Die torffreie Erde "Guter Grund" ist auf allen Mistplätzen in 18- und 40-Liter-Säcken erhältlich. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Wie aus Biomüll Kompost wird

Von der Anlieferung über die Aufbereitung bis zur Feinabsiebung: Im Kompostwerk Lobau findet der gesamte Kreislauf der Bioabfallbehandlung statt.

"Empfindlich darf man hier nicht sein", sagt Annemarie Nowak und fährt mit beiden Händen in den Komposthaufen. Sie nimmt eine kleine Menge heraus und lässt das feine Substrat durch die Finger rieseln. "Bester Dünger, hergestellt aus 100 Prozent Natur", versichert sie, klopft die Finger an der Arbeitsjacke ab und zieht das Handy heraus. Rund um sie herum ist schweres Gerät unterwegs. Umsetzmaschinen, Radlager, Müllsammelfahrzeuge, Sattelzugfahrzeuge. "Ich gehe jetzt in deine Richtung", informiert sie einen der Fahrer und witzelt: "Also aufpassen". Sicherheit wird hier großgeschrieben. Das 48er-Orange ist sowieso kaum zu übersehen. Auch festes Schuhwerk ist Pflicht. Wer hier arbeitet, weiß, was Sache ist. "An den erdigen Geruch gewöhnt man sich, es erinnert an Ferien auf dem Land", sagt die Chemikerin, zieht den Zipp der Arbeitsjacke zu und steuert auf die gewaltige Aufbereitungsanlage zu. "Für mich ist es ein super Arbeitsplatz, weil wir jeden Tag aus Mist ein hochwertiges Produkt machen."

Annemarie Nowak ist die Leiterin der biologischen Behandlung im Kompostwerk Lobau. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Zahlreiche Fuhren täglich

Annemarie Nowak ist die Leiterin der biologischen Abfallbehandlung in Wien, das heißt verantwortlich für den Betrieb des Kompostwerks Lobau und der Biogasanlage der MA 48. Gemeinsam mit ihrem Team sorgt sie unter anderem dafür, dass der Bioabfall der Stadt zu wertvollem Kompost verarbeitet wird. Das Ausgangsmaterial dafür liefern täglich Müllfahrzeuge der MA 48 an. Sie holen die rund 80.000 Biotonnen von den Gartengebieten und bringen sie in die Anlage in der Donaustadt. Dazu kommen noch Strauchschnitt-Lieferungen von den Mistplätzen und den Wiener Stadtgärten sowie der Donauinsel. Darin enthalten sind rein pflanzliche Abfälle aus Garten, Haushalt und Küche. Zweige, Fallobst, Laub und Gemüseabfälle zum Beispiel. Im Jahr kommen so rund 100.000 Tonnen zusammen. Die Wienerinnen und Wiener sind gut geübt im getrennten Sammeln. "Die Qualität des Inputmaterials, also saubere Grünabfälle ohne Verunreiunigungen, ist die Voraussetzung für die Herstellung von hochwertigem Kompost", erzählt Nowak. Im Frühjahr und Herbst machen die Müllfahrzeuge sogar zwei Touren pro Tag, weil mehr Laub oder Grasschnitt anfällt. "Und hier geht es los", sagt Nowak und bleibt vor der Aufbereitungsanlage stehen.

Pro Jahr bringen die orangen Müllfahrzeuge der MA 48 rund 100.000 Tonnen biogenen Abfall. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Getrennte Verarbeitung

Auf dem freien Platz kippen zwei Müllwägen gerade ihre Fuhre aus. Verwelkte Blumen, Obst und Rasenschnitt aus den Biotonnen kommen auf die eine Seite, Zweige und Äste von den Mistplätzen auf die andere. "Wir trennen Biomaterial und Strukturmaterial, weil es unterschiedlich weiterverarbeitet wird", erklärt Nowak. Beide Haufen laufen über getrennte Röhren in die Aufbereitungsanlage. "Der Bioabfall wird zerkleinert, abgesiebt und von den wenigen Verunreinigungen wie Metall oder Plastik befreit", führt die Expertin weiter aus. "Gleichzeitig wird das Strukturmaterial geschreddert, mit dem Bioabfall vermischt und mit Wasser befeuchtet. Das ist für den Kompostierprozess wichtig. Alles zusammen geht dann über ein Förderband auf einen Sattelschlepper. Der bringt das Material auf die Rottefläche und lädt es auf einem freien Platz ab."

Das Kompostwerk Lobau ist seit 1991 in Betrieb. Herzstück ist die 5,2 Hektar große Rottefläche. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Sauerstoff und Luft

1991 wurde das Kompostwerk Lobau in Betrieb genommen. Dessen Herzstück ist nach wie vor eine 5,2 Hektar große, befestigte und absolut dichte Rottefläche. Auf ihr befinden sich mehrere aufgeschüttete und dampfende Reihen, im Fachjargon Zeilenmieten genannt. Darüber kriecht, ähnlich wie eine Riesenechse, die Umsetzmaschine. Ihre Aufgabe: Sie wendet das Material während der gesamten Rottephase. Das sorgt für Sauerstoffzufuhr. Zusätzlich wird Wasser aus dem eigenen Brunnen zugesetzt. Das gewährleistet, dass der Kompostierprozess optimal abläuft. Was man nicht sieht: Sicker- und Regenwasser werden in einem rund 1.300 Kubikmeter fassenden unterirdischen Auffangbehälter aus wasserundurchlässigem Stahlbeton gesammelt und danach über die Kanalisation abgeleitet. Seit 2011 laufen übrigens auch alle Fahrzeuge auf dem Gelände mit Biodiesel aus der Wiener Altspeiseölsammlung. Das führt zur maßgeblichen Reduktion von Kohlenstoffdioxid-Ausstoß und trägt zum Klimaschutz bei.

Die Kompostierumsetzmaschine sorgt dafür, dass der Kompost gewendet und mit Sauerstoff versorgt wird. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Gütesiegel garantiert Qualität

Nach rund acht Wochen ist das Material ausreichend gereift und kann abgesiebt werden. Nowak geht zur entsprechenden Maschine, wo aus einem Förderband das feinkörnige Düngesubstrat herausschießt. "Das ist der fertige Kompost", sagt sie. "Er hat die höchste Qualifizierung, nämlich Güteklasse A+. Damit ist er auch für den biologischen Landbau geeignet." Sichtbares Zeichen dafür ist das Österreichische Kompostgütesiegel, ein patentrechtlich geschütztes Markenzeichen. Verliehen wird es nur an Betriebe, die im Sinne einer ökologischen, nachhaltigen Kreislaufwirtschaft agieren. Als erste österreichische Anlage erhielt das Kompostwerk Lobau das Europäische Kompostgütesiegel. Damit geht auch eine gewisse Verantwortung einher, wie Nowak bestätigt: "Entsprechend Kompostverordnung wird unser Material zwölf Mal im Jahr von einem unabhängigen Labor getestet. Wir selbst führen sogar wöchentliche Kontrollen durch."

Pro Jahr werden rund 45.000 Tonnen Kompost der Güteklasse A+ produziert. © Bohmann/Andrew Rinkhy

Erde auf Mistplätzen

Kein Wunder also, dass um den Wiener Kompost ein wahres G’riss entstanden ist. Die grundsätzliche Verteilung schaut in etwa so aus: Rund 5.000 Tonnen werden auf den Mistplätzen gratis an Wienerinnen und Wiener abgegeben. 20.000 Tonnen bekommen landwirtschaftliche Betriebe in Wien und Umgebung sowie die Wiener Stadtgärten und das Forstamt. Weitere 20.000 Tonnen werden zum Erdenwerk transportiert, wo torffreie Erde zusammengemischt wird. Die besteht neben Kompost noch aus Rindenhumus und Holzfasern. Eine Zusammensetzung, die lockere und leichte Konsistenz gewährleistet. Ergänzende Nährstoffe werden ausschließlich in Form von organischen Düngemitteln beigemengt. Daher eignet sie sich für sämtliche Bepflanzungen im Haus und Gartenbereich. Erhältlich ist die Erde von Februar bis Oktober unter der Marke "Guter Grund" auf allen Mistplätzen in 18- und 40-Liter-Säcken. Der Preis liegt bei drei und fünf Euro. Mehr als sechs Millionen Säcke wurden in den vergangenen vier Jahren davon produziert. "Geht es nach den Wienerinnen und Wienern könnten es noch mehr sein", freut sich Nowak.

Bereits 1986 begann die Stadt Wien mit dem Aufstellen von mittlerweile über 80.000 Biotonnen. Das gesammelte Grünmaterial ist Ausgangsmaterial für den Wiener Kompost und daher auch für die torffreie Blumenerde "Guter Grund". © Stadt Wien/Bohmann Verlag

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