Viele Frauen kommen mit konkreten Anliegen zur Frauenberatung. Wie etwa einem amtlichen Schriftstück das sie erklärt bekommen möchten. © Diakonie Wien

Beratung für Flüchtlingsfrauen

Wiens erste Beratungsstelle für Frauen in Grundversorgung ist eröffnet. Die Einrichtung des Diakonie-Flüchtlingsdienstes bietet neben Beratung auch einen Ort der Begegnung und des Austausches.

Sara, 21, ist aus dem Irak nach Wien geflüchtet. In ihrer Heimat hat sie Ernährungswissenschaften studiert, in Wien wartet sie auf ihr Asylverfahren. Heute ist sie in die Frauenberatung des Diakonie-Flüchtlingsdienstes gekommen, um sich zu informieren, ob es Möglichkeiten gibt, in Wien ihr Studium weiterzuführen. "Bildung ist ein zentrales Thema unserer Beratungsarbeit", erklärt Birgit Koller, Sozialarbeiterin und Leiterin der neuen Beratungsstelle. "Weitere Themen sind Gesundheit, Wohnungsmarkt, Asylverfahren, Deutschkurse und auch die Frage, wie man mit Österreicherinnen und Österreichern in Kontakt kommt."

Seit September ist die Beratungsstelle geöffnet. Koller sagt: "Es gibt zwar viele Beratungsstellen, aber bislang keine, die sich speziell an Frauen wendet. Frauen sind meist unterrepräsentiert, weil in den Herkunftsländern vieler Asylwerberinnen der Mann die Organisation von Familienangelegenheiten übernimmt. Frauen und ihre spezifischen Anliegen geraten daher oft ins Hintertreffen." Die Stelle wendet sich an Frauen, die sich in der Grundversorgung befinden, dazu gehören Asylwerberinnen und subsidiär Schutzberechtigte. Subsidiär Schutzberechtigte haben kein Asyl erhalten, dürfen aber auch nicht abgeschoben werden, da ihr Leben oder ihre Gesundheit im Heimatland bedroht ist. Die meisten Frauen stammen aus Somalia, Afghanistan, Iran, Irak, Syrien und Nigeria.

Gespräche zur Entlastung

Viele Frauen kommen mit konkreten Anliegen, etwa mit amtlichen Schriftstücken wie einem Brief zur Schuleinschreibung, die sie nicht verstehen. Koller meint: "Wir erklären häufig, wie das österreichische Schulsystem aufgebaut ist. Die Familien wissen oft nicht, welche Ausbildungswege möglich sind." Das Gespräch über ein "neutrales" Thema führt oft zu Persönlichem. Etwa dass sich Frauen scheiden lassen wollen und wissen wollen, wie das funktioniert. Viele Gespräche dienen der psychischen Entlastung.

Die Sozialarbeiterin: "Die Frauen haben auf der Flucht Schreckliches gesehen und erlebt, viele haben Gewalterfahrungen gemacht und sind traumatisiert. Außerdem dauern die Asylverfahren sehr lange, die Frauen leiden unter der Unsicherheit und haben Ängste. Gleichzeitig wissen sie über psychosomatische Erkrankungen nicht Bescheid. Die Frauen erzählen, dass sie schlecht schlafen, ihnen alles zu viel ist und sie Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis haben, dabei wissen sie nicht, dass das eine normale Reaktion des Körpers auf die psychischen Belastungen ist."

Mehrsprachige Beratung

Die Beratung leistet ein achtköpfiges multiprofessionelles Team, wobei einige Mitarbeiterinnen ehrenamtlich als Dolmetscherinnen zur Verfügung stehen. Ein Termin ist nicht nötig. Die Frauen können zu den Öffnungszeiten einfach vorbeischauen. "Unsere Einrichtung nimmt auch eine Drehscheibenfunktion ein", meint Koller, "es gibt in Wien sehr gute, auch mehrsprachige Beratungsangebote zu speziellen Themen. Etwa Schwangerenberatung oder wo man ein Studium nostrifizieren lassen kann. Hier verweisen wir die Frauen weiter." Neben der Beratung bietet die Stelle auch Begleitung zu Behörden wie zur Polizei, zum Jugendamt oder zum Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl.

Viele Asylwerberinnen leben in Flüchtlingsheimen. Dort ist es für sie schwierig, mit Österreicherinnen und Österreichern in Kontakt zu kommen, Deutsch zu üben und soziale Netze aufzubauen. Seit Längerem gibt es ein Mal die Woche ein "Frauencafé" sowie eine Kooperation mit der evangelischen Pfarre Liesing. Neuerdings besuchen Frauen aus der Pfarre das "Frauencafé", sodass die Frauen mit Fluchthintergrund beim Plaudern gleichzeitig Deutsch üben können. Des Weiteren organisieren die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle ehrenamtliche Arbeit für Asylwerberinnen, beispielsweise gibt es Kooperationen mit Pensionistenklubs. "Viele Frauen möchten arbeiten, was sie im Asylwerberinnenstatus nicht dürfen. Wir vermitteln ihnen daher eine ehrenamtliche Tätigkeit. Ein Ehrenamt hat mehrere Vorteile: Die Frauen haben eine sinnstiftende Tätigkeit, eine Tagesstruktur und können Kontakte aufbauen", sagt Koller.

Ein großes Problem ist die Wohnungssuche. "Die Frauen warten oft jahrelang auf ihr Asylverfahren. Sobald sie Asyl bekommen haben, müssen sie binnen vier Monaten aus ihrer Unterkunft ausziehen und eine eigene Wohnung finden. Da der Wohnungsmarkt in Wien sehr eng ist, ist das sehr schwierig", meint Koller. Die Diakonie bietet mit der Wohnberatung Wien eine eigene Beratungsstelle zum Thema Wohnen. "Dort werden den Frauen Mietverträge erklärt, sie werden vor Mietbetrügerinnen und Mietbetrügern gewarnt, die leider sehr verbreitet sind, und es wird ihnen bei den vielen Amtswegen geholfen, vom Meldezettel bis zur Anmeldung von Strom und so weiter."

Sara wird indes geraten, dass sie Kontakt mit der Österreichischen Hochschülerschaft aufnehmen soll. Dort erfährt sie, welche Dokumente nötig sind und was die nächsten Schritte zur Aufnahme eines Studiums sind. Koller: "Im Gegensatz zum Arbeiten ist Asylwerberinnen und Asylwerbern Studieren erlaubt."

Frauenberatung des Diakonie-Flüchtlingsdienstes

7., Halbgasse 2/7
E-Mail: frauenberatung.wienatdiakonie.at
Telefon: 0664 88 63 28 53
Öffnungszeiten: Montag 14 bis 18 Uhr, Dienstag 10 bis 15 Uhr, Mittwoch 10 bis 16 Uhr, Donnerstag 10 bis 15 Uhr
Während der Öffnungszeiten ist keine Terminvereinbarung notwendig.

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