Gerlinde Wenschitz ist seit elf Jahren Direktorin der Berufsschule für Gartenbau und Floristik und freut sich jeden Tag über die grüne Schule. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Eine Grünoase als Ort der Wissensvermittlung

Die Berufsschule für Gartenbau und Floristik bildet zukünftige LandschaftsgärtnerInnen, landwirtschaftliche GärtnerInnen sowie FloristInnen aus. Als Lehrmaterial dient die Schule selbst. Denn diese ist sowohl außen als auch innen eine grüne Oase.

Aufgrund der steigenden Schülerinnen- und Schülerzahlen entschied man sich 1999 für einen Neubau der Berufsschule für Gartenbau und Floristik. Seitens der MA 19 - Architektur und Stadtgestaltung wurde europaweit ein Wettbewerbsverfahren durchgeführt. Sieger war die Architektengruppe Atelier 4, die mit ihrer Idee einer begrünten Schule in kubistischem Stil überzeugte. 2003 wurde die neue Schule eröffnet. Seitdem besuchen jährlich rund 680 Schülerinnen und Schüler die Berufsschule und nutzen die grünen Räume für ihre Kreativität. Denn wer die Berufsschule Gartenbau und Floristik besucht, profitiert von persönlicher Betreuung und einem innovativen Umfeld. CLUB WIEN besuchte die Schuldirektorin Frau Gerlinde Wenschitz und machte mit ihr einen Rundgang durch die Grünoase.

Vom Dach aus kann das gesamte Schulgelände überblickt werden. Es gibt unterschiedliche Themengärten, die den SchülerInnen als Lehrstellen dienen. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Die neue Schule

Die Lage des neuen Gebäudes inmitten von gärtnerischem Grünland des 22. Bezirks zeichnet sich durch eine klare rechteckige und pavillonartige Gesamtform aus. Diese steht nicht in Konkurrenz zum nahe liegenden Park und den Gartenbaukulturen, sondern geht gleichsam als ökologisches Ganzes einen Dialog mit der Umgebung ein. Dadurch verbindet das Gebäude Ökologie und Ökonomie und bietet Schülerinnen und Schülern den idealen Ort für die Wissensvermittlung.

Der Rundgang über das Schulgelände beginnt im obersten Stock, am Dach des Schulhauses. Hier befindet sich ein Glashaus, das sowohl als Schauraum, Seminarraum, Veranstaltungssaal als auch als Übungsraum für Verkaufsgespräche dient. Von ganz oben erhält man einen Blick auf das gesamte Schulareal, weshalb der Raum vor allem für Veranstaltungen genutzt wird. Eigens dafür wurde ein Teil des Daches, das heißt die Terrasse, von den Schülerinnen und Schülern im Zuge eines Projektes begrünt. Zierpflanzen, bunte Glassteine und Kieselsteine zieren den Terrassenboden. Ziel ist, die Schülerinnen und Schüler in die Gestaltung der Schule miteinzubeziehen und ihnen anhand dessen ihr Handwerk im Bereich Floristik oder des Gartenbaus beizubringen. "Die Felder gleich neben dem Schulgebäude werden auch für den Schulbetrieb verwendet. Hier werden Blumen für die Floristinnen und Floristen angepflanzt. Diese werden dann von den Schülerinnen und Schülern in den praktischen Übungen verwendet", erzählt Direktorin Wenschitz. "Teilweise holen sich die Schülerinnen und Schüler ihre Blumen selbst, teilweise machen das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MA 42. Diese schneiden die Blumen und bringen sie ins Kühlhaus. Die Blumen werden unter anderem auch für die Verkaufsgespräche hier oben verwendet." Seit über elf Jahren ist Wenschitz die Direktorin der Schule für Floristik und Gartenbau und unterstützt seitdem angehende Floristinnen und Floristen sowie Gärtnerinnen und Gärtner bei ihrer Ausbildung.

In der Berufsschule lernen die Schülerinnen und Schüler beispielsweise im Fach Floristik das Anfertigen von Gestecken, das Arrangieren von Sträußen sowie das Binden und Stecken von Kränzen. Im gärtnerischen Bereich gehört das Schneiden von Stecklingen und Steckhölzern, das Vermehren oder das Pikieren und Eintopfen von Pflanzen zum Tätigkeitsbereich. Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner vermessen Wege und Plätze und pflastern diese mit den verschiedensten Materialien, sie errichten Mauern, setzen Pflanzen ein und führen Schnittmaßnahmen an Sträuchern und Bäumen durch. Die meisten Schülerinnen und Schüler sind im Bereich der Landschaftsgärtnerei zu finden.

2003 wurde die Schule eröffnet und erstrahlt seither in grünem Glanz, denn das gesamte Gebäude wurde mit reichlich Bäumen, Sträuchern und Blumen bepflanzt. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Ein ökologisches Ganzes

Auf dem gesamten Schulgelände befinden sich Themengärten: Auf dem Dach und an den Fassaden, im Pausenhof im ersten Stock und im Atrium grünt es gezielt im Hinblick auf ein klar nachvollziehbares ökologisches Ganzes. Ziel der Architektinnen und Architekten des Ateliers 4 war, das Schulgebäude mit der Natur zu verbinden. Das heißt, man versuchte, eine Lehrstätte mit ökologischen Elementen zu kombinieren. Daraus entstand ein lebendiger Lehrplan, der sich je nach Jahreszeit und Fruchtwechsel verändert. "Das Besondere an der Schule ist, dass sie lichtdurchflutet ist und großzügige Innenflächen hat. Es wurde viel Raum geschaffen, der auch sehr gut als Lehrraum genutzt werden kann. Das finde ich an dieser Schule sehr schön. Sie ist offen, hell und sehr grün. Diese Atmosphäre strahlt auch auf die Schülerinnen und Schüler aus, bei uns ist es meistens sehr ruhig und friedlich. Zudem gehen wir nachhaltig mit Ressourcen um", so Frau Wenschitz.

Die Wand in der Eingangshalle der Schule ist ein gutes Beispiel dafür, wie Grün in Innenräumen nachhaltig eingesetzt werden kann. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Die Wertschätzung natürlicher Ressourcen

Die Schülerinnen und Schüler werden bereits in jungen Jahren mit nachhaltigen Energiemaßnahmen konfrontiert und lernen dadurch einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. So gibt es in der Schule eine ökologische Bauteilheizung, die als reine Strahlungsheizung konzipiert ist, weshalb die Klassenzimmer ohne Radiatoren auskommen. Die Bauteilheizung liefert einen Beitrag zur Energieeinsparung und Senkung der Betriebskosten. Am Dach des Hauses gibt es eine Photovoltaikanlage. Diese dient einerseits der Solarstromgewinnung und übernimmt andererseits den Sonnenschutz. Der gewonnene Strom wird in den Stromkreislauf der Schule eingespeist. Vor allem Wasser spielt in der Berufsschule für Floristik und Gartenbau eine große Rolle. So werden die WCs und Bewässerungsanlagen der Schule mit dem eigenen Brunnenwasser versorgt und erlauben dadurch einen sparsamen Wasserverbrauch. Zusätzlich gibt es in den Blumenkühlhäusern eine Wärmerückgewinnung, mit der kaltes Wasser erwärmt wird.

In den Laboren lernen die SchülerInnen unterschiedliche Pflanzenarten kennen und können auch eigene Pflanzenarten entwickeln beziehungsweise kombinieren. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Eine lebendige Klasse

In den einzelnen Klassenräumen gibt es viel zu entdecken. Es gibt EDV-Räume, Werkstätten und einen Laborraum. Im Laborraum lernen die Schülerinnen und Schüler die Botanik näher kennen und können auch selbst Pflanzenkreuzungen machen und neue Arten kreieren. Das Motto in dieser Schule lautet eindeutig "learning by doing". Die Schule dient dabei als praktisches Lernwerkzeug. "Wir untersuchen Erdproben, schauen uns Nützlinge und Schädlinge an und beschäftigen uns im Speziellen mit fleischfressenden Pflanzen und Orchideen", so die Direktorin. Generell wird in der Schule sehr viel Wert darauf gelegt, dass die einzelnen Schülerinnen und Schüler aktiv bei der Gestaltung der Schule mitwirken können. So wurden auch der Innenhof und einige Gärten des Gebäudes von den Schülerinnen und Schülern gestaltet.

Der Innenhof sowie einige Gärten des Gebäudes wurden zum Teil von den SchülerInnen gestaltet. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Die botanische Vorgeschichte der Schule reicht bis ins erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zurück, als man auf der Liegenschaft des städtischen Versuchs- und Reservegartens ein Pflanzenüberwinterungshaus errichtete. Bewohnerinnen und Bewohner der Umgebung konnten ihre Grünpflanzen hier einlagern. 1928 wurde die soziale Einrichtung in eine Gärtner- und Floristenschule umgewandelt. Während des Zweiten Weltkriegs diente der Garten als Nutzgarten. Mit Ende des Krieges ging der Schulbetrieb weiter. Mit den steigenden Schülerinnen- und Schülerzahlen wurde das alte Schulgebäude jedoch bald zu klein. Im Jahr 1999 wurde deshalb, wie bereits erwähnt, der europaweite Wettbewerb zum Neubau der Berufsschule für Gartenbau und Floristik ausgeschrieben, den das Atelier 4 gewann. Der Grundstein für die grüne Oase war gelegt.

In der Klasse werden neben der Vermittlung von Theorie auch viele praktische Übungen durchgeführt. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Von Blumenkränzen über Schädlingsbekämpfung bis hin zu Rückenturnen

Viele Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule während ihrer Lehrausbildung berufsbegleitend. So auch die Klasse der Wiener Stadtgärtnerinnen und -gärtner. Diese bewirtschaften die Parks der Stadt Wien. Alle zwei Wochen besuchen die Schülerinnen und Schüler die Berufsschule, haben hier theoretischen Unterricht zu Bodenkunde und machen praktische Übungen zur Schädlingsbekämpfung. Zusätzlich gibt es für die Schülerinnen und Schüler seit einigen Jahren neben Theorie und Praxis auch Sportunterricht. "Viele Gärtnerinnen und Gärtner leiden häufig an extremen Rückenschmerzen. Das kommt vom ständigen Bücken und Graben in der Erde. Deshalb wurde vor einigen Jahren ein Sportprogramm ins Leben gerufen, das die Stärkung des Rückens fokussiert", erzählt die Direktorin. "Das Programm ist wirklich sehr toll und man kann mittlerweile auch einige signifikante Fortschritte und Veränderungen im Gesundheitsbereich verzeichnen." Gartenbau und Floristik sind körperlich anstrengende Betätigungen. Mit ein paar regelmäßigen Übungen können Folgeschäden im Rücken vermieden werden.

Die Berufsschule für Gartenbau und Floristik ermöglicht Schülerinnen und Schülern, neue Technologien und Trends im Rahmen des Unterrichts kennenzulernen und bietet ihnen ausreichend Platz, um ihre grüne Kreativität in vollen Zügen auszuleben.

Im Schulgarten Kagran blüht und gedeiht es. CLUB WIEN hat sich vor Ort umgesehen und SchülerInnen bei Ihren Tätigkeiten begleitet. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

Vorteilspartner CLUB WIEN

City Pilates & Yoga Studio

Mit der CLUB WIEN-Vorteilskarte erhalten Sie 10% Ermäßigung auf Pilates- und Yoga- Gruppenstunden und Workshops.

Erfahren Sie mehr 29625

Das MuTh – Musik & Theater

Kammermusik, Kinderopern, Klänge aus aller Welt oder die Konzerte der Wiener Sängerknaben – das vielfältige Programm des MuTh erfreut sich regen Zuspruchs.

Erfahren Sie mehr 44962

Fit mit Elvira

Bei Fit mit Elvira gibt es Gruppentraining in angenehmer Atmosphäre mit Übungen, die jeder mitmachen kann. Spaß ist garantiert! CLUB WIEN Mitglieder erhalten 10% Rabatt.

Erfahren Sie mehr 45078

sirene Operntheater

sirene entstand 1998 aus der Zusammenarbeit von Kristine Tornquist und Jury Everhartz als Podium für neues Musiktheater und produziert seit 2002 unter diesem Namen.

Alle Vorteilspartner