Gerry, Gernot Breiner, arbeitet seit Sommer 2016 in einer der beiden ArbeitsRaum-Werkstätten. Unterstützung erhält er von Werkstätten-Geschäftsfeldleiter Michael Kozeluh und Fachanleiterin Eva Maria Sickha. © Bohmann / Andrew Rinkhy

ArbeitsRaum statt Arbeitslosigkeit

Das Beschäftigungsprojekt ArbeitsRaum von Caritas Wien und Volkshilfe Wien unterstützt junge Menschen beim stufenweisen Einstieg ins Berufsleben.

Konzentriert steht Gerry, Gernot Breiner, an der Presse. Es gilt, Kronkorken zu bearbeiten, bis sie platt genug für die Weiterverarbeitung sind. Drei-, vier Mal muss Gerry dafür den Hebel der Maschine kräftig hinunterdrücken. Bevor der nächste Kapselverschluss an der Reihe ist, wird er genau begutachtet. Entstehen soll eine mit Korken verzierte Deckenleuchte. Gerry werkt zügig vor sich hin, hat aber keinen Stress. Er kann in Ruhe und ohne Druck arbeiten. Das ist wichtig, denn Gerry muss erst langsam in die Berufswelt hineinwachsen. Sein Arbeitsplatz befindet sich am Brunnenmarkt in einer von zwei Werkstätten des Beschäftigungsprojekts ArbeitsRaum der Caritas Wien und der Volkshilfe Wien, das Arbeitslosen beim stufenweisen Einstieg ins Berufsleben unterstützt. Es richtet sich vor allem an Menschen ab 25 Jahren, die beim AMS Wien arbeitslos gemeldet sind, oder an Menschen ab 18 Jahren, die Anspruch auf die Wiener Mindestsicherung haben. Dem 19-jährigen Gerry gefällt sein Job. "Bis jetzt ist mein Leben eher holprig verlaufen", erzählt er. 

Gerry entfernt mit einem Schaber Reste der Dichtung. © Bohmann / Andrew Rinkhy

Produzieren für den Verkauf

Nachdem rund 40, 50 plan gepresste Kronkorken entstanden sind, beginnt Gerry die Blechscheiben zu polieren und mit einem Schaber Reste der Dichtung zu entfernen. Wenn er sich bei einem Arbeitsschritt unsicher ist, spricht er die ihm zugeteilte Fachanleiterin Eva Maria Sickha an. Wie bei jedem anderen Job auch müssen am Ende des Tages sichere Produkte erzeugt werden, die etwas hermachen. "Alles, was wir herstellen, soll auch in den Verkauf kommen. Das ist der Sinn dahinter", erzählt die studierte Kunsttherapeutin, die seit zwei Jahren Teil des Teams ist. Als Geschäft dient dabei der Verkaufsraum "markt_platz". Er befindet sich im selben Komplex am Brunnenmarkt wie die Werkstätte, ist ihr jedoch vorgelagert.

Die runden Papierblättchen werden mit einem Kreisschneider aus alten Kunstkatalogen geschnitten. Gerry kann sich die Motive selbst aussuchen. © Bohmann / Andrew Rinkhy

Lampenerzeugung

Im nächsten Arbeitsschritt werden die blechernen Scheiben beidseitig mit fröhlich bunten Blättchen aus Papier beklebt. Die Motive kann sich Gerry selbst aussuchen. Ausgeschnitten werden sie aus alten Kunstkatalogen. "Das macht total Spaß", erzählt Gerry. "Ich kann selbst bestimmen, wie die Lampe am Ende aussehen wird. Es ist toll, etwas zu schaffen." Gestern hat Gerry ein barockes Bild "bearbeitet", heute schneidet er die Blättchen aus einer Abbildung eines modernen Kunstwerks in schwarz. Schließlich werden Papierblättchen und Kronkorken mit Kleber "vereint". Ist letzterer gut angetrocknet, müssen die Teilchen nur noch gelocht, mit kleinen Metallhakerln zu Kronkorken-Ketten zusammengehängt und an der Lampenfassung montiert werden. 

Verkauft werden die Produkte im "markt_platz". Die Werkstätte befindet sich in den Hinterräumen. © Bohmann / Andrew Rinkhy

Taschen, Marmeladen und mehr

Nicht nur Deckenleuchten entstehen durch den ArbeitsRaum in Handarbeit. Gerry erzeugt auch hübschen Ohrschmuck und bunte Halsketten oder schneidet aus alten Plakatplanen Schnittteile für Taschen zu, die wie auch viele andere Waren, darunter sogar Essbares wie feine Öle, Säfte und Marmeladen von Caritas-nahen Einrichtungen, auf dem Markt zu haben sind. An manchen Tagen hat Gerry kleine Transporte oder Instandsetzungsreparaturen in der Umgebung zu erledigen, kümmert sich um die Reinigung des Yppenparks oder betreut die Marktpoller. Welchen Aufgaben sich Gerry an einem Arbeitstag zu widmen hat, entscheidet Fachanleiterin Sickha, die ihre "Schülerinnen und Schüler" auch anlernt.

Fordern statt überfordern

"Wir fordern mit den einzelnen Tätigkeiten die jungen Menschen, aber überfordern sie nicht. Das ist wichtig. Schließlich sollen sie Selbstvertrauen und -sicherheit finden und Durchhaltevermögen beweisen, um sich in ihrem späteren Berufsleben bewähren zu können", sagt Michael Kozeluh. Er ist Geschäftsfeldleiter der beiden Werkstätten, koordiniert Aufträge externer Kundinnen und Kunden wie beispielsweise des Kunsthistorischen Museums Wien, das regelmäßig Taschen ordert, und führt nach innen Gespräche mit seinen Schützlingen. Derzeit nutzen in der Werkstatt am Brunnenmarkt und in der Taschen-Werkstatt in der Ottakringer Straße 149 35 junge Menschen das niederschwellige Einstiegsmodell. Sie werden von vier Coaches begleitend unterstützt, mit denen Zukunftsperspektiven und Lösungen für soziale Schwierigkeiten erarbeitet werden. Kozeluh: "Wohnungslosigkeit, fehlende Ausbildung, mangelnde Arbeitserfahrung, Drogenmissbrauch, Schulden oder problematische Kindheitserfahrungen sind häufig die Hemmschwellen, die in Zusammenarbeit überwunden werden müssen." Die acht Fachanleiterinnen und -anleiter wiederum sind für die Entwicklung der Produktpalette und die Einschulung der ehemals Arbeitslosen zuständig. "Sobald die jungen Menschen bei uns in Beschäftigung sind, bekommen sie einen Dienstvertrag ausgestellt und arbeiten in zwei Schichten", sagt Kozeluh.

35 Jugendliche und junge Erwachsene sind derzeit Teil des Beschäftigungsprojekts ArbeitsRaum und arbeiten in zwei Werkstätten. Gerrys Werkstätte mit dem Geschäft "markt_platz" befindet sich am Brunnenmarkt. © Bohmann / Andrew Rinkhy

Dienstverhältnis im regulären Arbeitsmarkt

Gerry arbeitet derzeit täglich vier Stunden. Es ist sein erster Job und eine große Chance, sanft, aber zielorientiert in die Welt der Arbeitenden hineinzuwachsen. "Ich habe den beruflichen Einstieg nach der Pflichtschule irgendwie nicht geschafft", erzählt Gerry. "Ich bin erst seit Sommer mit dabei. Wenn alles gut geht, kann ich mich bis zu 24 Arbeitsstunden pro Woche raufarbeiten." Gerry fühlt sich im ArbeitsRaum bereits gut verankert und mag alle Kolleginnen und Kollegen. Ein Jahr wird er hier jetzt Arbeitspraxis sammeln und dann nahtlos für sechs Monate in einen sozialökonomischen Betrieb mit maximal 30 Wochenstunden übergehen können. Sollte Gerry sich Zusatzqualifikationen aneignen wollen oder Hilfe benötigen, wird er vielfach unterstützt. Ziel ist, dass Gerry ein Dienstverhältnis im regulären Arbeitsmarkt bekommt. Wo sich der 19-Jährige in zehn Jahren sieht? Gerry: "Ich würd gerne die Lehre zum Lagerlogistiker machen. Ich schlichte total gerne. Ordnunghalten liegt mir." Seine Chancen stehen gut, sofern er sein Ziel im Auge behält. Die nötige Unterstützung dafür ist ihm sicher.

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