Christian Schendlinger ist Lehrlingsbeauftragter der Stadt Wien. © Bohmann/Bubu Dujmic

 

Karriere mit Lehre

Wer heute eine Lehre bei der Stadt Wien startet, sorgt morgen dafür, dass unsere Stadt lebenswert bleibt. CLUB WIEN sprach mit dem Lehrlingsbeauftragten der Stadt Wien, Christian Schendlinger, über Berufsbilder und Karrierechancen.

Von der Kfz-Technikerin bei der MA 48 bis zum Geoinformationstechniker bei der MA 22: Die Lehre bei der Stadt Wien hat viele Gesichter. Christian Schendlinger, Lehrlingsbeauftragter der Stadt Wien, kennt sie alle. Schendlinger hat selbst als Lehrling bei der Stadt Wien begonnen und ist eigentlich ein perfektes Beispiel dafür, wie man mit Einsatz und Liebe für den Job einen lohnenden Karriereweg gehen kann.

CLUB WIEN führte mit Christian Schendlinger ein Interview und sprach über neue Lehrberufe, alte Vorurteile und sichere Arbeitsplätze.

CLUB WIEN: Wie sieht Ihr Aufgabengebiet als Lehrlingsbeauftragter der Stadt Wien aus?

Christian Schendlinger: Sehr breit, sehr bunt, sehr vielfältig. Mein Team und ich kümmern uns um eine Vielzahl an Bereichen, von der Lehrlingswerbung über das Marketing, das Recruiting, die Ausbildungsgestaltung, die Aufnahme der Lehrlingsausbildnerinnen und -ausbildner bis hin zur Gesamtkonzeption. Auch Fortbildungsmaßnahmen, Auslandspraktika sowie Lehrlingsevents, wie Zertifikatsüberreichungen, findet man in unserem Portfolio. Bei fast 500 Lehrlingen, die wir betreuen, wird uns sicher nicht fad.

Wie lange machen Sie den Job schon?

Ich bin seit 2010 im Lehrlingsmanagement, seit 2012 in leitender Funktion. Meine Geschichte mit der Lehre bei der Stadt Wien reicht aber viel weiter zurück. Ich hab von 1988 bis 1991 eine Lehre als Bürokaufmann bei der Stadt Wien gemacht, wie auch alle anderen Mitglieder des Teams. Das hilft uns bei unserem Job auch ungemein, da wir aus dem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen können. Ich war auch viele Jahre lang Lehrlingsausbilder. Da kriegt man schon ein Gefühl dafür, wo die Bedürfnisse der Lehrlinge und jene der Arbeitgeberin aufeinandertreffen und wo sie auseinandergehen. An dieser Schnittstelle sitzen wir als Lehrlingsmanagement und versuchen, dass alle Seiten profitieren.

Haben sich die Bedürfnisse der Lehrlinge in den letzten 30 Jahren stark verändert?

Klares „Jein“. Auf der einen Seite hat die neue Generation andere Werthaltungen. Das Motto „Karriere um jeden Preis“ wurde von einem Verlangen nach Freizeit und einer Trennung von Job und Privatleben abgelöst. Die viel zitierte Work-Life-Balance, also die Balance zwischen Arbeit und Freizeit, ist den jungen Menschen sehr wichtig. Auf der anderen Seite machen wir die Erfahrung, dass das Thema krisensicherer Arbeitsplatz heute noch genauso wichtig ist wie damals. Das schätzen Lehrlinge an der Stadt Wien. Krisensicher heißt aber nicht, dass man, egal was passiert, immer abgesichert ist und sich um nichts mehr kümmern muss. Nach unserem Verständnis heißt das, eine Arbeitgeberin mit sozialer Verantwortung den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber zu sein. Einhaltung gesetzlicher Rahmenbedingungen in der Lehrlingsausbildung, kein Ausbeuten der Lehrlinge, gute Verdienstmöglichkeiten und - bei entsprechenden Leistungen während der Ausbildung - die Chance auf eine Weiterbeschäftigung nach der Lehre sind für das Unternehmen wichtige Attribute in diesem Zusammenhang. Da sind wir absolut verlässlich und bieten auch viele Benefits in Sachen Weiterbildung.

Die Lehrberufe verändern sich ja auch, oder?

Wir haben eine enorme Bandbreite an Lehrberufen, insgesamt über 20. Das Vorurteil, dass wir als öffentliche Verwaltung hauptsächlich Büroarbeit machen, ist völlig falsch. Klar, Verwaltungsassistenz ist bei den Lehrberufen die größte Gruppe, wir haben aber auch Tischlerei, IT, Forstfacharbeit, Vermessungstechnik und viele weitere Berufsbilder. Kürzlich haben wir mit der Geoinformationstechnologie und der bautechnischen Assistenz zwei neue Lehrberufe etabliert, die sehr spannend sind. 2020 planen wir, Applikationsentwicklung/Coding und Medienfachfrau/Medienfachmann einzuführen. Da lernt man von grafischen Gestaltungen bis zur Zusammenarbeit mit Agenturen und Medien ein ganz fundamentales Berufsbild. Ebenfalls erstmalig wollen wir in der MA 48 Karosseriebautechnikerinnen und Karosseriebautechniker ausbilden.

Wie kann man sich die Überlegungen hinter den neuen Berufen vorstellen?

Das sind teilweise ganz neue Lehrberufe, die zum Beispiel durch Ministerium oder Wirtschaftskammer aufgenommen worden sind. Wenn solch neue Berufe entstehen, dann schauen wir natürlich, ob es sinnvoll ist, in den Bereichen auszubilden. Da sprechen wir natürlich auch mit den Dienststellen und fragen nach, ob es einen Bedarf gibt oder nicht. So versuchen wir stets am Puls der Zeit und des Arbeitsmarkts zu bleiben. Wir freuen uns auf jeden Fall schon jetzt über die jungen Damen und Herren, die mit uns diese Karrierewege beschreiten.

Ihre Aufgabe ist auch, geeignete Menschen zu finden. Was zeichnet diese denn aus?

Grundsätzlich ist es so, dass die geeignete Bewerberin und der geeignete Bewerber für eine Lehrstelle jemand ist, die oder der sich für den Beruf interessiert und sich damit identifiziert. Wir werden eher nicht glücklich werden, wenn jemand sich für einen Lehrberuf entscheidet, weil die Eltern das wollen oder weil Freundinnen oder Freunde das machen. Das führt selten zum Erfolg. Wir empfehlen immer: Dank Internet stehen euch in Sekundenschnelle alle Recherchetools der Welt zur Verfügung. Nehmt euch die Zeit, euch zu informieren und zu überlegen, was eure Stärken und Schwächen sind. Introvertierte Menschen, die Interaktion mit anderen Menschen nicht lieben, werden etwa in der Verwaltungsassistenz nicht unbedingt glücklich werden. Dort gibt es eben intensiven Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern. Wer glaubt, Bürojob heißt Hand auf der Maus und aus, der ist schlecht informiert. Anderes Beispiel: Wer bei den 48ern Kfz-Technik lernt, arbeitet sowohl am Pkw als auch am Lkw. Das gibt’s in der Privatwirtschaft ganz selten und daher sollte man das wissen. Sich über den Beruf und das Unternehmen zu informieren, ist das A und O.

Kann man sagen, die jungen Menschen, die heute ihre Lehre starten, sorgen morgen dafür, dass Wien die lebenswerteste Stadt der Welt bleibt?

Absolut! Das ist die Grundessenz unserer Ausbildung. Wir kümmern uns um unseren Nachwuchs. Und man sieht: Bis zu 70 Prozent aller Lehrlinge bleiben bei der Stadt Wien. Es gibt unendlich viele Beispiele für Karriere- und Aufstiegschancen, die durch das 2018 eingeführte neue Dienst- und Besoldungsrecht nochmals verbessert werden.

Aktuell ist die Stadt Wien noch auf der Suche nach Bewerberinnen und Bewerbern in den Bereichen Kfz-Technik, Karosseriebautechnik und Forstfacharbeit.