In den kalten Wintermonaten haben es obdachlose Menschen besonders schwer. Mit der KälteApp des Fonds Soziales Wien kann zumindest ein wenig Hilfe geleistet werden. © FSW

 

Hilfe holen mit der KälteApp

Auch während der Coronapandemie kann es passieren, dass man obdachlose Menschen am Straßenrand liegen sieht. Und das bei Temperaturen um die null Grad - viel zu kalt für eine Nacht im Freien. Geholfen werden kann mit der KälteApp des Fonds Soziales Wien.

Temperaturen um den Gefriergrad, erste Schneeflocken und Dauerfrost - der Winter ist da und damit die härteste Jahreszeit für obdachlose Menschen. Denn während viele jetzt nicht nur coronabedingt zu Hause bleiben und es sich auf der Couch gemütlich machen, bleiben andere auf der Straße. Laut einer Studie der Statistik Austria gab es 2017 österreichweit 21.567 registrierte Wohnungslose. 2019 nutzten 12.590 Personen die vielfältigen Angebote der Wiener Wohnungslosenhilfe. Wie in allen Großstädten gibt es auch in Wien Menschen, die keine Wohnung und keine Adresse haben. Nicht alle davon schlafen auf der Straße. Straßenobdachlosigkeit ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Übergangswohnungen und Notschlafstellen verhindern, dass Betroffene Wind und Wetter ausgesetzt sind.

Wegen Corona heuer auch Tagesaufhalt möglich

Für die kalten Monate bietet Wien seit elf Jahren zudem auch das Winterpaket an: Die Stadt stockt zwischen November und Anfang Mai Notschlafplätze stark auf, damit niemand in der Kälte draußen schlafen muss. Heuer ist bereits Ende Oktober das Winterpaket mit rund 900 zusätzlichen Plätzen erfolgreich angelaufen. Insgesamt finanziert der Fonds Soziales Wien (FSW) im Regelangebot ganzjährig rund 6.800 Wohn- und Betreuungsplätze. Aufgrund der durch die Coronapandemie verschärften Situation können von Obdach- und Wohnungslosigkeit betroffene Menschen diese Jahr aber nicht nur eine warme Übernachtungsmöglichkeit in Anspruch nehmen. Ihnen steht auch die Möglichkeit zum Tagesaufenthalt in den Notquartieren zur Vefügung. Für Frauen mit Kindern gibt es spezielle Plätze, um sicher die Nächte zu verbringen.

1.000 Meldungen über die KälteApp

Trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die nachts bei strenger Kälte in Hauseingängen, in U-Bahn-Höfen oder vor Bankautomaten schlafen. Damit diesen Menschen schnell geholfen werden kann, gibt es zusätzlich zum bereits etablierten Kältetelefon seit letztem Jahr die KälteApp. Mit der App, die von der Stadt Wien und dem FSW ins Leben gerufen worden ist, kann innerhalb kürzester Zeit Hilfe gerufen werden. Seit dem Start der KälteApp Ende Oktober 2019 wurde sie bereits über 7.600 Mal heruntergeladen. Allein über die App sind knapp 1.000 Meldungen bei der Straßensozialarbeit von Obdach Wien eingegangen. Doch wie funktioniert sie denn nun genau? CLUB WIEN klärt auf.

Schritt 1: Wer braucht Hilfe?

Geben Sie an, wen Sie gesehen haben. Handelt es sich um eine Gruppe oder eine Einzelperson, um Männer, Frauen oder auch Kinder? Geben Sie auch das Datum und die genau Uhrzeit Ihrer Beobachtung an. Denn mittels dieser genauen Informationen kann das Team der Straßensozialarbeit die Meldungen priorisieren und den Aufträgen nachgehen.

Schritt 2: Wo wird die Hilfe benötigt?

Um den Standort anzugeben, wo akut Hilfe benötigt wird, klicken Sie in der App auf die Wien-Karte. Im Feld darunter können Sie zusätzlich die Adresse sowie eine nähere Beschreibung des Orts, wie zum Beispiel im Hauseingang oder vor dem Bankomat, eintippen. So können die Straßensozialarbeiterinnen und -arbeiter die Betroffene oder den Betroffenen rasch finden.

Schritt 3: Kontakt für Rückfragen

Für einen Rückruf oder Fragen können Sie optional Ihre Telefonnummer oder Ihre E-Mail-Adresse angeben. So sind Sie im gegebenen Fall für das Team erreichbar. Jetzt nur noch das Formular absenden und die Straßensozialarbeit ist informiert.

Mithilfe Ihrer Meldung kann das Team der Straßensozialarbeit den Menschen unmittelbar mit Beratung, Vermittlung oder auch Schlafsäcken weiterhelfen.

Wichtig: Die KälteApp ist keine Akuthilfe. In Notfällen ist die Rettung unter 144 zu verständigen, das geht auch mittels Button in der KälteApp. Meldungen, die bei Obdach Wien über die KälteApp eingehen, werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die für die Betreuung der App zuständig sind, aufgenommen, priorisiert und an die Straßensozialarbeiterinnen und -arbeiter übergeben. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versuchen, möglichst rasch der Meldung nachzugehen und zu helfen. "Laden Sie sich die KälteApp herunter, halten Sie die Augen während Spaziergängen an der frischen Luft auch in Zeiten eines Lockdowns offen und geben Sie eine Meldung ab, wenn Menschen Unterstützung benötigen", appelliert FSW-Geschäftsführerin Anita Bauer.

Die KälteApp steht im Apple App Store sowie im Google Play Store zum kostenlosen Download bereit. Die Webversion sowie die direkten Links zu den Stores sind online unter www.kaelteapp.wien zu finden.