03.DEZEMBER 2020 
Freizeit
Füchse müssen aufgrund des begrenzten Angebots im Winter oft weite Gebiete im Lainzer Tiergarten durchstreifen, um an Nahrung zu kommen. © MA 49 - Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien

Winter im Lainzer Tiergarten

Wegen COVID-19 ist die Wintersperre des Lainzer Tiergartens heuer aufgehoben. Der Vorteilsclub verrät, wer Winterschlaf hält und wo man spazieren kann, ohne dass dort heimische Tiere gestört werden.

Seit 100 Jahren ist der erstmals 1457 urkundlich erwähnte Lainzer Tiergarten für die Öffentlichkeit zugänglich. Zwischen Allerheiligen und Heiligabend wird jedoch üblicherweise eine Winterpause eingelegt, wobei der Hermesvillapark weiterhin täglich von 8 bis 17 Uhr für Spaziergänge geöffnet bleibt. Der Zugang ist durch das Lainzer Tor und das St. Veiter Tor möglich.

An den Wochenenden sind heuer wegen COVID-19 allerdings Gäste im gesamten Naturschutzgebiet willkommen. Schließlich können sich so die Besucherinnen und Besucher besser verteilen und steigen einander nicht auf die Füße. Denn durch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise sind die Möglichkeiten, frische Luft schnappen zu können, stark eingeschränkt. Da nur von Freitag bis Sonntag von 8 bis 16 Uhr geöffnet wird, ist die Gefahr außerdem geringer, die verschiedenen Wildtiere in ihrer Winterruhe zu stören.

Winterschlaf und Reise in den Süden

Die Tierwelt im 2.450 Hektar großen Erholungsgebiet ist dabei äußerst vielfältig. "Die bekannteste im Lainzer Tiergarten heimische Tierart ist wohl das Wildschwein. Es finden jedoch auch viele andere Säugetiere wie Eichhörnchen, Igel, Fuchs und Dachs hier ein Zuhause", erklärt Martina Billing vom Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien. "Manche Tiere wie Igel, die sich im Laub verstecken, sowie Eichhörnchen fallen in einen tiefen Winterschlaf und überstehen so die kalte Jahreszeit. Bei Fröschen, Reptilien und Eidechsen hingegen spricht man von der sogenannten Winterstarre, während der sich ihr Stoffwechsel auf ein Minimum reduziert. Tiere wie der Kranich, der Weißstorch oder die Schwalbe gehören zu den Zugvögeln und verbringen den Winter in wärmeren Ländern."

Einen weiteren Grund hat die alljährliche Wintersperre: Beim Lainzer Tiergarten handelt es sich um eine schützenswerte Landschaft, weist er doch eine außergewöhnlich hohe Artenvielfalt auf und beherbergt zahlreiche gefährdete Tier- und Pflanzenarten. "In der Zeit der Herbst- und Wintersperre bekommen die Tiere die Möglichkeit, sich bestmöglich auf den Winter vorzubereiten und werden nicht durch Besucherinnen und Besucher aufgeschreckt. Dies wäre für manche Tierarten verheerend, denn gerade in der kalten Jahreszeit müssen die Kräfte geschont werden", so Billing.

 

Begrenztes Nahrungsmittelangebot

Rehe und Hirsche etwa haben in den Wintermonaten nur ein begrenztes Nahrungsmittelangebot zu Verfügung und müssen daher den Energiebedarf möglichst niedrig halten. Eichhörnchen vergraben einen üppigen Vorrat, von dem sie in der kalten Jahreszeit zehren. Auch Raubtiere wie zum Beispiel Füchse müssen aufgrund des begrenzten Angebots im Winter oft weite Gebiete durchstreifen, um an Nahrung zu kommen. Dass hier ein gutes Miteinander und das Einhalten der Regel besonders wichtig sind, sollte nicht extra betont werden. "Wenn Besucherinnen und Besucher die vorgeschriebenen Wege benutzen, kann die Störung der Wildtiere so gering wie möglich gehalten werden." Während der Zeit, in der der Lainzer Tiergarten für die Besucherinnen und Besucher nicht zugänglich ist, widmen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Forst- und Landwirtschaftsbetrieb außerdem notwendigen Baumschutzmaßnahmen.

Wer den Tiergarten besucht, findet ein einmaliges Kultur- und Naturangebot vor. Dazu gehören ein gut beschildertes Wegenetz mit Rastmöglichkeiten und diversen Aussichtspunkten, Laufstrecken, Waldspielplätze. Auch sind die Nikolaikapelle, die Hubertuswarte und natürlich die Hermesvilla immer einen Besuch wert. Im Lainzer Tiergarten gibt es außerdem zwei verschiedene Lehrpfade. Entlang des Naturlehrpfades erhält man während eines Spaziergangs wissenswerte Informationen über den Tiergarten, seine faszinierende Tier- und Pflanzenwelt sowie den Lebensraum Wienerwald. Der Pfad beginnt beim Nikolaitor in Hütteldorf, führt über die Nikolaikapelle sowie die Gasthäuser Rohrhaus sowie Hirschgstemm und wieder retour. Er ist in etwa einer Stunde zu bewältigen.

Christbäume von Wiener FörsterInnen

Eines wird es auch heuer geben. Von 8. bis 24. Dezember werden täglich von 8 bis 17 Uhr direkt am Lainzer Tor Christbäume von Wiener Försterinnen und Förstern verkauft. "Die besonders prachtvollen Weihnachtsbäume wachsen in den Wiener Wäldern unter bester Obhut und Pflege", weiß Martina Billing. Während der Weihnachtsferien, also von 24. Dezember 2020 bis 6. Jänner 2021 ist der Lainzer Tiergarten übrigens täglich von 8 bis 17 Uhr geöffnet. Zu dieser Zeit sind Lainzer Tor, St. Veiter Tor, Nikolaitor und Gütenbachtor geöffnet. Allgemein gilt: Rechtzeitig zum Spaziergehen kommen, warm anziehen und nicht auf robustes Schuhwerk vergessen.