Das Projekt "REMAKE Wohnstraße" soll mit auffälligen Bodenmarkierungen auf öffentlichen Spielraum hinweisen. Es belegte den ersten Platz des Ideenwettbewerbs "Kinder, Kinder!". © Sylvia Kostenzer, REMAKE Wohnstraße

Designideen für eine kindgerechte Stadt

Eine Neuinterpretation der Wohnstraße, ein Fahrradspielplatz, eine App, mit der sich die Stadt erkunden lässt: Die Ideen zum Stadtleben aus Kindersicht, die den Wettbewerb "Kinder, Kinder!" für sich entscheiden konnten, sind so vielfältig wie Wien selbst.

Die Aufgabe, die die Wirtschaftsagentur Wien mit dem Ideenwettbewerb "Kinder, Kinder!" stellte, war klar und eindeutig: Was brauchen Kinder, die in einer Stadt leben? Was verbessert ihre Lebensqualität? Wie kann Wien noch kindgerechter gestaltet werden? Kurz: Es geht um neue Designideen zum Stadtleben aus Kindersicht. Aufgerufen war die gesamte Kreativbranche, ob Architektinnen und Architekten, Grafikdesignerinnen und -designer oder Multimediastudios. Ausgeschüttet wurden in Summe 16.000 Euro, wobei eine Fachjury die besten Ideen auszeichnete. Außerdem wurde ein Publikumspreis ausgelobt, der per Online-Voting entschieden wurde.

92 Designideen wurden bei "Kinder, Kinder!", dem Ideenwettbewerb der Wirtschaftsagentur Wien, eingereicht. © Wirtschaftsagentur Wien

Eingereicht wurden schließlich 92 Designideen, die sich alle mit den Erfahrungswelten von Kindern beschäftigten. Die Gewinnerinnen und Gewinner dürfen sich nicht nur über einen Geldbetrag freuen. Sie können auch mit tatkräftiger Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Projekte seitens der Wirtschaftsagentur rechnen – etwa durch Vernetzung mit geeigneten Unternehmen und Partnerinnen und Partnern.

Wohnstraße als Raum für Kinder

Den mit 7.000 Euro dotierten ersten Platz gewann letztlich Grafikdesignerin Sylvia Kostenzer mit ihrem Projekt "REMAKE Wohnstraße". Wohnstraßen wurden in Wien zwar bereits 1983 eingeführt, wie sie zu nutzen sind, wissen allerdings die wenigsten. Autos dürfen hier grundsätzlich nicht fahren. Lässt sich die Zu- und Abfahrt für Anrainerinnen und Anrainer, Müllabfuhr, öffentlichen Sicherheitsdienst oder Feuerwehr nicht vermeiden, dann ist lediglich Schritttempo erlaubt.

Im Gegenzug dürfen Kinder die Fahrbahn als Spielfläche nutzen. Sylvia Kostenzer fiel jedoch auf, dass es keine gestalterischen Anhaltspunkte gibt, dass eine Wohnstraße in erster Linie ein Raum für Kinder ist. "In meiner unmittelbaren Wohnumgebung wurde eine Straße, die zwei Schulstandorte sicherer miteinander verbinden soll, zur Wohnstraße", erzählt sie. "Da konnte man sehr gut beobachten, dass die Straße weder von den Kindern genutzt wird noch dass sich viele Autofahrerinnen und -fahrer an das Tempolimit oder das Durchfahrtsverbot halten." Dem sollen nun auffällige, spielerische Bodenmarkierungen Abhilfe schaffen.

Damit soll zweierlei erreicht werden: Autofahrerinnen und -fahrern signalisieren die Muster, dass hier ein öffentlicher Spielraum ist, in dem man sich entsprechend vorsichtig und rücksichtsvoll zu bewegen hat. Kinder wiederum sollen dadurch eingeladen werden, die Straße auch wirklich zu nutzen, und das dank der Muster auf spielerische Art und Weise.

Auf dem Radspielplatz soll es verschiedene Hindernisse zum Geschicklichkeitstraining sowie Leihräder und Leihhelme geben. © Alec Hager, Radspielplatz Wien

Radspielplatz nach dänischem Vorbild

Neben dem mit 5.000 Euro dotierten zweiten Platz gewann Alec Hager mit seinem Projekt "Radspielplatz Wien" den Publikumspreis, der mit 1.500 Euro ausgeschrieben war. Dabei handelt es sich um einen von geschulten Trainerinnen und Trainern betreuten Radspielplatz nach dänischem Vorbild, der an Wiener Besonderheiten angepasst wurde. So soll Kindern in Ballungszentren der sichere Zugang zum Radfahren ermöglicht werden, nehmen Fahrradbeherrschung und körperliche Bewegung bei Kindern doch ständig ab. Kindern, die kein Fahrrad besitzen, stehen Leihräder und Leihhelme zur Verfügung.

Kopfsteinsimulator und Straßenbahnschienentrainer

"Er ist von der Grundfunktion her wie ein herkömmlicher Spielplatz, nämlich rund um die Uhr für Kinder und deren Begleitung nutzbar", erklärt Alec Hager. "Dadurch unterscheidet er sich von den Wiener Radübungsplätzen der Polizei, wo es nur Zutritt für Schulklassen nach Voranmeldung gibt." Der Radspielplatz zeichnet sich durch verschiedene niederschwellige Hindernisse zum Geschicklichkeitstraining aus, unter anderem einen Kopfsteinsimulator und einen Straßenbahnschienentrainer.

Für Hager und sein Team zahlte sich die Teilnahme am Wettbewerb vollends aus: "Ich versuche seit Jahren, der Idee des Radspielplatzes zum Durchbruch zu verhelfen. Da kam diese Gelegenheit wie gerufen. Und dank des Publikums haben wir sie perfekt genutzt."

Die App "#stadtsache" soll Kinder an der Stadtentwicklung teilhaben lassen und ihnen als Werkzeug zum Stadtentdecken dienen. © Anke M. Leitzgen, #stadtsache

App als Werkzeug zum Stadtentdecken

Den dritten Platz belegte schließlich Journalistin Anke M. Leitzgen mit ihrer App "#stadtsache". Sie ist Herzstück einer Initiative, die Kinder auf Augenhöhe an der Stadtentwicklung teilhaben lassen soll. Anders gesagt: Mit der App sollen sie sich am Gestalten der Stadt beteiligen. Außerdem ist sie ein tolles Werkzeug zum Stadtentdecken. "Oder um es mit den Kindern zu sagen, die bereits damit gearbeitet haben: 'Das ist kein Spiel, sondern was Echtes'", so Leitzgen.

Bei einem Stadtrundgang kann man sich von 60 Fragen in der App leiten lassen und diese mit Fotos, Videos, Texten, Zeichnungen, Sprach- und Tonaufnahmen beantworten. Verortet werden diese dann mit GPS-Koordinaten auf einer Karte. Weil die Handhabung der App so bildlastig und niederschwellig ist, kann sie auch von Kindergartenkindern benutzt werden. "Die Stadt ist einer der wenigen Räume, bei denen alle Kinder mitreden können, weil sie zwangsläufig jeden Tag Erfahrungen damit sammeln", erläutert Anke M. Leitzgen die Hintergründe. "Niemand nutzt zum Beispiel den öffentlichen Nahverkehr so viel wie Kinder und Jugendliche. Aus diesen Gründen war uns wichtig, Kinder und ihren Blick auf die Stadt sichtbarer zu machen." Zielgruppe sind dabei nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene, Behörden und Schulen.

Straßen als Aufenthaltsräume

Anke M. Leitzgen hat eine klare Vorstellung davon, wie eine kindgerechte Stadt auszusehen hat: "Sie hat keine Angsträume und dafür viele Grünflächen, breite Radwege und Bürgersteige. Sie bietet Rückzugsorte an und Plätze zur Erholung. Und man kommt unkompliziert von A nach B." Alec Hager vom "Radspielplatz Wien" hat ähnliche Wünsche: "Dass das städtische Umfeld so gestaltet ist, dass Eltern keine Angst mehr davor haben, ihre Kinder mit dem Rad zur Schule fahren zu lassen oder zu Fuß gehen zu lassen. Das bedeutet: deutlich weniger Autoverkehr, deutlich mehr Freiräume und verkehrsberuhigte Grätzel. Und ein autofreies Schulumfeld."

Die Erstplatzierte Sylvia Kostenzer geht noch einen Schritt weiter: "Ich glaube, die Stadt muss menschengerecht werden, nicht nur kindgerecht. Wien ist eine tolle Stadt. Wenn wir es schaffen, dass der motorisierte Verkehr in naher Zukunft nicht mehr die Hauptrolle in den Straßen spielt, sondern Anrainerinnen und Anrainer, Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrerinnen und Radfahrer, wenn viele Straßen dadurch wieder zu echten Aufenthaltsräumen werden, dann steigt die Lebensqualität für uns alle."

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