Dishtracker kommt unter anderem in Kantinen zum Einsatz. © Dishtracker GmbH

 

Dishtracker: Innovation aus Wien

Die Software Dishtracker ist ein Musterbeispiel für Wiener Kreativität und wurde von der Wirtschaftsagentur Wien im Rahmen von "Innovate4Vienna" unterstützt.

Die Geschichte von Dishtracker beginnt in Island. Die beiden Gründer Alexander Hirner und Florian Bauer besuchten dort eine Auto-Rallye im ewigen Eis und wurden von einem Herren darauf angesprochen, dass sie irgendwie fehl am Platz wirkten. Die beiden erklärten dann, dass sie die Teilnahme im Rahmen eines Hackathons gewonnen hätten. Das ist eine Soft- und Hardwareveranstaltung, bei der sich kluge Köpfe im Lösen von Problemen messen.

"Daraufhin fragte der Mann, ob wir nicht eine Lösung für sein Problem finden könnten. Er ist Oktoberfestwirt und befand sich in dem Dilemma, dass viele der Hendln, die serviert werden, nicht in der Kasse registriert sind. Wir haben gesagt, wir schaffen das, und uns der Herausforderung gestellt", sagt Alexander Hirner. Vier Monate später stand die Grundtechnologie von Dishtracker.

Vom Oktoberfest in die Welt

Das System besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: einer Kamera und einem Rechner, auf dem die Dishtracker-Software läuft. Die Kamera liefert einen Stream, den die Software analysiert. Das Programm erkennt, was sich auf dem Bild befindet, und sammelt das in einem Warenkorb. Zum Beispiel: Die Kamera sieht beim Oktoberfest ein Hendl und zwei Bier und speichert das im Warenkorb ab, den der Kunde dann bezahlt. So geht nichts mehr verloren. "Das hat beim Oktoberfest so gut geklappt, dass in Folge etliche Unternehmen zu uns kamen und gefragt haben, ob wir das für sie auch hinbringen. Da war alles dabei, von der Essensverarbeitung bis hin zu Geschirrspülprozessen." Wie effektiv das Essenzählen ist, konnte anhand diverser Vorreiterkunden schnell bewiesen werden.

Und Vorteile gibt es reichlich. Das System spart Zeit und ermöglicht, mehrere Check-outs aufzustellen, da eine zusätzliche Kamera weniger Aufwand darstellt als eine zusätzliche manuelle Kasse. Die Kosten reduzieren sich natürlich im Gleichschritt. Außerdem sind Anbieter, etwa Kantinen, flexibler, wenn einmal eine Station auf Stand-by ist, und man kann einfacher längere Öffnungszeiten einführen. "Auch die Gäste profitieren", sagt Hirner. "Wenn eine Kraft nicht mehr dauernd an der Kasse sitzen muss, kann sie sich verstärkt um das Wohl der Gäste kümmern und zum Beispiel neues Wasser bringen."

Macht Social Distancing einfacher

Dishtracker wurde zur idealen Zeit entwickelt. Im Zuge der Corona-Pandemie ist die Innovation noch gefragter. Die Software reduziert Kontaktpunkte und der Bargeldaustausch sowie die Nähe zwischen Gast und Arbeitskraft fallen weg. So vermindert sich klarerweise das Ansteckungsrisiko in Dishtracker-Betrieben erheblich. Eine sehr zeitgemäße Technologie also, die auch dank der Unterstützung der Wirtschaftsagentur Wien möglich war. "Die Förderung seitens der Stadt Wien hat uns ermöglicht, in die Zukunft zu investieren", sagt Hirner.

Für den Erfolg war jedenfalls harte Arbeit vonnöten. "Ich komme aus dem Embedded Systems Programming und selbststeuernde Algorithmen waren mir nicht unbekannt. Dahinter steckt aber ein kleiner Tesla, das heißt, solche KI-Systeme muss man sehr schnell an die jeweilige Kantine anpassen. Teller sind unterschiedlich, Produkte sehen anders aus. Es gibt immer neue Items und sehr viel Abwechslung. Jeden Tag andere Speisen, quer durch Mitteleuropa, vielfältige Sortimente und hohe Genauigkeit: Das sind sehr große Herausforderungen für die künstliche Intelligenz", sagt Hirner. Das Team hatte viele Fragen zu klären. Was ist, wenn eine Banane zu dreiviertel unterhalb des Tellerrands liegt? Muss man Mechanismen erfinden, die einem so etwas mitteilen und Kunden auffordern, das richtig hinzulegen? Was passiert, wenn Gäste Speisen mischen, die sie eigentlich nicht mischen sollten? Die künstliche Intelligenz muss auf viele Situationen eingestellt sein, da braucht es eine starke Software und viel interdisziplinäres Wissen.

Neue Features gibt es dementsprechend laufend. So wird der Wissensstand so gut wie möglich mit Warenwirtschaftssystemen synchronisiert. Das heißt, wenn man Essen eine visuelle Identität geben kann und es damit schafft, die Menüplanung schon im Vorhinein an die künstliche Intelligenz weiterzugeben, ist diese schneller und kann sich auch schon vorab Informationen suchen und bereitstellen. Das erleichtert auch die Rückgabe von benutzten Tablets. "So schließt sich dann eben auch der Kreis zu Einkauf und Menümanagement und die Fernsteuerung der KI-Kassenkräfte wird nochmals verbessert. Für die Branche ist das Neuland und das finden wir sehr spannend", sagt Hirner.