Die Nußdorfer Wehr ist ein prächtiger Anblick und ein perfekter Ausgangspunkt für die Stadttour, schließlich hat Otto Wagner die Hochwasserschutzanlage im Stile eines Stadttors konzipiert. © Bohmann

 

Eine App für Wien-EntdeckerInnen

ivie, die City-Guide-App des WienTourismus, hat das Angebot um Stadtspaziergänge erweitert. Die sind nicht nur für TouristInnen interessant. Auch WienerInnen können so Orte in der Stadt neu- oder wiederentdecken. CLUB WIEN hat die App getestet.

Auch eingefleischte Wienerinnen und Wiener kommen nicht dauernd an Sehenswürdigkeiten vorbei. Meist schafft man es sogar nur sehr selten, sich die bekannten und weniger bekannten Wahrzeichen zu gönnen. Mit ivie, der City-Guide-App des WienTourismus, kann man das ideal nachholen. Die App hat jetzt nämlich Stadtspaziergänge im Angebot. Die Touren sind für mehrstündige Spaziergänge geeignet und führen thematisch gegliedert zu Wiener Hotspots.

Klassiker und Geheimtipps

Die App ist kostenlos im Android-Store und bei iTunes verfügbar. Gleich nach dem Download gehen wir zu den „Walks und Guides“. Hier gibt es die diversen Touren, geordnet nach dem jeweiligen Thema. Ganz aktuell ist zum Beispiel der Beethoven-Spaziergang, der zu den Orten Wiens mit Ludwig-van-Bezug führt. Sprich: Beethovenmuseum, Konzerthaus, Pasqualati-Haus und mehr. Bei diesem Rundgang wird auch ein Audioguide angeboten. Bei jeder Station und zwischendurch kann man sich die Infos via Headphone geben lassen. Da der CLUB WIEN schon auf Beethoven-Tour war, widmen wir uns diesmal aber einem anderen Thema.

Wir müssen uns zwischen dem „Wiener Moderne Guide“ und dem „Kuriose Museen Guide“ entscheiden. Gar nicht so leicht. Letzten Endes wird es die Wiener Moderne, denn da sind einige Orte dabei, die wir länger nicht besucht haben, und ein bisschen Otto Wagner und Klimt geht immer. Wir klicken auf den Guide und sehen sofort eine interaktive Karte. Dort können wir unseren Standort anzeigen und uns auch via Maps-App den Weg diktieren lassen. Bei welcher Station man anfängt, ist eigentlich irrelevant. Man kommt immer von A nach B und kann auch nach Belieben durchtauschen. Für die Navigation ist das nicht relevant.

 

Eine Revolution in Sachen Hochwasserschutz

Wir starten einfach einmal mit der Nussdorfer Wehr, schließlich sind wir gerade in der Nähe. Ein halbstündiger Spaziergang führt uns über die Donauinsel und die Promenade beim Handelskai zu der kultigen Wehr. Dort angekommen, lesen wir in der App, dass die Errichtung neun Millionen Kronen gekostet hat. Heute wären das satte 60 Millionen Euro. Mit der Anlage hat Otto Wagner den Hochwasserschutz revolutioniert. Die Donau hat Wien nämlich laufend überflutet und erst mit der Wehr wurde der Donaukanal 1898 gezähmt. Blickfang sind natürlich die zwei Pylonen mit den imposanten Löwenfiguren. Die sind da nicht ohne Grund. Für Wagner war die Wehr auch ein Tor in die Stadt. Heute befinden sich dort auch ein Quartier der MA 45 und ein Wasserkraftwerk, das mit zwölf Turbinen eine Gesamtleistung von 4,8 Megawatt erzeugt.

Die Infos in der App sind umfassend und präsentieren das Wichtigste auf einen Blick. Für uns geht’s weiter Richtung Innenstadt. Wir besuchen das Looshaus am Michaelerplatz, das bedeutendste Werk des Architekten Adolf Loos. Mit seinen spiegelglatten Fassaden sorgte das Haus für einen regelrechten Skandal und brachte Wien der Moderne einen Schritt näher. Weiter geht’s mit den Museen: Leopold Museum und MAK. Zwischendurch schauen wir noch zu Otto Wagners Postsparkasse. Das Bankgebäude an der Ringstraße war eines der modernsten Bauwerke seiner Zeit. Mit völlig neuartigen Materialien wie rostfreiem Aluminium setzte Wagner Akzente für die Ewigkeit. Die mit Nieten übersäte Fassade ist noch heute eine Ikone.

Zwischendurch ist Zeit für eine Erholungsmelange im Café Central. Hier trafen sich einst Freud, Loos, Kokoschka und viele mehr. Auch der russische Revolutionär Leo Trotzki war Stammgast, da schau her! Einst lagen hier 250 Zeitungen in 22 Sprachen auf.

Weiter gen Hietzing

Für den nächsten Weg nehmen wir die U-Bahn. Der Hatscher bis zum Otto-Wagner-Hofpavillon beim Schloss Schönbrunn ist uns bei der Hitze doch zu weit. Das Gebäude war ein Wartesalon für den Kaiser, sprich ein eigener kleiner Bahnhof für die Noblen. Benutzt hat der Kaiser ihn leider nur zwei Mal, dafür können wir aber heute noch das wunderschöne Gebäude betrachten. Mittlerweile befindet sich hier ein Museum, das Prunkstück ist eine gemalte historische Wienansicht aus Ballonflughöhe von Carl Moll.

Zum Abschluss spazieren wir noch ein Stück tiefer ins schöne Hietzing. Die Klimt Villa ist der finale Punkt unseres Testspaziergangs. Die Jugendstilvilla, in der Klimt von 1911 bis zu seinem Tod 1918 lebte, war sein Atelier und seine Werkstätte. Umgeben von einem 6.000 Quadratmeter großen Garten, der frei zugänglich ist, lugt das Haus fast verstohlen hervor. Ein sehr ruhevoller und fast meditativer Ort. Kein Wunder, dass Gustav Klimt hier so Großes leisten konnte.

Fazit: Egal ob man nach Inspirationen für einen Ausflug sucht oder Wissenslücken in Sachen Wiener Geschichte schließen möchte: Die Stadtspaziergänge lohnen sich auf jeden Fall. Man besucht Orte, die man lange nicht gesehen hat, und erfährt ganz nebenbei viel Wissenswertes. Die Navigation durch die Stadt ist dank interaktiver Karte kinderleicht. Für leidenschaftliche Spazierengeherinnen und Spazierengeher definitiv eine Empfehlung.