Karl Lauermann ist Lernbegleiter. Das Projekt von wohnpartner unterstützt Kinder im Gemeindebau bei ihren Schulaufgaben. © Wohnservice Wien/Philipp Hartberger

 

Wir helfen Kindern beim Lernen

Engagement für eine gute Nachbarschaft. Dafür steht wohnpartner in Wien. Ein Projekt, das Menschen zusammenbringt und auch noch Kindern in der Schule weiterhilft, ist die Lernbegleitung. CLUB WIEN war im Karl-Wrba-Hof dabei.

Man könnte eine Stecknadel fallen hören. Einen Moment lang herrscht im Gemeinschaftsraum im Karl-Wrba-Hof totale Konzentration. Rund ein Dutzend Kinder sitzt an mehreren Tischen, die Köpfe stecken ganz tief in den Schulbüchern. Vier Seniorinnen und Senioren, allesamt Lernbegleiterinnen und -begleiter, warten gespannt auf die Antworten auf ihre Fragen. Sie helfen den Schulkindern zwei Mal die Woche bei ihren Aufgaben. Karl Lauermann ist einer von ihnen.

"Na, welches Wort passt da nicht hinein?", fragt Lauermann Volksschüler Thomas, mit dem er gerade die Deutschaufgabe durchgeht. Thomas liest eine Reihe von Sätzen vor, in denen manche Wörter nicht dazupassen und durchgestrichen werden müssen. "Karin und Melanie fahren heute mir ihren riesigen Eltern ins Schwimmbad", liest Thomas noch einmal vor. "Das Wort 'riesigen' passt nicht!", fällt es dem Schüler plötzlich ein. "Jawohl", sagt Lauermann mit einem Lächeln. "Weiter geht's mit dem nächsten Satz."

Gemeinsam für das Leben lernen

"Die Lernbegleitung ist ein sehr beliebtes Projekt bei uns im Bewohnerinnen- und Bewohnerzentrum Club KW im Karl-Wrba-Hof, aber auch bei anderen Einrichtungen von wohnpartner", erklärt Franz Swischaj, stellvertretender Teamleiter des Teams 13_23 von wohnpartner. "Dabei handelt es sich um freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, meist schon ältere Bewohnerinnen und Bewohner des Gemeindebaus, die den Kindern bei Hausaufgaben und Vorbereitungen unter die Arme greifen. Das Programm findet zwei Mal in der Woche jeweils zwei Stunden statt, es gibt zwei verschiedene Altersgruppen."

 

Ganz wichtig: Es handelt sich dabei um keine Nachhilfe. Die Kinder werden beim selbstständigen Lernen begleitet. Das Programm findet Anklang. "Um die Qualität hoch zu halten, haben wir eine Platzbeschränkung, aktuell gibt es auch eine Warteliste." Interessierten wird auch eine Ausbildung in Kooperation mit den Wiener Volkshochschulen angeboten.

Karl Lauermann kam eigentlich ganz zufällig vorbei und erfuhr von der Ausbildung bei der VHS. "Da habe ich mir gedacht, das schau ich mir einmal an", sagt Lauermann. "Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich dabeibleibe. Aber meine Enkelkinder haben dann gemeint 'Opa, uns hast du auch geholfen, du machst das sicher super.'" Das war vor mittlerweile sechs Jahren, bei der Lernbegleitung ist der ehemalige Konditor, Koch und Lebensmittelexperte heute noch.

Wenn die Noten besser werden

Vom Projekt ist der Pensionist überzeugt. "Viele Menschen haben ja in der Pension doch recht viel Zeit. Und ich finde, das ist wirklich eine Chance für uns, der Gemeinschaft etwas zurückzugeben." Das Schönste ist, die Erfolge hautnah mitzuerleben. "Wenn die Kinder dann kommen und sagen 'Schau, ich habe statt einem Dreier einen Zweier bekommen' und über beide Ohren strahlen, ist das natürlich ein gutes Gefühl", sagt Lauermann. Wenn dann bei den Schülerinnen und Schülern noch der Ehrgeiz erwacht, immer besser zu werden und noch mehr zu lernen, ist das für ihn das Tüpfelchen auf dem i.

Lauermann und seine Kolleginnen und Kollegen helfen den Volksschulkindern bei allen Fächern. Bei den älteren Kindern schaut er, was er kann. "Ich versuche nicht, es für die Kinder zu machen. Mein Ziel ist, dass die Kinder es mir erklären, so, wie sie es ja in der Schule gelernt haben." Dabei merkt er auch, dass sich seit seiner Schulzeit einiges geändert hat. "Wenn die Kinder zum Beispiel beim Multiplizieren immer die Null hinschreiben, weil sie ja eh nichts zählt. Das hat mich am Anfang verwirrt, wir haben das früher ganz anders gemacht." Eines ist ihm klar: "Nicht nur die Kinder lernen was, wir auch!"

Ein tolles Projekt für die Nachbarschaft

Die Lernbegleitung findet Lauermann sehr wichtig. "Ich finde, es sollten sich viel mehr Leute dafür interessieren", sagt Lauermann. Er vermutet, dass manche vielleicht aus Angst davor, nicht alles zu wissen, von einer Teilnahme Abstand nehmen. Dafür gibt es für den Lernbegleiter keinen Grund. "Es ist mir auch schon passiert, dass ein Kind gesagt hat 'Warum weißt du das nicht?'", erinnert er sich. "Dann sag ich einfach 'Na, wann hast du das gelernt? Vor einer Woche? Jetzt rechne mal nach, wie alt ich bin.' Die Kinder verstehen das auch und dann kann man gemeinsam weiterarbeiten."

Die Kinder nehmen die Lernbegleitung sehr gut an und sind mit Eifer bei der Sache. Das kostenlose und niederschwellige Programm ist für Eltern eine große Erleichterung, da viele im Gemeindebau sehr lange arbeiten. Es finden auch immer wieder Abende mit den Eltern statt, die dafür sorgen, dass die Gemeinschaft noch enger zusammenrückt. Und sogar den Kindern gefällt die Lernbegleitung. "Ich lerne viel lieber hier als zu Hause. Man kann sich sehr gut konzentrieren und die Stimmung ist immer super", sagt Schülerin Dilek. Einig sind sich alle über das schwerste Schulfach: Mathe, was sonst?

Karl Lauermann würde sich freuen, wenn noch mehr Menschen Teil des Projekts werden würden. "Ich finde das auf alle Fälle sinnvoller, als zu Hause rumzusitzen oder jeden Tag Karten zu spielen." Dann widmet er sich wieder Thomas und den Sätzen, in denen manche Wörter einfach nicht dazupassen.