Daniela Lehner steht nebene einem Baum
Daniela Lehner hat ihre Bachelorarbeit an der Universität für Bodenkultur über Biodiversität in Wiener Kleingärten geschrieben. © Nikolaus Similache

Vielfalt in Wiener Kleingärten

Die BOKU-Studentin Daniela Lehner hat die Biodiversität in Wiener Kleingärten untersucht. Mit In Wien sprach sie über ihr Projekt. Dazu gab sie wertvolle Tipps zur ökologischen Gartenpflege.

Ein Kleingarten in Wien. Es ist Frühling, die Luft lebt, auf jedem Quadratmeter Erde tummeln sich hunderte kleine Lebewesen. Das Gras ist kurz genug, um Federball darauf zu spielen und lang genug für Klee und kleine Blumen. Die Wiese sieht überall anders aus. Hier wächst das Moos, dort ist eine kahle, etwas trockene Stelle. Woanders steht das Gras hoch, hier regiert die Natur. Blumen, Kräuter und Ranken wachsen der Sonne entgegen. Hinten stehen die Apfelbäume, alte  heimische Sorten. Es gibt auch ein Gemüsebeet mit Grünzeug, das man nicht im Supermarkt findet. In einer Ecke liegt totes Holz. Morsche Äste von den Apfelbäumen. Im Sommer kann man sich ins Gras legen und schauen, was dort so herumhüpft.

Biodiversität im perfekten Garten

Für Daniela Lehner sieht so der perfekte Garten aus. Die 22-Jährige hat ihre Bachelorarbeit an der Universität für Bodenkultur (BOKU) über Biodiversität in Wiener Kleingärten geschrieben. "Kleingärten können maßgeblich zur Biodiversität beitragen", sagt sie. Für ihre Studie besuchte Lehner Kleingartensiedlungen im 13. und 23. Bezirk. Dort sprach sie mit insgesamt 29 Gärtnerinnen und Gärtnern über deren Gartengestaltung. Lehner sah sich an, was sie anpflanzen, fragte nach, was sie sich wünschen. Zuvor hatte sie einen Katalog mit Maßnahmen gestaltet, die zur biologischen Vielfalt beitragen. Dann besprach sie die konkreten Punkte mit den Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtnern. Heute sagt sie: "Es ist wichtig, Privatpersonen in den Biodiversitätsplan von Städten miteinzubeziehen. Man kann hier sehr viel verwirklichen."

Vielen Gärtnerinnen und Gärtnern sei das jedoch nicht bewusst: "Sogar Naturenthusiastinnen und Naturenthusiasten wussten nicht immer, wie man eine Blumenwiese anlegt oder wie ein Insektenhotel funktioniert." Weit verbreitet scheint auch die Annahme, dass naturnahe Gärten Ungeziefer und Wespen anlocken und dass hier das Unkraut nur so wuchert. Viele von Lehners Interviewpartnerinnen und Interviewpartnern machten sich Sorgen, was denn die Nachbarinnen und Nachbarn denken würden über so einen unordentlichen, verwilderten Garten. "Es muss ja nicht überall die Natur hereinbrechen", sagt Lehner. "Naturschutz kann auch ordentlich ausschauen. Es ist normal, dass Bäume sterben. Ein alter Baum ist ein natürliches, vielfältiges Insektenhotel oder Nistkasten für Vögel. Das hat nichts mit 'Ungeziefer' zu tun, sondern ist ein natürlicher Abbauprozess." Auf die Frage, ob sie sich Vielfalt in ihrem Garten wünschen, antworteten fast alle mit Ja. Unklar war den meisten, was sie dafür tun können.

Heimisch ist artgerecht

Kein Garten ist zu klein, um die Vielfalt hereinzuholen. "Für den verwilderten Teil reicht ein Eck", sagt Lehner. Bei ihren Besuchen in den Gartenanlagen fiel ihr auf, dass viele Menschen einfach anpflanzen, was sie schön finden: "Das sind dann meist Neophyten, also exotische Pflanzen, die dort nicht hineinpassen und auch nicht von den Tieren genutzt werden." Setzt man heimische Nahrungspflanzen an, dann kommen auch Schmetterlinge, Bienen und andere Bestäuber.

"Man kann den Tieren das Leben im Garten schmackhaft machen", sagt Lehner. Wer Laub nicht wegräumt, sondern unter die Sträucher kehrt, isoliert die Pflanzen für den Winter und schafft ein Winterversteck etwa für Marienkäfer und Schmetterlinge. Wer morsche Äste nicht gleich abschneidet und verschwinden lässt oder totes Holz in einer Ecke stapelt, bietet dem Hirschkäfer eine ideale Kinderstube. Käfer und Insekten beschäftigen Lehner schon lange. Seit drei Jahren arbeitet sie ehrenamtlich im Naturhistorischen Museum. Die Sommer verbachte sie im Garten ihrer Eltern in Ober St. Veit. Als Kind sammelte sie tote Hirschkäfer im angrenzenden Wald.

Doch auch größere Tiere finden Gefallen an ökologischen Gärten. Steht keine Mauer im Weg, dann wandern Igel gerne von Garten zu Garten. "Je größer ein zusammenhängender Lebensraum ist, desto besser", sagt Lehner. Auch die Gärtnerinnen und Gärtner haben viel von der Artenvielfalt: "Sie haben mehr zu beobachten, es gibt mehr Schmetterlinge und Vögel, das sorgt für Gesprächsstoff." Wer Obstbäume hat, zu dem kommen auch die Wildbienen. "Es ist gut, wenn Pflanzen von verschiedenen Insektenarten bestäubt werden", erklärt Lehner. "Erdbeeren wachsen dann regelmäßiger. Eine Hummel bestäubt anders als eine Biene."

Lebendige Natur statt Kunstdünger

Lehner nennt drei Don'ts der ökologischen Gärtnerei: kein Kunstdünger, keine Pestizide, kein Torf. Abgesehen davon kann man frei gestalten. "In Wäldern müssen alte Bäume aus Sicherheitsgründen entfernt werden, im Garten kann man selbst entscheiden, ob man den alten Apfelbaum fällt oder doch lieber zum Biotop werden lässt", sagt Lehner. Es gibt also viele Möglichkeiten, auch im Kleinen zur Biodiversität beizutragen. Auf die Frage nach einer Zusammenfassung, einem Fazit aus ihrer Studie antwortet Lehner: "Die Erhaltung der Natur liegt an Menschen, die weder Biologinnen und Biologen noch Managerinnen und Manager sind." Es reiche nicht, Samen mit Barcodes zu versehen und einzufrieren: "Die Natur muss lebendig erhalten werden."

Interesse für Stadtökologie

Als nächstes will Lehner ihren Master machen und in Richtung Biodiversitätsmanagement gehen. "Dabei geht es um die Vielfalt der Natur", erklärt sie. Um genetische Vielfalt, um Artenvielfalt und um die Vielfalt von Lebensräumen. Am interessantesten sei die Stadtökologie. Lehner möchte einzelne Maßnahmen auf ihren Beitrag zur Diversität testen und mit Gärtnerinnen und Gärtnern zusammenarbeiten. Sie hofft, dass seltene oder auffällige Arten in Zukunft häufiger bei der MA 22, der Wiener Umweltschutzabteilung, gemeldet werden. Ein Mail mit Foto reicht. "Es schadet nicht, sich zu informieren", sagt sie. Es sei wichtig, mit anderen Menschen zu sprechen, Erfahrungen auszutauschen.

"Es hilft, die Natur ein Stück weit in den Garten zurückkehren zu lassen. Und dem Gras ein bisschen beim Wachsen zuzusehen."

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