Blue-Bots heißen die kleinen Programmierroboter, die nun die Wiener Büchereien erobern. © Büchereien Wien

Wenn Roboter Kindern das Lesen lehren

In den Büchereien Wien bringen kleine Roboter Kindern das Lesen näher. Doch nicht nur das: Sogenannte Blue-Bots fördern auch Medien-, Sprach- sowie Sozialkompetenz und bringen den Kleinen Programmiergrundlagen bei. CLUB WIEN weiß, wie das funktioniert.

Sie sind klein, rundlich, bewegen sich in alle Richtungen, leuchten bläulich und erinnern an freundliche Käfer: Blue-Bots. Dabei handelt es sich um relativ einfach aufgebaute Programmierroboter, die neuerdings in den Büchereien Wien verwendet werden. Ihr Einsatzgebiet ist durchaus vielfältig. Einerseits dienen sie der Leseförderung und der Vermittlung von Programmiergrundlagen. Denn durch ihre simple Funktionsweise wird Kindern spielerisch beigebracht, was hinter aufbauenden Programmiersprachen steckt. Andererseits wird, quasi als Nebeneffekt, auch die soziale Kompetenz geschult.

Roboter als Werkzeug

"Medien haben in den Lebenswelten der Kinder einen hohen Stellenwert. So ist es naheliegend, ihnen Inhalte, zu denen sie vielleicht nicht sofort einen Zugang finden, mithilfe neuer Medien zu vermitteln", weiß Lucia Laschalt, Leiterin der Bücherei Großfeldsiedlung und Initiatorin des Projekts "Lesen 4.0 - Roboter erobern die Büchereien Wien". "Man kann also Roboter und Tablets als Werkzeuge und neue Vermittlungs-Tools betrachten. Da die Kinder in Teams arbeiten und die einzelnen Aufgabenstellungen gemeinsam lösen, werden Team- und Kommunikationsfähigkeit geschult. Aber auch Sprachempfinden - Programmieren ist eine Sprache - und Symbolverständnis werden gefördert."

Doch wie sieht das dann in der Praxis aus? Wie genau werden die Blue-Bots eingesetzt? Am Anfang wird den Kleinen eine Geschichte vorgelesen, die später mit den Robotern aufgearbeitet werden soll, etwa das beliebte Kinderbuch "Der Grüffelo". Nachdem der Inhalt erzählt worden ist, soll der Blue-Bot so programmiert werden, dass eine auf dem Roboter sitzende Stoffmaus an den anderen Stofftieren auf dem Spielfeld vorbeifährt. Diese wollen die Maus nämlich fressen, und das gilt es natürlich zu verhindern.

Kein Vorwissen benötigt

So können die Kinder zweierlei erreichen. Zum einen verfolgen sie bewusst ein Ziel, indem sie den Roboter programmieren. Zum anderen arbeiten sie das Erzählte noch einmal auf. "Es gibt aber auch Geschichten über den Bau und die Bestandteile von Robotern", erklärt Laschalt. "Da wird schon stärker auf die Funktionsweise der Roboter eingegangen, und als krönenden Abschluss können die Kinder selbst einen sogenannten Zahnbürstenroboter bauen. Das sind besonders einfach gehaltene Roboter, für die lediglich eine Zahnbürste, eine Batterie und ein kleiner Motor benötigt werden."

Vorwissen brauchen die Kinder für den Umgang mit Blue-Bots keines, so Lucia Laschalt: "Gerade das ist das Spannende in der Vermittlungsarbeit. Mit den Blue-Bots werden die Grundlagen des Programmierens geschult, um aufbauende Programmiersprachen besser verstehen zu können und eine gute Basis im Kontakt mit den MINT-Fächern zu bieten." Unter dem Begriff MINT-Fächer werden Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zusammengefasst.

Positives Feedback

Mit den Blue-Bots das erste Mal in Berührung gekommen ist Lucia Laschalt übrigens in den Niederlanden. Im Herbst 2017 lernte sie in der Bibliothek in Gouda im Rahmen des Personal- und Erfahrungsaustauschprogramms der Büchereien Wien die kleinen Programmierroboter kennen. Nachdem Konzepte zum Einsatz der Blue-Bots in der Leseförderung ausgearbeitet worden sind, wurden im Frühjahr 2018 die ersten Blue-Bots angekauft. Zwölf Stück sind bisher in Verwendung, dazu wurden sechs Vermittlungskonzepte erstellt und erfolgreich getestet. Das Feedback war laut Lucia Laschalt bis dato nur positiv. "Vonseiten der Kinder gab es von Beginn an keine Berührungsängste. Im Gegenteil, sie waren begeistert und wollten gar nicht aufhören, neue Programmieraufgaben zu lösen." Auch Eltern und Erziehungsberichtigte sind äußerst angetan.

Nach der Pilotphase gibt es nun Angebote für Kindergartengruppen und Volksschulklassen. Auf Nachfrage kann das Programm an verschiedenen Standorten der Büchereien Wien durchgeführt werden. In Zukunft sollen die kleinen käferartigen Roboter auch mit mobilen Endgeräten wie Tablets oder 3-D-Druckern verbunden und eingesetzt werden können. Das ursprüngliche Konzept, ebenso innovativ wie nachhaltig, soll in Zukunft also weiter ausgebaut werden. Lesen, programmieren, gemeinsame Sache mit anderen machen: Mit den Blue-Bots macht das alles auf jeden Fall noch mehr Spaß.