Das MUSA Museum Startgalerie und Artothek, neben dem Wiener Rathaus, Felderstraße 6-8, ist bei freiem Eintritt zugänglich. © PID/Georg Oberweger

10 Jahre MUSA: Kunst für alle

Das Museum neben dem Wiener Rathaus ist seit zehn Jahren ein "Hafen für die Wiener Szene" und zeugt von erfolgreicher Kunstförderung der Stadt.

Wo früher eine Werksküche untergebracht war, ist seit zehn Jahren Augenschmaus angesagt. Im Amtshaus Felderstraße 6-8, gleich neben dem Rathaus, befindet sich das MUSA - Museum Startgalerie und Artothek. Bei freiem Eintritt werden jedes Jahr mehrere Ausstellungen gezeigt. Geschöpft wird dabei aus dem Vollen: die Sammlung der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) umfasst derzeit 40.000 Objekte von rund 4.500 Künstlerinnen und Künstlern. "Alle Medien, alle Materialien, alle Sparten sind vertreten: von Zeichnung, Malerei, Skulptur über Fotografie, Video, Film, Textil bis hin zu Installation und Computerarbeiten", sagt Berthold Ecker, der Leiter des MUSA. "Höchstmögliche Qualität bei größtmöglicher stilistischer Bandbreite" seien die Kriterien für den zuständigen Beirat, der Arbeiten Wiener oder internationaler Künstlerinnen und Künstler mit Wienbezug zum Ankauf empfiehlt.

Berthold Ecker von der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) ist Leiter des MUSA. © PID/Georg Oberweger

Entstanden ist auf diese Weise "ein veritables Abbild unseres Kunstspektrums". Kunst anzukaufen sei die "beste Förderung, die eine Stadt im Bereich bildender Kunst machen kann", ist sich Kunsthistoriker Ecker sicher. Und es gibt noch einen wesentlichen Vorteil: "Wenn ein Werk angekauft wurde, bleibt es Teil der Sammlung, solange es die Stadt gibt."

Seefahrervolk in Bleistift

Die Anfänge der städtischen Sammelleidenschaft liegen in der Nachkriegszeit, als der damalige Kulturstadtrat Viktor Matejka gemäß dem sozialdemokratischen Leitgedanken "Kunst für alle" 1951 die Initiative ergriff. Das Werk mit der Inventarnummer 1 ist die Bleistiftzeichnung "Phäaken", benannt nach dem Seefahrervolk in Homers Odyssee, des Wiener Künstlers Erich Huber. Der jüngste Ankauf sind zwei Skulpturen von Elisabeth von Samsonow, die an der Akademie der bildenden Künste eine Professur inne hat. Zwischen diesen Eckpfeilern der Sammlung finden sich neben federleichten Papierzeichnungen auch schwere Skulpturen, von denen einige vor dem Eingang des MUSA platziert sind. Das schwerste Exponat ist vermutlich eine Vollmetallplastik von Karl Anton Wolf im Donaupark.

Das MUSA verfügt über lichtdurchflutete Ausstellungsräume mit flexiblen Wänden und Glasdach. © PID/Georg Oberweger

Königsdisziplin öffentlicher Raum

Kunst im öffentlichen Raum ist für Ecker die "Königsdisziplin des Kunstschaffens, aufgrund der enormen Reichweite". Konfrontationen seien für den Austausch wichtig und werden im MUSA nicht gescheut: So gab es bereits Ausstellungen mit internationaler Beteiligung zu bestimmten Themen wie Geschlechterrollen und gesellschaftspolitischen Aspekten, die von Vorträgen und Diskussionen begleitet wurden. Demnächst soll es in einer Schau ums Altern gehen - ein Thema, bei dem sich der Zugang in den letzten Jahren sehr verändert hat: "Wurde früher das Alter als ehrwürdig bezeichnet, wird heute zuerst der schwächer werdende Körper gesehen", erläutert Ecker.

Meilensteine für Kunstsammlung

Die Kommunikation und der rege Austausch mit der Künstlerinnen- und Künstlerschaft und dem Publikum standen von Beginn an im Mittelpunkt der Ausstellungstätigkeit. Knapp sechs Jahrzehnte nach dem Startpunkt der Sammlung platzte diese aus allen Depots, außerdem sollten die Kunstwerke der Bevölkerung in spannender Weise zugänglich gemacht werden. Nach Zwischenlösungen in anderen Gebäuden, wie einer kleinen Galerie in der Schönlaterngasse und einer neben der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz, ermöglichten Kulturpolitik und Verwaltung gemeinsam das MUSA - zuerst Museum auf Abruf genannt, um schon in der Bezeichnung zu verdeutlichen, dass aus der Sammlung jederzeit ein veritables Bild der Gegenwartskunst gezeichnet werden könnte.

Schon vor dem Eingang zum MUSA sind Werke aus der Sammlung der Stadt Wien zu besichtigen. © PID/Georg Oberweger

Das Architekten-Team Jacqueline Kaufmann und André Kiskan entwarf für die damals ungenutzten Teile im Amtshaus neben dem Rathaus Räume mit großzügigen, variablen Wänden und einem Glasdach über dem Innenhof. Hohe Ansprüche an Sicherheit, Konservierung und Präsentation waren vorgegeben. Rund 600 Quadratmeter lichtdurchflutete Ausstellungsfläche sind entstanden.

"Ein zweiter Meilenstein in der Geschichte des MUSA war die Errichtung von zusätzlichen, klimatisierten Depots mit einer Schiebewandanlage und ausreichend Platz für die Werke", sagt Berthold Ecker, der seit 1991 in der Sammlung tätig ist und seit 2003 das Referat Bildende Kunst und das MUSA leitet.

Sprungbrett für junge Kunstschaffende

Das MUSA ist eine "Landesgalerie für zeitgenössische Kunst, ein Hafen und eine Bühne für die Wiener Szene", sagt Ecker. Neben der Museumstätigkeit, dem MU im MUSA, steht das S für die Startgalerie. Mit dieser Einrichtung können junge Kunstschaffende oft zum ersten Mal eine interessierte Öffentlichkeit erreichen. In den vergangenen zehn Jahren wurden in der großen Halle 35 Ausstellungen organisiert, knapp 90 kleinere in der Startgalerie und unzählige Begleitveranstaltungen wie Diskussionen und Konzerte realisiert. Dazu kommt ein intensiver Austausch mit KünstlerInnen im Ausland. Zusätzlich wird das international angesehene Fotofestival "Eyes on - Monat der Fotografie" veranstaltet. Und auch mit KÖR - Kunst im öffentlichen Raum ist die Zusammenarbeit sehr eng.

Grafische Arbeiten aus der Artothek können von Privatpersonen ausgeliehen werden. © PID/Georg Oberweger

Kunst gibt's auch zum Nachlesen: Kataloge zu den Ausstellungen sind im MUSA zu kaufen. 2018 wird die Buchreihe durch die Jahrzehnte der Sammlung vollendet: "Die 90er Jahre aus der Sammlung der Kulturabteilung der Stadt Wien - MUSA" wird vermutlich das "umfassendste Werk über zeitgenössische Kunst dieser Zeit in und aus Wien".

Aktuell: Poppige Großformate

Ausstellungsprojekte sind bereits bis 2020 konzipiert. Ecker versucht, die Wiener Kunstszene - "eine der besten in Europa" - im Auge zu behalten. "Ich besuche etwa hundert Ateliers im Jahr", sagt er. Das von Jorg Hartig (1932 im tschechischen Smrzovka/Morchenstern geboren) kennt Ecker gut. Das Wohnzimmer des Künstlers direkt neben dem Atelier hat schwarze Wände, das tue der Farbwirkung seiner Bilder gut. Hartig sitzt im Rollstuhl und schaut mit leuchtenden Augen auf seine farbenfrohen, kräftigen Gemälde, mit denen derzeit das gesamte MUSA bespielt wird. "Ich bin ein 85 Jahre alter Mann, der das Glück hat, eine solche Ehrung zu erfahren, anerkannt und erkannt zu werden", sagte er bei der Eröffnung seiner Ausstellung Anfang Mai. Hartig selbst bezeichnet seine Arbeiten als Realpop, da sie "stets an die Umwelt gebunden bleiben, auch wenn sie auf den ersten Blick abstrakt wirken", weiß Kurator Wolfgang Drechsler. Ihm sei die Auswahl aus der gewaltigen Fülle des Gesamtwerkes aus sechs Jahrzehnten, das Hartig dem MUSA übergeben hatte, alles andere als leicht gefallen. Da der Maler einer der ersten hierzulande war, der Acrylfarben verwendete, ist Hartigs erstes dieser Bilder zu sehen: "Fahren" aus dem Jahr 1966, das in figurativer Abstraktion ein Motorrad voller Dynamik zeigt. Die Ausstellung "Jorg Hartig. Realpop. Eine Retrospektive" ist noch bis 19. August 2017 bei freiem Eintritt geöffnet.

A wie Artothek

Kunst hat für Ecker "etwas Sinnliches, in der Bedeutung von 'mit den Sinnen bewusst erleben'. Bei uns ist die Haltung, Kunst als rationales, aber auch emotionales Phänomen zu erleben und zu analysieren noch nicht so entwickelt wie in den westlichen Nachbarländern." Um dieses denkende Sehen zu fördern, ist im MUSA der Eintritt frei. Für Schulklassen und Eltern-Kind-Führungen werden sogar die Öffnungszeiten erweitert. Das gesamte Vermittlungsprogramm wird kostenlos angeboten.

Es gibt einen weiteren Aspekt der Teilhabe an dieser einzigartigen Kunstsammlung: Die Bevölkerung hat die Möglichkeit, grafische Arbeiten in der Artothek auszuleihen - das A im MUSA. 1979 entstand die Artothek als erste ihrer Art in Österreich und, nach Berlin und Köln, als drittälteste im deutschsprachigen Raum. Alle WienerInnen können sich um 2,50 Euro - inklusive Versicherungsbeitrag - pro Bild und Monat Kunstwerke ausleihen. Rund 12.000 Entlehnungen werden im Jahr verzeichnet.

Nicht zum Mitnehmen, aber zum Hingehen: Am 7. September wird die für heuer letzte Ausstellung mit herausragenden Ankäufen aus den letzten zehn Jahren MUSA durch Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny und mit einem Jubiläumsfest eröffnet.

Mehr Informationen: MUSA Museum Startgalerie Artothek, 1., Felderstraße 6-8, Telefon 01 4000 8400, www.musa.at

Video Artothek: Kunst für zu Hause

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