Wege. Damit erobern sie den städtischen Raum als Produktionsstandort zurück", sagt Bartik. Zeigte der Trend in den 1990ern und 2000ern noch klar in Richtung Einkaufstempel am Stadtrand, wagen immer mehr Gründerinnen und Gründer den Versuch, ihr Handwerk direkt zu den Kundinnen und Kunden zu bringen. Im kleinen Rahmen zwar, aber sichtbar und kreativ. Auch die Distanz zwischen Produzierenden und Konsumierenden hat sich mittlerweile sehr verkleinert. Heute kann sich jedes Einzelpersonenunternehmen einen Webshop aufbauen und kommt so direkt an Kundinnen und Kunden heran.

Rückbesinnung auf Nischen

Die neuen Handwerkerinnen und Handwerker hantieren in alten Gassenlokalen, Werkstätten, Ateliers und Manufakturen. Sie bauen an interdisziplinären Partnerschaften, um Infrastrukturen zu teilen, experimentieren mit bewährten Materialien und innovativen Technologien und entwickeln neue Vertriebswege. Die Rückbesinnung auf Nischen und ihre Produkte hilft dabei, ganze Straßenzüge innerhalb der Stadt neu zu beleben.

Jedes Produkt wird in Gipsformen gegossen, retouchiert, rohgebrannt, geschliffen und nach dem Glasieren zum zweiten Mal bei 1255°C gebrannt. © Robert Marksteiner

Feine Dinge

Ein Beispiel für diese Grätzelaktivierung ist die Porzellanmanufaktur "feinedinge*" im 4. Bezirk. Vasen, Lampen und Geschirr werden zu 100 Prozent in Handarbeit hergestellt. Die sich dadurch ergebenden Unregelmäßigkeiten in Form, Farbe und Dekor wurden zum Markenzeichen der mittlerweile in die ganze Welt exportierten Produkte. Die Folge: Sandra Haischberger und ihr Team zogen um. Von einem 30 Quadratmer großen Geschäft am Margaretenplatz in eine 90 Quadratmeter großes Geschäft in der Krongasse. Dabei gab es Hilfe von der Wirtschaftsagentur Wien. Vor rund zwei Jahren zog man dann mit Sack und Pack in ein 340 Quadratmeter großes Geschäft mit Schauraum, Werkstatt und Büro. Das Besondere an den Produkten: Jedes einzelne wird in Gipsformen gegossen, retouchiert und danach rohgebrannt, geschliffen und nach dem Glasieren zum zweiten Mal bei 1255°C gebrannt. Dekor wird mittels Transferdruck aufgebracht und bei 800°C eingebrannt.


Mehrere Förderschienen

Wie genau ein Betrieb unterstützt wird, hängt vom jeweiligen Förderprogramm ab. "Das können Personal-, Material- oder Investitionskosten ebenso sein wie Vermarktungskosten", erklärt Bartik. "Grundsätzlich zielen die Förderungen aber darauf ab, dass die Betriebe ein innovatives Projekt planen. Eines, das über die normale Geschäftstätigkeit hinausgeht. Das können neue Produkte oder ein neues Dienstleistungsangebot sein. Eine Beratung bei uns schafft oft Klarheit. Einreichen kann man dann online. Wichtig: Der Antrag muss vor Projektbeginn eingereicht werden." Die Förderungen selbst werden nach dem Wettbewerbsprinzip vergeben. Bartik: "Das bedeutet, eine unabhängige Jury bewertet die Anträge nach bestimmten Kriterien. Damit stellen wir sicher, dass die besten, innovativsten Projekte gefördert werden."

Wien produziert

Um Handwerk noch mehr in den Fokus zu rücken, hat die Wirtschaftsagentur Wien heuer einen eigenen Förderwettbewerb unter dem Titel "Crafted in Vienna" ins Leben gerufen. Gesucht wurden Projekte von Unternehmen der Wiener Kreativwirtschaft, die innovative Lösungen für die Produktion in der Stadt entwickeln. Mehr dazu demnächst auf der Seite der Wirtschaftsagentur Wien.

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