Wenn eine Person stirbt hinterlässt sie nicht nur Trauer und Schmerz sondern auch eine Menge an digitalen Daten. © Fotolia

Digitale Hinterlassenschaft

In der heutigen Zeit führt fast jede und jeder von uns ein Doppelleben. Ein reales und ein digitales. Eine Identität in zwei Welten. Doch was geschieht eigentlich, wenn eine Person stirbt? Lebt sie dann im Netz weiter?

Niemand verschwindet einfach so von der Bildfläche. In der virtuellen Welt lebt man meist länger als in der echten. Nicht immer gewollt. Wir haben Daniela Drobna von der ISPA, den Internet Service Providers Austria, zum Thema digitale Hinterlassenschaften befragt.

Digitale Hinterlassenschaften regeln  

Die meisten Menschen haben ein E-Mail-Postfach, nutzen soziale Netzwerke und Onlinebezahlsysteme, haben ein Konto bei einem Onlineversandhandel oder sogar eine eigene Webseite. Das Leben spielt sich in vielen Bereichen zunehmend im Internet ab. Doch was passiert mit diesen Onlinekonten und den Daten nach dem Tod einer Userin oder eines Users? Digitale Identitäten können ihre Eigentümer überleben. Rechtlich ist dieser Bereich noch unklar und die Materie weitgehend ungeregelt. Umso wichtiger ist es, sich zu Lebzeiten Gedanken zu machen und für den Fall des Falles vorzusorgen.

Daten des digitalen Nachlasses

Viele Menschen können sich ungefähr vorstellen, was unter dem Begriff "digitaler Nachlass" zu verstehen ist. Eine allgemein gültige Definition, was alles darunter fällt, gibt es nicht. "Weitestgehend werden darunter alle Onlinekonten und Daten verstanden, die über den Tod einer Userin oder eines Users hinaus bestehen bleiben. Das können auch 'Offlinedaten' sein, beispielsweise auf einem Laptop gespeicherte Fotos und Softwarelizenzen oder Dokumente", so die Expertin.  

Kommunikation & Unterhaltung
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Bezahlung, Einkauf
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E-Government
•     Handy-Signatur, Bürgerkarte

Digitales Testament

In einem digitalen "Testament" müssen folgende Daten festgehalten werden:
- Welche Dienste genutzt werden, inklusive eventueller Zugangsdaten
- Wie mit diesen Konten und Daten verfahren werden soll
- Wer sich darum kümmern soll

Vorausschauende Schritte setzen

Userinnen und User sollten sich in erster Linie darüber Gedanken machen, wie mit ihren Onlineprofilen und den Daten verfahren werden soll. Laut Daniela Drobna gibt es vier Möglichkeiten: Löschung, Bewahrung, Archivierung oder Übertragung an Erben oder dritte Personen. "Idealerweise erstellen Userinnen und User also zu Lebzeiten eine Liste, wo sie sich online bewegen und welche Dienste sie nutzen. Diese sollte an einem sicheren Ort aufbewahrt werden, beispielsweise bei einer Notarin oder einem Notar oder in einem Safe. Allein ein vollständiges Verzeichnis der genutzten Dienste erleichtert es den Hinterbliebenen sehr, sich um das digitale Erbe zu kümmern. Weiters können auch Zugangsdaten, wie Username und Passwort, notiert werden. Natürlich sollte auch festgehalten werden, wer mit dieser Nachlassverwaltung betraut werden soll, diese Person sollte idealerweise ausreichend Internetkompetenz besitzen", so die Expertin.

Einige Onlinedienste bieten mittlerweile auch Verfahren zur Vorsorge an, hier können Userinnen und User mit wenigen Klicks die notwendigen Einstellungen für den Fall des Falles vornehmen.

Geisterprofile

Bei E-Mail-Konten können erbberechtigte Hinterbliebene einen Antrag beim Dienstanbieter stellen, um Zugriff auf das Postfach oder eine Kopie der Daten zu erhalten. "Viele andere Onlinedienste bieten eine Löschung an, Facebook beispielsweise ermöglicht das 'Einfrieren' eines Profils in einen Gedenkzustand. Jedenfalls müssen die Angehörigen verschiedene Unterlagen vorlegen können, beispielsweise eine Sterbeurkunde und eine Einantwortungsurkunde (offizieller Nachweis der Erbfolge). In manchen Fällen bedarf es auch eines schriftlichen Antrags", erklärt Daniela Drobna.

Keine Veranlassungen getroffen, was nun?

Die meisten Onlineprofile bleiben weiterhin bestehen, ebenso kostenpflichtige Mitgliedschaften, auch mögliche Guthaben liegen brach. Beispielsweise auf Spielewebseiten oder bei Onlinebezahlsystemen. Einige Dienste durchsuchen ihre Profile nach inaktiven Konten und deaktivieren diese nach einem längeren Zeitraum. "Es kann jedoch vorkommen, dass ein Onlinedienst an den Geburtstag einer verstorbenen Person erinnert und bittet, dieser zu gratulieren oder in einem Business-Netzwerk eine verstorbene Person einem als neuer Kontakt empfohlen wird. Solange die Dienste nicht vom Tod einer Userin oder eines Users erfahren, läuft der Algorithmus wie gewohnt weiter. Das kann für die Hinterbliebenen belastend sein", erklärt Daniela Drobna.

Onlinedienstleister als Nachlassverwalter

Mittlerweile gibt es zahlreiche Dienste, die sich des Themas des digitalen Nachlasses angenommen haben. Beispielsweise sogenannte "Onlinebestatter". Solche Firmen bieten als Dienstleistung für die Angehörigen an, das Internet nach Onlineaktivitäten der oder des Verstorbenen zu durchsuchen und sich beispielsweise um die Löschung von Profilen oder die Kündigung von Verträgen und Mitgliedschaften zu kümmern. Es gibt auch Unternehmen, die sich auf eine technische Verwaltung des digitalen Erbes spezialisiert haben. Jene Unternehmen bewahren Daten oder Passwörter in einer Art digitalem Schließfach auf und öffnen dieses im Todesfall für die Erben.

"Einige Unternehmen bieten an, die zu informierenden Kontakte und die zu verwaltenden Verträge zu hinterlegen. Diese Form der digitalen Nachlassverwaltung birgt jedoch einige Risiken: So ist oft unklar, was mit den Daten passiert, sofern das Unternehmen Konkurs anmelden muss oder von einem anderen gekauft wird. Sollte die Firma ihren Sitz im Ausland haben, könnten auch juristische Unklarheiten oder eine unterschiedliche Rechtslage zu Problemen führen", warnt die Expertin.

Aber auch zahlreiche "reguläre" Bestatter haben ihr Dienstfeld bereits erweitert und bieten Angehörigen als zusätzliche Dienstleistung an, die "Detektivarbeit" im Internet zu übernehmen und sich beispielsweise um die Auflösung des digitalen Nachlasses zu kümmern.  

Nähere Informationen

Die ISPA, der Dachverband der österreichischen Internetwirtschaft, hat zum Thema "digitaler Nachlass" Informationsmaterial erstellt, das regelmäßig aktualisiert wird und gratis zum Downloaden zur Verfügung steht.

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