„The Siesta” ist ein Werk des US-amerikanischen Malers Frederick Arthur Bridgman. © www.frederickarthurbridgman.org

Die Kunst des Liegens

Der "Diwan" ist ein Sitz-Liege-Möbel aus dem Orient. Sigmund Freud hat ihn als Couch weltberühmt gemacht. Im 20. Jahrhundert entwickelte er sich in zahlreichen Variationen zum Alltagsmöbel.

Sigmund Freuds berühmte Couch war eigentlich eine Ottomane. Doch der Erfinder der Psychoanalyse bezeichnete das Möbel in seiner Praxis lieber als Diwan. Seine Wiener Patientin "Madame Benvenisti" hatte ihm die Couch geschenkt.

„Sigmund Freud mit Patientin“ war internationalen Sandskulpturen Festival FIESA
"Sigmund Freud mit Patientin" war 2009 beim internationalen Sandskulpturen Festival FIESA in Areia, Portugal, zu sehen. © Haworth

Sein Diwan mit der kopfseitigen Lehne diente als Ort der Assoziation und Entspannung. Er war 186 Zentimeter lang und 83 Zentimeter breit und von einem wertvollen roten Teppich bedeckt.
Darauf liegend sollten die von großen seelischen Konflikten gebeutelten Frauen und Männer im Reich zwischen Traum und Wirklichkeit ihre Gefühlswelt offen legen. Die schlafähnliche Haltung begünstigte die Auseinandersetzung mit dem Unterbewussten. Freud saß seitlich am Kopfende des Möbels. Warum, erklärte er selbst: "Ich vertrage es nicht, acht Stunden täglich angestarrt zu werden."

Ikone der modernen Geistesgeschichte

Heute steht der bekannteste Diwan der Welt im Gartenzimmer des Londoner Freud-Museums in Maresfield Gardens. Sigmund Freud hat ihn auf seiner Flucht vor dem Nazi-Regime mit nach England genommen. Diese Ikone der modernen Geistesgeschichte erhielt ihre Bezeichnung Couch erst im angelsächsischen Exil.
"Couch" wurde schnell zum Terminus technicus. Wer seelische Probleme hat, muss "auf die Couch".

Das von Otto Wagner entworfene Ruhebett stand einst im Büro des Direktors der Österreichischen Postsparkasse. Heute ist es Teil der Studiensammlung Sitzmöbel im MAK. © MAK/Georg Mayer

Sitzen oder liegen?

Möbel zum Sitzen und Ruhen gab es bereits in der griechischen Antike. Die Kline war eine Ruheliege mit aufgebogenem Kopfende. Sie spielte beim Speisen mit Gästen eine Rolle. Die Römer nutzten dafür das Triclinium. Auf ihm fanden bis zu drei Personen Platz.

Mit der Übersetzung der Erzählungen aus "Tausendundeiner Nacht" durch den französischen Orientalisten Antoine Galland im 18. Jahrhundert liegt das Sofa auch in Europa im Trend. Als Luxusmöbel war es damals ausschließlich dem Adel vorbehalten und diente zum Liegen und Ausruhen tagsüber.

Der Orient inspirierte seither die Fantasie des Wohnens. Sofa, Diwan, Ottomane, Kanapee, Chaiselongue, sie alle sind eng verwandte Möbel. Die halb liegende, halb sitzende Position lädt ein, eine individuelle Pose zu wählen. Das Sofa entwickelte sich zum kommunikativen Möbel für den Salon der Aufklärung. Eine Wohnzimmeratmosphäre im heutigen Sinn kannte man aber noch nicht.

Suche nach Entspannungshaltung

Die Position der Kissen verhalf im Orient zu Komfort. Im Westen verloren sie ihre Bedeutung. Die Möbel wurden dem passiven Entspannungsbedürfnis des Körpers angepasst. Sofa und Co dienten bald nicht mehr nur der edlen Repräsentation. Das neue Ziel hieß: Wohnkomfort und Bequemlichkeit. Ihre Proportionen stehen in engstem Verhältnis zum menschlichen Körper.

Einen umfassenden Einblick dazu gibt die Studiensammlung Sitzmöbel des Museums für angewandte Kunst in Wien (MAK). Bequeme Sofas mit Sprungfedern und Rückenlehnen mit Sitzstützen eroberten erst im 19. Jahrhundert die bürgerlichen Wohnzimmer. Mit der industriellen Revolution gelang ihre Massenproduktion und sie wurden zu Alltagsmöbel.

Video: Wiener Diwan

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