Bei Chanukka wird der Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem und des damit verbundenen Ölwunders gedacht. © iStockphoto

Jüdisches Lichterfest mit Kerzen, Krapfen und Kreisel

Neben Weihnachten wird gegen Ende des Jahres auch das jüdische Lichterfest Chanukka gefeiert. Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien, erklärt Hintergrund und Bräuche des achttägigen Festes.

Viele wissen es gar nicht, doch wir sind schon mittendrin: Von 12. bis 20. Dezember wird acht Tage lang Chanukka zelebriert. "Chanukka wird im Winter gefeiert", erklärt Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien. "Manchmal fällt es in den November, manchmal in den Dezember. Selten überschneiden sich Weihnachten und Chanukka auf den Tag genau, das ist 2019 wieder der Fall." Im jüdischen Kalender hat der Beginn Chanukkas ein festes Datum und fällt alljährlich auf den 25. des Monats Kislew. Dass sich dieses Datum jedes Jahr aufs Neue vom weithin gebräuchlichen gregorianischen Kalender unterscheidet, liegt daran, dass der jüdische Kalender dem lunisolaren System folgt. Demnach wird das Jahr nach dem Lauf der Sonne berechnet, die Monate hingegen folgen dem Mondzyklus.

Öl für acht Tage

Der Ursprung Chanukkas liegt lange zurück, weiter als jener von Weihnachten. Aus dem Hebräischen stammend bedeutet das Wort "Chanukka" so viel wie "Weihung" oder "Wiedereinweihung" und lässt Rückschlüsse auf seinen historischen Hintergrund zu. 164 vor unserer Zeitrechnung lehnten sich jüdische Widerstandskämpfer unter der Führung der Makkabäer, einer Gruppe um den jüdischen Priester Mattatias und dessen Söhne, gegen die griechisch-syrische Fremdherrschaft auf. Dabei gelang es ihnen, Oberhand über jenen Tempel in Jerusalem zurückzugewinnen, in dem nach der Eroberung Palästinas durch Alexander den Großen nur noch griechische Götter angebetet werden durften.

Der Tempel musste gereinigt und wieder eingeweiht werden. Dazu sollte auch die Menora, der siebenarmige Tempelleuchter, wieder entzündet werden. Denn eigentlich dürfte dieser niemals erlöschen. Wegen der Kämpfe war nur noch ein kleiner Ölvorrat übrig und der hätte lediglich für einen Tag reichen sollen. Durch ein Wunder brannte das Öl aber acht Tage lang - so lange, wie es dauert, um neues koscheres, also den jüdischen Speisegesetzen entsprechendes, Öl herzustellen. "Chanukka erinnert an das Ölwunder, daran, dass eine kleine Menge Öl acht Tage lang gebrannt hat", erzählt Danielle Spera, "aber auch an den Sieg der Makkabäer, den Sieg von wenigen über ein großes Heer."

Feiern und arbeiten

Wegen des Ölwunders ist die Zahl acht die das Fest bestimmende: Chanukka wird acht Tage lang gefeiert, eine Chanukkia, der spezielle Leuchter, hat acht Kerzen und einen Schamasch, die Dienerkerze in der Mitte. Ähnlich wie beim traditionellen Adventkranz werden die Kerzen in einer bestimmten Reihenfolge angezündet. "Die Kerzen oder Öllichter werden von rechts nach links in die Chanukkia gesetzt, aber von links nach rechts angezündet, so beginnt man jeden Abend mit dem neuen Licht", so Spera. "Die Chanukka-Kerzen haben nur diese festliche Funktion, daher gibt es auch den sogenannten 'Diener', das neunte Licht, mit dem man die anderen anzündet. Dieses neunte Licht darf 'arbeiten', die anderen nicht." Mit der vorgegebenen Reihenfolge hören die Parallelen zum christlichen Adventkranz aber auch schon wieder auf: "Der Adventkranz führt zum Weihnachtsfest hin, die Chanukkia wird an den acht Feiertagen selbst entzündet."

Im Gegensatz zu Weihnachten im Christentum ist Chanukka im Judentum keiner der Hauptfeiertage. Währenddessen wird zwar gefeiert, es darf aber auch gearbeitet werden. "Trotzdem ist wichtig, sich an den geschichtlichen Hintergrund zu erinnern, den Sieg einer kleinen Gruppe über ein riesiges Heer, um damit die Religion erhalten zu können. Chanukka ist ein Fest, das Licht in eine Zeit der Dunkelheit bringt", erläutert Danielle Spera. "Es ist der Sieg des Lichts über die Kräfte der Finsternis." Nicht zuletzt deshalb gilt Chanukka auch als jüdisches Lichterfest.

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Chanukka geht durch den Magen

Wie auch die Adventzeit und schließlich Weihnachten geht Chanukka durch den Magen und sorgt bei manchen für zusätzliche Kilos. In Gedenken an das Ölwunder werden vor allem in Öl gebackene Speisen gereicht. Dazu zählen spezielle Krapfen, genannt Sufganiyot, oder Kartoffelpuffer, auch bekannt als Latkes. Sie sind allesamt wie auch weihnachtliche Vanillekipferl und Konsorten nicht gerade der schlanken Linie zuträglich.

Geschenke gibt es in manchen Familien auch, was natürlich bei Kindern für große Freude sorgt. Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene frönen während Chanukka dem Spiel mit dem sogenannten Dreidel. Hierbei handelt es sich um einen besonderen Kreisel, auf dessen vier Seiten jeweils ein hebräischer Buchstabe geschrieben ist. Zusammengenommen ergeben sie einen Satz, der auf das Ereignis im Tempel hinweist: "Ein großes Wunder geschah dort." Der Ehrgeiz für einen besonders gelungen Dreidel-Wurf wird mit einem kleinen Einsatz angefacht: "Man spielt um Nüsse, Süßigkeiten, Obst oder um ein symbolisches Geldstück", so Spera.

Erster Weihnachtsbaum in Wien

Auch gesungen wird zu Chanukka. Nicht unbedingt "Ihr Kinderlein kommet" oder gar "Stille Nacht", aber dafür vielleicht "O Tannenbaum". Immerhin war es die aus Berlin stammende jüdische Salondame Fanny von Arnstein, die 1818 den ersten Weihnachtsbaum in Wien aufstellen sollte. Und auch Theodor Herzl, Wegbereiter des politischen Zionismus, hatte 1895 einen großen Weihnachtsbaum in seinem Wiener Wohnzimmer stehen. Sehr zum Missfallen des damaligen Wiener Oberrabbiners Moritz Güdemann, wie Herzl in seinem Tagebuch festhielt: "Er schien durch den 'christlichen Brauch' verstimmt. […] Na, meinetwegen soll's 'der Channukabaum' heißen."

Ende des 19. Jahrhunderts kam schließlich unter säkularen, also weltlichen und kirchenunabhängigen, Jüdinnen und Juden ein besonderes Phänomen auf. Dabei werden Elemente von Chanukka und Weihnachten vermischt und mit dem Kofferwort Weihnukka zusammengefasst. In den USA erfreut es sich bis heute unter dem Namen Chrismukkah großer Beliebtheit. Was die Kommerzialisierung von Chanukka betrifft, ist diese mit jener von Weihnachten natürlich nicht annähernd vergleichbar. Dennoch verlässt das Fest zusehendd den rein privaten Bereich und wird immer sichtbarer, verrät Danielle Spera: "In Wien gibt es seit einigen Jahren auch in der Öffentlichkeit aufgestellte Chanukkah-Leuchter, zum Beispiel am Stock-im-Eisen-Platz." Ähnlich wie bei Weihnachten ist es von Familie zu Familie letztlich sehr unterschiedlich, in welchem Ausmaß gefeiert wird: "Das ist wie in allen anderen Konfessionen: Manche Familien halten sich ganz genau an die Traditionen, manche weniger."