12.MAI 2020 
Freizeit
Bevor wir in den Park düsen üben wir das Stehen. Wer die Balance findet, kann auch gut skaten. Wichtig: Wenn es ans Fahren geht Schutzausrüstung nicht vergessen. © Bohmann/Weidinger

Wir rollen in den Park!

Die Wiener Parks sind ihr natürlicher Lebensraum und im Mai erwachen sie meist aus dem Winterschlaf. Wir denken natürlich an die InlineskaterInnen. Sie würden auch gerne mitrollen? CLUB WIEN hat sich bei einer Expertin ein paar Tipps für den Start geholt.

Geht es Ihnen auch manchmal so? Sie spazieren durch Ihren Lieblingspark oder genießen ein Eis auf einer Bank und sehen den Inlineskaterinnen und Inlineskatern neidvoll zu. Mit der Schutzausrüstung, den coolen Skates und der ansehnlichen Geschwindigkeit machen die Hobbysportlerinnen und -sportler eine gute Figur. Doch warum auch immer: Sie haben nie gelernt zu skaten. Kein Problem, sagt Marta Nunes vom Österreichischen Inline- und Speedskating Club, kurz ÖISC.

Und Nunes weiß es ganz genau. Die Athletin ist nicht nur Elite-Koordinatorin und Haupttrainerin des ÖISC. Nunes ist mehrfache portugiesische Meisterin und war bei Europa- und Weltmeisterschaften als Athletin mit dabei. Ihr beeindruckendes Fachwissen gibt sie heute beim ÖISC weiter. Der Verein hat nicht nur eine Spitzensportgruppe. Nunes und ihre Kolleginnen und Kollegen helfen Kindern bei den ersten Skateschritten und es gibt auch Gruppen für Erwachsene aller Leistungsstufen, von Anfängerin und Anfänger bis zum Profi. „Bei uns sind alle herzlich willkommen“, sagt Nunes. „Man braucht nichts außer eine Leidenschaft für das Inlineskaten.“

Diese Leidenschaft ist ansteckend. Denn wen die Faszination Inlineskating einmal gepackt hat, die oder den lässt sie nicht mehr los. „Die Geschwindigkeit, die Power, die man auf die Skates bringen kann, auf Rollen so knapp über dem Boden zu gleiten, bis zu dem Punkt, an dem die Skates beinahe mit dem Körper verschmelzen, bringt mir das Gefühl von Freiheit, Verbundenheit und Kontrolle. Es ist schwer, die richtigen Worte dafür zu finden, doch um es einfach auszudrücken, es macht mich glücklich.“ Klingt doch gar nicht so übel, oder?

Mit Babyschritten zum Erfolg

Der erste Schritt für Neulinge ist, sich an die Skates zu gewöhnen. Bevor man skaten kann, muss man lernen, auf den Skates zu stehen. „Wenn das klappt, kann man anfangen, kleine Schritte zu machen. Ich sage immer, das ist genau wie bei einem Baby, schließlich ist es für Anfängerinnen und Anfänger ein völlig neuer Bewegungsablauf“, sagt Nunes. Wichtig ist, die Füße vom Boden zu heben, man sollte üben, nur auf einem Bein zu stehen. Der Oberkörper sollte stets leicht nach vorne geneigt sein, um Stürze nach hinten zu vermeiden. Nicht immer lustig, aber ganz wichtig ist das richtige Stürzen. „Dabei sollte man immer nach vorne oder auf die Seite stürzen und wenn man Schützer trägt, auf diese fallen. Ich empfehle das auf einer Wiese zu üben.“

Der wichtigste Ratschlag ist aber: Nie ohne Helm fahren. „Hand-, Ellenbogen- und Knieschützer sind ebenfalls empfehlenswert. Leider sehe ich viel zu viele Skaterinnen und Skater, die ohne Helm unterwegs sind“, sagt Nunes. Sie können übrigens auch einen Rad- oder Skateboardhelm verwenden. Hauptsache, er sitzt gut und verrutscht nicht. Auch die Hand-, Ellenbogen- und Knieschützer sollten gut sitzen. „Achten Sie aber auch darauf, dass sie nicht zu eng sind.“

Beim Skatekauf zählt der Tragekomfort

Beim Kauf der Skates stehen für Anfängerinnen und Anfänger übrigens nicht Aerodynamik und schnittiges Aussehen im Vordergrund. „Bei den ersten Skates sollte man hauptsächlich auf den Komfort achten“, sagt Nunes. „Die ‚normalen‘ Fitness-Skates sind hohe Schuhe, die das Sprunggelenk stabilisieren. Das ist für Anfänger sehr wichtig, weil die Muskulatur für niedrigere Skates erst aufgebaut werden muss.“ Wer diesen Tipp missachtet, wird keine Freude am Inlineskaten haben, dafür aber im schlimmsten Fall ordentliche Schmerzen. Je besser man wird, desto sportlicher können auch die Skates werden.

Nunes hat auch reichlich Erfahrung mit Rollschuhen. Falls Sie schon auf Rollschuhen gestanden sind, ist das definitiv kein Nachteil. „Mit Inlineskates ist es leichter, Fahren zu lernen, man ist beweglicher und kann einfacher die Richtung wechseln. Mit Rollschuhen muss man mehr darauf achten, dass der Schwerpunkt nicht zu weit nach hinten wandert, denn durch die kürzere Schiene hat man weniger Stabilität nach vorne und nach hinten“, sagt Nunes.

Aller Anfang ist schwer

Einem guten Start steht so nichts im Weg. Die richtigen Skates geben schon einmal ordentlich Stabilität und man schafft es relativ schnell, auf den Skates zu stehen. Allerdings braucht man auch Geduld, denn gerade bei den Inlineskates ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und so grazil geübte Skaterinnen und Skater auch dahingleiten, die ersten Wochen haben weniger mit Schwanensee als vielmehr mit dem sterbenden Schwan gemein. Auch wir sind schon durch den Park getorkelt wie ein betrunkener Esel, mehr Sklave denn Herr unserer Inlineskates. Aber das nehmen Sie am besten mit Humor. Während man bei Sportarten wie Fußball einfach loslegen kann, braucht es hier ein bisschen Durchhaltevermögen. Aber eines ist fix: Die Geduld zahlt sich aus.

Denn Inlineskaten ist nicht nur spaßig, es ist auch sehr gesund. „Unsere Sportart ist sehr gelenkschonend, man schult Gleichgewicht und Koordination, trainiert Ausdauer, Schnelligkeit und kräftigt den ganzen Körper“, sagt Nunes. Die schonende Art der Bewegung macht den Sport für alle Altersgruppen geeignet. Nicht zuletzt sind Skates auch praktisch. „Sie benötigen kaum Stauraum und man ist mit ihnen sehr viel flexibler als zum Beispiel mit dem Fahrrad.“

Inlineskaten ist auch eine Einstiegsdroge in die vielfältige Sportwelt, die durch die Rollen eröffnet wird. „Mit Inlineskates ist man sehr flexibel, es gibt mehrere offizielle Sportarten wie zum Beispiel: Inline Speedskating, Inline Hockey, Inline Freestyle, Inline Downhill, Inline Alpine, Inline Rollkunstlauf und vieles mehr.“

Interessiert? Wenn Sie mehr Informationen zum Inlineskating oder dem Angebot des ÖISC brauchen, finden Sie diese auf der Homepage des ÖISC oder Sie schicken einfach eine E-Mail an info(at)oeisc.at.