Eine neue Art der Hotelübernachtung. Die Gäste des grätzlhotels sind überzeugt und teilen ihre Meinung auch gerne mit. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Das Grätzl als Hotellobby

Wohnen, wo früher gearbeitet wurde. Das ist das Konzept des grätzlhotels, mit dem ein junges ArchitektInnenteam frischen Schwung in die Wiener Hotellerie bringt.

Die Idee ist schnell erklärt: Leerstehende Geschäftslokale werden in Hotelzimmer umgebaut. Das zieht Städtereisende an, die Wien abseits eingetretener Pfade kennenlernen wollen. Der Bezirk wird belebt und lokale Betriebe profitieren davon. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. "Klingt einfach, ist es aber nicht ganz so", erklärt Unternehmerin Theresia Kohlmayr. "Es muss viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, bevor wir loslegen können. Bei Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern ebenso wie bei den Hausbewohnerinnen und Haubewohnern. Es funktioniert nur, wenn alle einverstanden sind."

Die Wirtschaftsagentur Wien glaubte von Anfang an an den Erfolg und unterstützte das junge Unternehmen im Programm creative_projekt.

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Die Idee, leere Geschäftslokale als Hotelzimmer umzuwidmen, entstand eher zufällig. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Startschuss fiel 2011

Dass die junge Architekturstudentin in der Hotelbranche landet, war nicht geplant. "Meine Eltern hatten ein Hotel in Salzburg. Ich wollte aber nie in ihre Fußstapfen treten", erzählt sie. Dass es dann doch so gekommen ist, war reiner Zufall. 2011 war sie mit Studienkollegen auf der Suche nach einem Büro. "Dabei haben wir uns immer wieder überlegt, wie es wäre, leerstehende Lokale zu Hotelzimmern umzubauen. 2011 haben wir das dann in die Tat umgesetzt."

Die Hotelzimmer sind sehr komfortabel gestaltet. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Maßschneiderei als Prototyp

Aus einer ehemaligen Maßschneiderei auf der Favoritenstraße im 4. Bezirk entstand ein durchgestyltes Zimmer. Der Prototyp für die heutigen Suiten. Damit war der Grundstein für ein Hotel gelegt, das sich nicht über Stockwerke, sondern über Bezirke erstreckt. "Das macht etwas mehr Arbeit als bei einem normalen Hotel. Der Betrieb ist aber nicht viel anders als bei einem Apartmentbetrieb", erklärt sie. Abgaben an die Hoteliervereinigung inklusive. "Das unterscheidet uns von privaten Anbieterinnen und Anbietern."

Zimmer verteilt auf drei Bezirke

2015 wurde die URBANAUTS Hospitality Group gegründet, deren Geschäftsführende Gesellschafterin Kohlmayr ist. Die insgesamt sieben Gesellschafterinnen und Gesellschafter betreiben mittlerweile 21 Suiten, angesiedelt rund um das Belvedere, den Meidlinger Markt und den Karmeliter Markt. Die Räume sind zwischen 25 und 50 Quadratmeter groß und wurden von den beiden Architekturbüros BWM Architekten und Kohlmayr Lutter Knapp gestaltet. Vieles von der durchgestylten Einrichtung erinnert noch an die frühere Nutzung: Lampen, Nähmaschinen, Regale. Alles stilsicher platziert. Das macht den speziellen Charme aus. Fast so, als würde man zu Hause sein. Selbst die großen Fensterfassaden wurden geschickt in das Konzept einbezogen. Das geht so weit, dass man mit einem Kaffeehäferl in der Auslage sitzen und das Treiben auf der Straße beobachten kann.

Das grätzelhotel-Team ist für die Gäste immer erreichbar. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Konzept liegt im Trend

"Zugegeben", sagt Kohlmayr lachend. "Das muss man mögen. Aber wer zu uns kommt, weiß, worauf er sich einlässt." Und es gebe ja auch Vorhänge, die bei Bedarf für Privatsphäre sorgen. Über mangelnde Auslastung könne man jedenfalls nicht klagen. "Das Reiseverhalten hat sich geändert. Immer mehr Menschen wollen eine Stadt auf eigene Faust erleben", erklärt Kohlmayr. Entsprechend wohnen gehört da dazu: "Unser Konzept trifft den Nerv der Zeit. Es geht darum, den Alltag einer Stadt authentisch mitzubekommen. Wie leben die Menschen, wo essen sie, wo kaufen sie ein? Bei uns wird das ganze Grätzl zur Hotellobby." Das heißt: Es gibt keine Rezeption, keinen Frühstücksraum und keine 24-Stunden-Betreuung vor Ort. "Telefonisch sind wir natürlich rund um die Uhr erreichbar, wenn es wirklich wo brennt", versichert sie.

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Das Café Milchbart steht den Gästen des grätzlhotels mit Rat und Tipps zur Seite. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Anlaufstellen im Grätzl

Prinzipiell gilt aber: Wer etwas wissen will, fragt sich einfach durch die Nachbarschaft. Die ist allerdings vorinformiert. Eine entsprechende Liste mit den Kooperationspartnern liegt in jedem Zimmer. Meist sind es umliegende Betriebe, die als Anlaufstellen fungieren. "Sie übernehmen so eine Art Concierge-Funktion", erklärt Kohlmayr. "Bei ihnen kann man sich Tipps für Lokale oder Ausflüge holen." Im grätzelhotel am Meidlinger Markt hat sich zum Beispiel Christian Chvosta mit seinem Café Milchbart zur Verfügung gestellt. Der umtriebige Wirt kennt das Grätzel wie seine Westentasche, weiß, wo man wie lange Brot kaufen kann, wer die besten Gewürze hat und wo es frisch gepressten Saft gibt. Bei ihm kann man Koffer unterstellen und sich das eine oder andere Werkzeug ausborgen.

In der Marktkonditorei Hüftgold kann man sich für den Tag stärken. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Lokale Wirtschaft profitiert

"Unsere Gäste versorgen sich selbst und sind damit quasi gezwungen, sich ein Frühstückslokal oder ein nettes Restaurant in der Nähe zu suchen. Oder am Markt einkaufen zu gehen. Da sind Empfehlungen immer willkommen. Die lokale Wirtschaft profitiert natürlich auch davon", sagt Kohlmayr. Bei manchen Zimmern kann man das Frühstück sogar vom Bett aus bestellen. In der Reschgasse zum Beispiel. Von außen wirkt der Raum wie ein leeres Geschäftslokal, in der Auslage liegen alte Schuhleisten und eine Putzcreme. So, als hätte jemand eilig ausgeräumt und ein paar Dinge vergessen. Auch die Fassadenschrift ist in die Jahre gekommen. "Köck-Kinderschuhe" prangt in verwitterten orangen Lettern über dem Portal.

Mit den Namen an den Zimmertüren wird ein Bezug zur früheren Nutzung der Räume hergestellt. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Frühere Nutzung ist der rote Faden

An der Tür hängt ein kleiner Zettel mit zwei Ziffern drauf: 1028 und 1029. Mehr deutet nicht darauf hin, dass sich dahinter zwei Hotelsuiten befinden. Das ist bewusst so gehalten. Dahinter befinden sich dann die eigentlichen Zimmertüren. "Die Schuhverkäuferin" steht auf der einen, "der Schuhmacher" auf der anderen. "Wir haben versucht, auch namentlich einen Bezug zur früheren Nutzung herzustellen", erklärt Kohlmayr. Die Zuckerbäckerin, der Marktschreier, der Kellermeister, die Bibliothekarin und der Trafikant kann man da lesen.

Zur Schlüsselübergabe wird ein Schlüsselsafe genützt. Den Code bekommt man bei der Buchung. © Bohmann/Andrew Rinkh

Wienerin und Wiener auf Zeit

Die Zimmer sind zwischen 25 und 50 Quadratmeter groß und haben 4-Sterne-Niveau. Die Reinigung übernimmt eine externe Firma. Auch die An- und Abreise ist unkompliziert. Zur Schlüsselübergabe wird ein Schlüsselsafe genützt. Den Code bekommt man bei der Buchung. Die kann über alle gängigen Buchungsplattformen erfolgen. "Wir wollen ein Zuhause auf Zeit bieten. Unsere Suiten sind groß genug, um sich zurückzuziehen, aber auch um Gäste einzuladen und gemeinsam mit ihnen zu kochen."

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