Spital in der Zielgeraden

Im Juni wird das Krankenhaus Nord – Klinik Floridsdorf eröffnet und die ersten Patientinnen und Patienten werden behandelt. Wer das neue High-Tech-Spital bereits vorab besichtigen möchte, hat am 6. April, beim Tag der offenen Tür die Chance dazu.

Tag der offenen Tür im KH Nord - Klinik Floridsdorf

Feierlich eröffnet wird das Krankenhaus von Wiens Bürgermeister Michael Ludwig. Neben einer ausführlichen Tour durch das Krankenhaus wird es auch viel Unterhaltung geben. Freuen Sie sich auf eine Live-Band, kulinarische Leckerbissen und spannende Vorträge vom künftigen medizinischen und pflegerischen Personal.

  • Wann: Samstag, 6. April 2019
  • Wo: 21., Brünner Straße 68
  • Öffis: S3 und S4 bis Brünner Straße und Straßenbahn 30 und 31 bis Brünner Straße
  • Weitere Infos unter www.wienkav.at/khnord-tagderoffenentuer

Bevor es ernst wird haben sich die Generaldirektorin des Krankenanstaltenverbunds, Evelyn Kölldorfer- Leitgeb, ihr Stellvertreter Herwig Wetzlinger und Michael Binder, Medizinischer Direktor, mit Gesundheitsstadtrat Peter Hacker zum Gespräch getroffen.

Was ist das Besondere am neuen Spital?

Peter Hacker: Es trägt zur Strukturverbesserung unserer Spitäler bei. Wir vereinen hier das Orthopädische Spital Gersthof, das Krankenhaus Floridsdorf und die Semmelweisklinik und holen Organisationseinheiten von anderen Standorten. Damit setzen wir den Schlussbaustein unter die zentrale Planung, Wien in drei Regionen zu teilen. In jeder Region bietet die Kombination aus zwei Spitälern eine Vollversorgung für die Bevölkerung. Das Krankenhaus Nord ist eigentlich eine Maschine mit Dach. Es vereint Spitzen- und Hochleistungstechnologie mit Wohlfühlatmosphäre. Unser Anspruch ist, dass das Personal den Erkrankten mit Empathie und Sympathie begegnet. Das gelingt leichter, wenn es einen guten, angenehmen Arbeitsplatz vorfindet, an dem es sich wohlfühlt.

Wie war der Weg zum modernsten Spital Österreichs?

Herwig Wetzlinger: Das Haus wurde nach dem modernsten Wissen der Krankenhausplanung errichtet. Derzeit informieren sich internationale Delegationen bei uns, wie eine moderne Infrastruktur ausschaut. Was die Leistungserbringung und die baulichen Strukturen betrifft, gibt es eine klare Trennung zwischen Notfall und planbaren Eingriffen. Zuweisende, etwa Fachärztin oder Facharzt, machen idealerweise einen Termin mit der Stelle aus, wo die Erkrankten behandelt werden sollen. Akutfälle werden in der zentralen Notaufnahme behandelt. Wir erwarten weniger Wartezeiten bezogen auf den Gesamtdurchlauf. Grundsätzlich bleiben Patientinnen und Patienten an einer Stelle und das Behandlungsteam unterschiedlicher Fachrichtungen kommt hinzu. Alle Spitäler, die in den letzten 15 Jahren gebaut wurden, folgen diesem Prinzip.

Welche Überlegungen sind in die Architektur eingeflossen?

Evelyn Kölldorfer-Leitgeb: Im Vorfeld wurden Personal, Patientinnen und Patienten befragt, wie sie sich ein Wohlfühlkrankenhaus vorstellen. Dabei wurden etwa Ein- und Zweibettzimmer sowie Intimsphäre genannt.

Herwig Wetzlinger: Das Haus ist so gut gelungen, weil zuerst die Betriebsorganisation – also der ideale Behandlungsablauf – geplant und dann, darauf abgestimmt, die bauliche Hülle gestaltet wurde.

 

Wie sind die baulichen Strukturen?

Evelyn Kölldorfer-Leitgeb: Wir haben hier Zentral-OPs, Intensivzentren und interdisziplinäre Stationen errichtet. Der Ablauf und die Organisation haben in sich eine Logik. Das hat viele Vorteile für die Patientinnen und Patienten. Etwa steht an den Stützpunkten in den Stationen administratives Personal zur Verfügung, wo Aufnahme und Entlassung stattfinden. Durch die moderne Technologie sind Materialversorgung, Transport und Logistiksysteme hier ganz anders aufgebaut. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei der Inbetriebnahme intensiv eingebunden. Es herrscht eine tolle Stimmung im Haus. Bei den Ärztinnen und Ärzten sind über 90 Prozent, bei der Pflege alle Stellen besetzt. Es gibt schon Wartelisten.

Wie schaut die Medizin der Zukunft aus?

Michael Binder: Technisierung und Individualisierung der Medizin nehmen weiter zu. Diagnostik und Therapien werden auf Einzelpersonen zugeschnitten. Damit verbunden wird der individuelle Aufwand größer. Viele Operationen belasten Patientinnen und Patienten weniger, sie bleiben kürzer in den Spitälern. Dem müssen wir organisatorisch und baulich Rechnung tragen. In den 1990er-Jahren entstanden die letzten Spitalsbauten in Wien. Was hat sich bei den Anforderungen seither geändert?

Michael Binder: In den letzten 25 Jahren gab es viele Veränderungen. Große Fortschritte gab es zum Beispiel im Bereich der minimalinvasiven Operationen. Die Technisierung der Medizin hat zugenommen, etwa in der Intensivmedizin und in der Implantatversorgung. Das bedarf anderer Krankenhausstrukturen. Mit modernen Arzneien können wir heute Erkrankungen behandeln, die vor fünf Jahren als unheilbar galten. Wir sind in den letzten zehn Jahren Augenzeuginnen und Augenzeugen einer medizinischen Revolution geworden, die bis dato weltweit noch nicht vorgekommen ist. Da ist Österreich an vorderster Front mit dabei und hat mit dem Krankenhaus Nord einen wichtigen Maßstab gesetzt.

Welche Leistungen bietet das Krankenhaus Nord?

Michael Binder: Es ist ein vollumfassendes Krankenhaus mit internistischen, chirurgischen Abteilungen und einer Kinder- und Jugend- sowie Erwachsenenpsychiatrie. Herausragend sind die technischen Möglichkeiten. Es gibt Operationssäle, die verschiedenste Bild- und Befundergebnisse verschmelzen. Besonders ist die enge Zusammenarbeit zwischen den klinischen Disziplinen, etwa der Kardiologie und der Herzchirurgie.

Gibt es in der Organisation Neuerungen für die Patientinnen und Patienten?

Herwig Wetzlinger: Der therapeutische Ansatz beruht darauf, dass man nur kurz im Spital bleibt, die eigentliche Wiederherstellung des Gesundheitszustands findet außerhalb statt. Das zeigt sich in den Strukturen. Die Orthopädie etwa hat Therapiegärten, damit sofort mit der Bewegung begonnen werden kann.

Wie viel kostet der laufende Betrieb des Krankenhauses Nord?

Herwig Wetzlinger: Wir übersiedeln drei Standorte und Teile von anderen Häusern, neu dazu kommt die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Insgesamt wird der Betrieb damit günstiger werden.