Meerschweinchen, Kaninchen und Co halten sich bei warmem, trockenem Wetter gerne im Freien auf. Was für HalterInnen dabei zu beachten ist, haben wir bei der Tierschutzombudsstelle in Erfahrung gebracht. © TOW/Jaros

 

Kaninchen und Co an der frischen Luft

Im Herbst freuen wir uns oft über einen Altweibersommer. Nicht zuletzt deshalb halten sich Kaninchen, Meerschweinchen und Co gerne im Freien auf. CLUB WIEN hat bei der Tierschutzombudsstelle Wien Tipps für die Haltung am Balkon und im Garten eingeholt.

Auch wenn es draußen herbstelt, schätzen wir es, uns noch an der frischen Luft aufhalten zu können. Aber nicht nur wir Menschen sind dann gerne im Freien, auch Haustiere genießen es, im Freien sein zu können. Dabei sollten Halterinnen und Halter von Kaninchen, Meerschweinchen und anderen Kleintieren einiges beachten, bevor sie ihre Lieblinge in ihre Residenz im Grünen entlassen. Stichwort: Raubtiere, Stichwort: Nässe. CLUB WIEN hat sich wertvolle Tipps von Tierschutzombudsfrau Eva Persy zur Haltung der kleinen Fellnasen im Freien geben lassen.

CLUB WIEN: Der Herbst wird immer wärmer, auch Kaninchen und Co genießen es, im Freien zu sein. Wie lange ist es für sie ideal, sich draußen aufzuhalten? Ab welchen Temperaturen sollten sie wieder in die warme Stube geholt werden?

Eva Persy: Die Temperatur ist im Herbst nicht das Entscheidende, sondern eher die Nässe. Wenn durch Regen oder Tau die Wiese nicht mehr trocknet, dann heißt es in jedem Fall: Ab in die warme, trockene Stube! Das ist bei uns in der Regel der Fall, wenn die Tageshöchsttemperaturen auf 10 bis 15 Grad Celsius fallen. Die Übersiedelung ins Winterquartier sollte auf jeden Fall vor dem ersten Bodenfrost erfolgen. Einige Tiere, die an die Außenhaltung gewöhnt sind und dort trockene und warme Rückzugsbereiche haben, können auch das ganze Jahr im Freien gehalten werden. Dafür sind allerdings nicht alle Kaninchen geeignet. So gibt es zum Beispiel einige Rassen, die kein ausreichendes Winterfell ausbilden, weil ihnen die Deckhaare weggezüchtet wurden, zum Beispiel Rexkaninchen. Diese Tiere können den Sommer im Garten verbringen, müssen aber im Winter möglichst geschützt untergebracht werden.

Wie gewöhne ich Kaninchen, Meerschweinchen und Co an das Gehege im Freien?

Die Gewöhnung beginnt schon vor der eigentlichen Übersiedelung: Bereits in der Innenhaltung sollten Sie Ihre Tiere zunehmend an Grünfutter gewöhnen, das heißt die Gabe von Löwenzahn, Gras und Co erhöhen. Anfangs sollten Sie die Tiere nur stundenweise raussetzen, dann langsam die Zeitspanne verlängern. Am besten machen Sie das, wenn es draußen schön warm und trocken ist. Jetzt im Herbst ist also kein guter Zeitpunkt, um mit der Außenhaltung zu beginnen. Wenn Sie anfangs zusätzlich Futter ins Gehege geben, an das die Tiere gewöhnt sind, wird ihnen das auch helfen, und sie sind nicht gleich auf Gras angewiesen. Immer wichtig im Außengehege, aber besonders am Anfang eine große Hilfe für die Tiere sind die geschützten Rückzugs- und Versteckbereiche, die unbedingt vorhanden sein müssen.

 

Was muss man generell beachten, wenn man ein Freigehege anlegt? Wie sollte es beschaffen sein? Wie groß darf es sein?

Für zwei Kaninchen sollten auch im Freien mindestens sechs Quadratmeter, für zwei Meerschweinchen mindestens zwei Quadratmeter Fläche mit entsprechender Einrichtung angeboten werden. Damit die Tiere nicht entkommen können, darf die Maschenweite des bissfesten Drahts oder Gitters nicht zu groß sein, nämlich maximal 1,9 mal 1,9 Zentimeter. In Gärten müssen die Gehege in jedem Fall nach unten gesichert sein, damit sich Kaninchen nicht unter dem Zaun durchgraben. Bei dauerhafter Haltung draußen muss der Zaun daher einen halben Meter tief in die Erde reichen. Ein trockenes Häuschen mit immerzu frischem Heu ist unverzichtbar. Und man darf nicht vergessen, die Tiere auch vor Fressfeinden zu schützen: Das Gehege muss nach oben unbedingt mit Volierendraht oder Gitter gesichert werden.

Welche Orte eigenen sich am besten? Ist jeder Balkon, jede Terrasse, jeder Garten für ein Freiluftgehege für Kaninchen, Meerschweinchen und Co geeignet?

Ein eigener Garten ist grundsätzlich am besten für die Außenhaltung geeignet. Doch auch am Balkon ist die Haltung von Kaninchen und Co möglich. Wichtig ist, dass die Tiere am Balkon genügend Platz bekommen und auch dieser entsprechend eingerichtet ist. Je nach Größe kann entweder der ganze Balkon zum Kleintier-Paradies umfunktioniert oder ein entsprechend großer Teil abgetrennt werden. Beim Balkon darf nicht auf die Absturzgefahr vergessen werden. Grundsätzlich ist bei der Außenhaltung enorm wichtig, dass der Witterungsschutz gewährleistet ist.

Wie kann verhindert werden, dass Raubtiere für Kleintiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen im Freigehege gefährlich werden?

Greifvögel, Marder, Füchse und Krähen, aber auch Heimtiere wie Hund oder Katze können den kleinen Garten- oder Balkonbewohnern schnell zum Verhängnis werden. Die Sicherung des Geheges nach oben mit Volierendraht oder Gitter ist daher unbedingt notwendig. Bei der Wahl des Materials muss auf die "Bissfestigkeit" geachtet werden. Nicht alle der im Handel angebotenen Drähte halten den scharfen Zähnen von Kaninchen und Marder stand. Auch Balkone müssen entsprechend gesichert werden. Die flinken Marder schaffen es tatsächlich, über Bäume, Rankgerüste oder raue Hauswände in höhere Etagen zu gelangen. In der Nacht sollten die Tiere mit ins Haus oder in die Wohnung genommen werden, sofern es keinen absperrbaren Unterschlupf im Gehege gibt.

Welches Thema spielt Sonne? Wie kann man dafür sorgen, dass Kleintiere nicht Trockenheit und Hitze ausgesetzt sind?

Schattige Plätze müssen den ganzen Tag über vorhanden sein. Zudem muss die Luft zirkulieren können. Ein eingeglaster Balkon wäre zum Beispiel schlecht als Außengehege geeignet. Und natürlich muss Trinkwasser immer zur Verfügung stehen.

Wie steht es um Giftpflanzen etwa im Garten? Wie kann verhindert werden, dass sie gefressen werden?

Das Gehege sollte immer im Rasenbereich aufgestellt werden. Blumen und Sträucher, die giftig sein könnten, dürfen nicht für die Tiere erreichbar sein. Schauen Sie bitte auch, dass Laub, Blüten oder Zweige von giftigen Bäumen und Sträuchern nicht ins Gehege fallen können. Bitte im Garten keine Spritzmittel verwenden!

Gibt es eine Umgewöhnungsphase für die kleinen Nager, wenn es wieder Zeit wird, ihr Quartier im Freien zu verlassen und jenes im Inneren zu beziehen?

Das ist wie bei der Gewöhnung ans Freigehege, nur umgekehrt. Am besten auch anfangs erst stundenweise wieder ins Innere geben und langsam von Grünfutter auf Heu umstellen.