Die keltischen Pilze punkten mit Speck und frischen Kräutern. © Bohmann

 

Auf den kulinarischen Spuren der Kelten

In den Wiener Volkshochschulen gibt es viele spannende Kochkurse. Mache davon laden gar zu einer Zeitreise ein. Der Vorteilsclub hat ein Rezept aus dem Kurs "Keltische Kostbarkeiten" getestet.

Unser Wien war einst fest in keltischer Hand, wie Elisabeth Monamy, Archäologin und Kursleiterin Wiener Volkshochschulen, erklärt. "Die ersten keltischen Funde in Wien datieren in die Zeit um 400 v. Chr. Sie gehören der La-Tène-Kultur an, die nach dem Fundort in der Schweiz benannt wurde", sagt Monamy. Quer durch die Stadt stieß man auf Funde aus der Epoche. Auch der Name "Vindobona" soll aus dem Keltischen stammen, abgeleitet von -uindo (hell oder weiß) und -bona (Fluss oder Quelle; oder ein Personenname), wie Monamy erzählt.

Mit dem Kurs "Keltische Kostbarkeiten", der als Online-Workshop stattfindet, lädt Monamy zu einer Zeitreise ins antike Wien. "Die Kelten haben uns keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen und schon gar nicht Rezepte und Kochbücher." Was also als keltisches Gericht gilt, ist nicht so leicht zu sagen. Dank diverser Ausgrabungsberichte sowie archäobotanischer Analysen, also der Analyse von Samen, Holzresten oder auch Pollen, kann man aber durchaus Aussagen zur Ernährung der Kelten machen.

Nüsse, Früchte, antike Grillerei

"Sie aßen, was sie in ihrer näheren Umgebung finden konnten. Im Ackerbau hatten die Kelten gegenüber den Römern einen Vorsprung, sie waren in der Lage, Eisen zu verhütten und haltbare Werkzeuge zu schmieden. Auf diese Art produzierten sie stählerne Pflugscharen, die gleich auch die Erdschollen umdrehten", sagt Monamy. "Damit war eine intensivere Bewirtschaftung der Felder möglich. Gewürzt wurde mit gesammelten Nüssen und Früchten, mit Salz, Pfeffer und Kräutern, die zugleich die Verdauung anregten und Nahrungsmittel konservierten. Gemüse wurde entweder gedünstet oder mit dem Fleisch gegrillt."

 

Im Kurs geht es aber nicht nur um Essen. Monamy vermittelt auch den Alltag der Kelten und, in weiteren Kursen, jenen anderer Kulturen. "Da spielt die Ernährung eine tragende Rolle. Aber auch Handel, Tausch, Werkzeug, Kochmöglichkeiten und Sitten - so weit wir darüber Informationen haben - sind Themen, die, während wir kochen, besprochen werden. Man kann so einen antiken Kochkurs als Geschichtsunterricht mit Spaßfaktor oder als einen Kochkurs mit Mehrwert ansehen", sagt Monamy. Die Liebe zur Geschichte wurde ihr schon in der Kindheit vermittelt. "Die Geschichte der Menschen und ihr wandelnder Lebensstil faszinieren mich schon mein Leben lang. Da meine Eltern Geschichtsliebhaber sind, habe ich mit zwei Jahren Ephesos besucht. Ein Foto von mir auf den Stufen vor der Bibliothek hängt über meinem Schreibtisch. Es war für mich immer klar, dass ich Archäologie studieren möchte."

Nur historisch wertvolle Zutaten

Die Rezepte, die im Kurs gekocht werden, basieren auf archäologischen Daten, aber auch der Fantasie der Vortragenden. Im Gegensatz zu vielen Internetquellen legt man schon Wert auf Genauigkeit. "Man sollte sich von modernen keltischen Rezepten aus dem Internet fernhalten, da diese Erdäpfel und Backpulver beinhalten. Zwei Zutaten, die die Kelten nicht kannten", sagt Monamy. Wie sah also so ein typisch keltisches Gericht aus? "In Hallstatt wurde ein Eintopfgericht ähnlich dem Ritschert gefunden. Ich würde es nicht als typisch ansehen, aber es spiegelt sehr gut eine deftige, nährende und wärmende Mahlzeit wider, die für die anstrengende Arbeit benötigt wurde.“

Die Kursleiterin hat uns schon vorab ein Rezept zukommen lassen, das wir natürlich liebend gerne getestet haben: keltische Pilze.

Übrigens: Im Programm finden sich weitere geschichtliche Kochkurse sowie viele Rezepte aus aller Welt. Den kompletten Überblick finden Sie unter diesem Link.

Zutaten

  • 800 g Pilze (Steinpilze oder Champignons)
  • 100 g Petersilie
  • 6 Knoblauchzehen
  • Pfeffer
  • 200 g Frühstücksspeck

Zubereitung

  • Knoblauchzehen schälen und klein schneiden.
  • Petersilie fein hacken.
  • Champignons waschen und Stiele entfernen. Diese schneiden und mit dem Knoblauch und der Petersilie vermischen. Mit Pfeffer würzen.
  • Diese Mischung in die Champignon-Hüte füllen. Eine Scheibe Frühstücksspeck um die Champignons wickeln.
  • Champignons in einer Pfanne von allen Seiten anbraten.

Fazit: Die Worte deftig, nährend und wärmend beschreiben das Rezept schon perfekt. Wir wären jetzt bereit für Ackerarbeit. Die Kelten wussten auf alle Fälle, was zusammenpasst. Die Kombination aus Speck und Pilzen verlangt nach mehr. Ob als Appetithäppchen oder mit einer Beilage als Hauptgang: Die keltischen Pilze machen eine sehr gute Figur.