Finanzstadtrat Peter Hanke. © Bohmann/Michael Rausch-Schott

 

In die Zukunft investieren

Wir haben mit dem Wiener Finanzstadtrat Peter Hanke über sein erstes Budget für die Stadt, notwendige Ausgaben und die Wettbewerbsfähigkeit der Bundeshauptstadt gesprochen.

CLUB WIEN: Sie wechselten vom Chefsessel in der Wien Holding auf den Posten des Finanzstadtrats: Was war die größte Umstellung?

Peter Hanke: Ich habe jetzt Verantwortung für 1,9 Millionen Menschen. Die versuche ich mit Augenmaß und entsprechender Schwerpunktsetzung wahrzunehmen.

Sie legen Ihr erstes Budget vor. Was ist das Besondere daran?

Wir werden nicht bei den Menschen sparen. Über gezielte Reformen wollen wir den Weg in die nächsten zehn, 15 Jahre dieser Stadt ebnen.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Im Magistrat sind wir etwa dabei, Strukturen aufzufrischen: mit neuen Technologien, die uns zur Verfügung stehen - wie der Digitalisierung.

Wo liegen die Schwerpunkte des Budgets?

Dort, wo wir in den vergangenen Jahren in Österreich immer ganz vorne dabei waren. Wir werden rund 2,6 Milliarden Euro für diese Stadt investieren und darüber hinaus in die Schwerpunktthemen, die uns besonders am Herzen liegen: Das sind der Sozial-, der Gesundheits- sowie der Bildungsbereich. Dorthin gehen mehr als 60 Prozent unserer Ausgaben. Wir wollen Wien weiterhin generationenübergreifend entwicklen. Das heißt: Bei den Jungen in der Bildung, aber auch bei jenen, die nicht mehr erwerbstätig sind, muss man die nötigen Schritte setzen.

Führen diese enormen Ausgaben auch zu neuen Schulden für Wien?

Wir weisen das offen aus: Derzeit betragen die Pro-Kopf-Schulden rund 3.800 Euro. Damit liegen wir in Österreich im Mittelfeld. Ich denke, dass ist eine Ausgangssituation mit der man leben kann. Wir haben auch klargestellt, dass wir uns auf dem Weg zum Nulldefizit befinden. Das peilen wir für das Jahr 2020 an. Ab diesem Zeitpunkt werden auch Schulden getilgt. Ich meine, wir sind da sehr gut unterwegs.

Wo ist es für Sie sinnvoll, weiterhin Schulden zu machen?

Überall dort, wo es um die Zukunft unserer Stadt geht. Deshalb finde ich, dass der Fokus auf Schulden zu kurz greift. Das sind Investitionen in unsere Zukunft, in jene unserer Kinder und Enkel. Dort kommt das Geld doppelt zurück: einerseits aufgrund der Arbeitsleistung, die mit einer Investition verbunden ist; dann auch aufgrund der Ertragskraft, die man aus dieser Investition schöpfen kann. So gesehen ist das eine doppelte Dividende.

Wofür muss auf jeden Fall Geld da sein?

Für Bildung müssen auf jeden Fall ausreichend Mittel vorhanden sein. Wir leben davon, dass unsere Kinder gut ausgebildet in den Arbeitsprozess kommen. Ich glaube, Wien hat da eine tolle Tradition: Wir sind im deutschsprachigen Raum der Universitätsstandort schlechthin - mit über 200.000 Studierenden. Das ist genau jene Vorreiterrolle, die wir auch in Zukunft einnehmen müssen.

Wo sehen Sie Wien in zehn Jahren?

Ich denke, wir müssen vor allem im Bereich der neuen Technologien unsere Hausaufgaben machen. Nicht umsonst hat etwa Bürgermeister Michael Ludwig ausgerufen, dass wir uns als Digitalisierungshauptstadt Europas positionieren sollen. Es geht auch um andere Schlüsseltechnologien wie der Biotechnologie. Wir müssen uns mit den Besten messen. Das bedeutet, dass wir über den deutschsprachigen Raum hinaus die Konkurrenz nicht scheuen dürfen.