Stadtrat Peter Hanke im Interview. © Bohmann/Andrew Rinkhy

„Wir alle leben vom Fortschritt“

Peter Hanke ist Stadtrat für Finanzen, Wirtschaft, Digitalisierung und Internationales. Der ehemalige Topmanager spricht im Interview über erreichte und neue Forschungsziele und verrät, was die Politik dazu beitragen kann.

Waren Sie schon bei einem Forschungsfest?

Ja natürlich. Das Forschungsfest ist für mich mit einer großen Tradition verbunden, ich finde es großartig, dass immer rund 20.000 Besucher kommen. Das zeigt, wie groß das Interesse der Wiener Bevölkerung an Forschung ist, bis hin zu den Schülerinnen und Schülern, wo die Aufbruchsstimmung zu Neuem formiert werden sollte.

Warum sollten die Wienerinnen und Wiener heuer vorbeischauen?

Weil wir alle von Fortschritt leben. Und vom Wissenstransfer. Und wenn wir die Jungen nicht auf diese intellektuelle Reise mitnehmen, würde das Stillstand bedeuten.

Sie waren ab 1993 Mitarbeiter der Wien Holding und ab 1994 gleichzeitig Geschäftsführer, später Vorstand, von Biomay. Das haben sie zehn Jahre gemacht, danach waren Sie bei Allergosan, heute Virovaxx. Welche Erfahrungen haben Sie als Manager in diesen Forschungsunternehmen bei der engen Zusammenarbeit mit Forschern gemacht?

In diesen zehn Jahren durfte ich ein kleines Unternehmen, das anfangs fünf Mitarbeiter hatte und dann über 25, begleiten und mitentwickeln. Damals hatte ich erstmals wahrgenommen, welche Spitzenleistungen im Wiener Forschungsbereich erzielt werden können. Da ging es um Therapie und Diagnostik bei sehr häufig auftretenden Allergien, insbesondere bei Gräsern, Birke, Hausstaubmilbe, Katze - überall dort, wo sogar schon Kinder oft Probleme haben. Neue Wege zu finden war das Ziel unserer Einheit. Gerade im Bereich der rekombinanten Therapien waren die letzten 20 Jahre sehr dynamisch. Schon damals habe ich entdeckt, dass Kooperationen das Um und Auf sind. Diese Partnerschaften auf nationaler und internationaler Ebene sind sehr wichtig, wenn es um die Forschungsstätten in Wien geht. In unserem Fall war es zum Beispiel im medizinischen Bereich das AKH. Aber natürlich gilt das auch für nationale und internationale Unternehmen und Start-ups, wenn es um die Umsetzung geht.

Und wie nehmen Sie das Image der Forschungsstadt Wien heute wahr?

Wien hat international einen sehr, sehr guten Ruf im Bereich der Grundlagenforschung. Im Bereich der angewandten Kommerzialisierung ist es dennoch wichtig, neue Schritte zu machen - und die gehen oft in einer anderen Struktur besser. Da hat sich das Thema Start-up auch in meinem Kopf festgesetzt.

Welche Ansatzpunkte sehen Sie für Kooperationen?

Wir müssen mit unserer Förderlandschaft kombiniert agieren, und zwar auf der letzten Meile, wenn es zum Produkt geht. Wenn es um die Multiplikation geht, Richtung Zulassung, und wir die klinischen Studien entwickeln müssen. Die kosten viel Geld. Und da ist es einfacher, wenn man ein funktionierendes Wissenschaftsnetz wie in Wien hat, denn da kann man diese Entwicklungen viel schneller in Gang setzen.

Als ehemaliger Manager gefragt: Was braucht ein Unternehmen, um hier gut arbeiten und forschen zu können?

Der Standort ist entscheidend für die Verknüpfung in den universitären Bereich, für die Fachkräfte, die man braucht - und was natürlich die Lebensqualität in dieser Stadt betrifft. Es geht um internationale Spitzenkräfte, die man teilweise aus dem Inland generieren kann, aber die teilweise auch aus dem Ausland kommen müssen. Und da ist es schon sehr beachtlich, wenn man sieht, wie Wien im Vergleich zu anderen Städten der Vorzug gegeben wird.

Wir sind der größte deutschsprachige Universitätsstandort. Wie kann man nicht nur etablierte Forscherinnen und Forscher hier halten, sondern auch den Nachwuchs?

Indem wir das tun, was auch in den vergangenen Jahren perfekt getan wurde: Schwerpunktthemen definieren und die Kreativpotenziale der Start-ups abholen. Wir müssen die Voraussetzungen bieten, um in eine Gründungsphase zu kommen. Das geht immer mit einem Risiko einher, da sind Finanzierungsrisiken zu beachten. Aber auch die Fachkräfte müssen hier ausgebildet werden. Um das zu bewerkstelligen, hilft Wien mit seinen Wissenschaftsprogrammen, Unterstützungen und Fonds. Und natürlich mit der Ansiedlungspolitik, die Wien betrieben hat, zum Beispiel mit Boehringer Ingelheim oder Novartis. Da ist natürlich auch ein großer Vertrauensvorschuss dabei, Wien den Vorzug gegenüber anderen Standorten zu geben. Das ist ein freundliches Zeichen.

Gehen wir zur Industrie 4.0, zu Aspern und seiner Pilotfabrik, wo die Arbeitsplätze der Zukunft entwickelt werden. Was sind dort die nächsten Schritte?

Es ist schön, über Jahre zu beobachten, wie etwas vom Reißbrett in die Umsetzungsphase kommt. Wenn etwas Großes entsteht, indem Pläne Phase für Phase abgearbeitet werden. Etwas Großes entsteht an einem Standort aber auch nur dann, wenn wir bereit sind, in die ersten Phasen zu investieren. Das haben wir gemeinsam wirklich gut gemacht, deshalb sind bereits die ersten Früchte zu ernten. Jetzt kommt der Multiplikator-Effekt, indem die Leute sagen: Das nehmen wir an, da wollen wir dabei sein. Im Forschungs- und Entwicklungsbereich liegen wir im Vergleich zu den anderen Bundesländern sehr gut, und da wollen wir das Niveau auch halten.

Ist diese Pilotfabrik der Fuß in der Türe, damit wir uns international so weiterentwickeln können?

Das ist ein Modul dazu. Es gibt nicht den einzigen Weg, der ans Ziel führt, sondern wir müssen bereit sein aufzumachen und breiter zu denken. Wir müssen vielen Initiativen die Chance geben, um diesem gemeinsamen Ziel, Wien als Wissensstadt zu etablieren, eine Chance zu geben. Und da ist die Pilotfabrik ein gutes Beispiel dafür.

Wien als Wissensstadt lebt davon, dass der Bund kooperiert. 200.000 Studentinnen und Studenten leben hier. Ist da so ganz klar, wer für die digitale Infrastruktur zuständig ist? Die Netzanbieter, der Bund oder die Stadt Wien?

Es kostet sehr viel Geld, die Infrastruktur im Zuge der Digitalisierung so anzubieten, dass wir auch in 15 bis 20 Jahren vorne mit dabei sind. Das ist keine alleinige Aufgabe der Stadt, sondern wir müssen an die Bundesregierung appellieren und an all jene Unternehmen, die ihre Geschäfte damit abwickeln. So, wie das traditionell in den vergangenen Jahrzehnten gemacht wurde, müssen solche Investments gemeinsam gestemmt werden. Und wir entwickeln gemeinsam mit Wirtschaftsunternehmen neue Projekte, um diesen Beschleunigungseffekt zu erhöhen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Die ganze Breitbandentwicklung und was damit Hand in Hand geht. Da gibt es eine technische Infrastruktur-Notwendigkeit, um Forschungsleistungen anbieten zu können. Das ist eines jener Infrastrukturthemen, die wir sehr im Fokus haben werden.

Wie kooperativ ist der Bund?

Wir sind eine der wenigen deutschsprachigen Städte, die wachsen. Wir sind die Universitätsstadt schlechthin und wir haben mit unserer über den EU-Zielen liegenden Forschungs- und Entwicklungsquote gezeigt, dass wir nicht daran denken, unsere Spitzenfunktion aufzugeben. Ich glaube, das sind die Faktoren, die am Ende zählen, und die auch die Verantwortlichen im Bund spüren werden. Ich gehe also davon aus, dass wir auch künftig einen guten Weg der Kooperation und Partnerschaft gehen werden.

Betrifft das auch das Thema Smart City?

Wien ist Smart City und will es bleiben. Auch hier gilt die unglaubliche Beschleunigung, die wir zwischen den einzelnen Themenbereichen sehen. Es wird weiterhin darum gehen, das ideal zu verknüpfen, ob das Themen wie Wohnen, Logistik oder Mobilität sind, die uns beschäftigen. Und in jeder einzelnen dieser Sparten gibt es permanent Veränderungen. Dort darf man nicht den Fehler machen zu sagen: Wir sind ja schon eine Smart City. Sondern wir wollen auch Smart City bleiben. Das ist kein abgeschlossener Prozess, sondern der Weg ist das Ziel. Wir wollen auch weiterhin im europäischen Spitzenfeld bleiben. Das ist ein weiterer Punkt, der zu dem Puzzle gehört.

Die Stadt investiert in die Campusschulen in den nächsten Jahren mehr als 500 Millionen Euro. Mit welchem Ziel?

Es geht darum, optimale Lernbedingungen zu schaffen. Wir sind eine wachsende Stadt und haben ganz andere Aufgaben als andere Bundesländer, denen müssen wir gerecht werden. Deshalb ist jeder Euro, der in Bildung investiert wird, gut angelegt. Wir werden in den Jahren 2019 und 2020 diesen Schwerpunkt im Schulbereich, was Erweiterungs- und Neubauten betrifft, forcieren. Lebenslanges Lernen betrifft uns alle und führt dazu, dass sich das Thema Lernen verändert. Und da gehören auch der Standort dazu und die Flexibilität, das anbieten zu können. Junge Familien müssen auch außerhalb der Kernarbeitszeit das Thema Lernen weiterführen können. Deshalb sind wir stolz auf unsere Betreuungsplätze, die wir in Wien in einem hohen Ausmaß anbieten können. In den nächsten Jahren sind wir gut beraten, diesen hohen Standard zu halten und sogar auszubauen.

Eine Initiative aus dem Bildungsbereich sind die Bildungs-Grätzl, wo alle Player rund um die Campusschulen zusammenarbeiten. Was halten Sie davon?

Es sind einerseits die kurzen Wege und andererseits die Vernetzung vom Lernen hin zur Arbeit. Da sehen alle unterschiedlichen Player einen klaren Vorteil, wie auf engem Raum gemeinsam gearbeitet werden kann. Diese Befruchtung findet in einer Intensität statt, die wir sonst nicht hätten. Deshalb ist es schön, dass in den urbanen Bereichen und Grätzeln so eine konzentrierte intensive Entwicklung über Jahre stattfinden kann. Das führt dazu, dass sich die Leute in ihren Bezirken wohlfühlen. Dieses Wohlfühl-Momentum und das Thema sicherer Arbeitsplatz sind uns ja ein großes Anliegen. Sichere Arbeitsplätze werden durch solche Modelle indirekt gefördert.

Zurück zum Thema Forschungsstrategie für Wien. Der frühere Bürgermeister Häupl war Biologe und hat sich für die Etablierung der Life Sciences starkgemacht. Bürgermeister Michael Ludwig definiert als Ziel, dass Wien zur Digi-Hauptstadt Europas werden soll. Wie sehen die Prioritäten für Forschung künftig aus?

Qualitäten, die wir erworben haben, dürfen wir nicht aufgeben. Dort, wo es gelungen ist, diesen hohen internationalen Ansprüchen gerecht zu werden, haben wir Exzellenz bewiesen. Wir wurden international in den vergangenen Jahren für unsere Entwicklung gelobt, da muss man natürlich sagen: Lasst es uns auch auf anderen Gebieten probieren, diesen Weg genauso fortzuschreiben. Wir sehen es immer wieder, in den kreativen Prozessen und Gründungen von neuen Unternehmungen, wo sich Start-ups zu spannenden Themen im Bereich der Digitalisierung, Gesundheit, Vorsorge oder Daseinsvorsorge allgemein entwickeln. Das sind die großen Themenbereiche, die uns alle angehen, auch generationsübergreifend. Deshalb ist es schön, wenn es diese komprimierte Entwicklung auch weiterhin geben wird. Das Alte und Gute wollen wir bewahren und festhalten - und auf das Neue setzen. So wie es der Bürgermeister klar gesagt hat, wollen wir Digitalisierungs-Hauptstadt werden. Das ist ein Ziel, das wir fokussieren. Und da gibt es viel zu tun.

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