Heilkräuter sind ein Naturschatz, der vielen in der heutigen modernen Zeit gar nicht mehr so geläufig ist. Wir verraten Ihnen die Wirkung von fünf Kräutern, die gewöhnlich eher im Kochtopf landen, als in der Hausapotheke. © Getty Images

 

Heilende Kräuter: Wie so manches Kraut zu Gesundheit und Wohlbefinden beitragen kann

Rosmarin, Thymian und Co kennen und lieben wir vor allem in unseren Kochtöpfen. Doch abseits der herkömmlichen Verwendung haben Kräuter auch häufig eine heilende Wirkung. Welche das sind, finden wir für Sie heraus!

Seit Anbeginn der Menschheit werden Kräuter und Pflanzen genutzt, um bei Krankheit und Co zu helfen. So setzten schon Jägerinnen und Jäger sowie Sammlerinnen und Sammler in der Jungsteinzeit Pflanzen zur Heilung ein. Das Wissen um ihre Wirkung war für sie überlebensnotwendig: Welches Kraut war giftig, welches hatte eine heilende Wirkung? Das Wissen wurde an die nächste Generation weitergegeben. Eines der ältesten medizinischen Schriftstücke ist das Papyrus Ebers. Es wurde im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts vor Christus verfasst. In Europa wurde die Wirkung der Heilpflanzen erst im Mittelalter systematisch niedergeschrieben. Mönche und Nonnen katalogisierten in den Klöstern die verschiedenen Pflanzen und bauten sie in den Klostergärten an. Mit wachsendem Wissen und dem Aufstieg der modernen Medizin wurde jedoch nach und nach die Heilpflanzenkunde verdrängt und als Teufelswerk tituliert. Vor allem während des 16. Jahrhunderts fielen Hunderte unschuldige Frauen und Männer (vorwiegend Frauen), die um die Wirkung der Heilpflanzen Bescheid wussten, der Hexenverbrennung zum Opfer.

Mit zunehmendem Wissen konnten immer mehr und mehr Medikamente chemisch hergestellt werden und das Wissen um die Wirkung der Heilpflanzen ging verloren. Erst Ende des 19. Jahrhunderts kehrte auch in der Forschung ein Umdenken ein und statt chemisch produzierter Substanzen setze man in vielen Medikamenten wieder natürliche Inhaltsstoffe ein.

Heutzutage wird das Interesse daran, was in unseren Medikamenten, Produkten und Lebensmitteln enthalten ist, immer größer. Woher stammt es und wie wird es erzeugt? Dabei spielen Faktoren wie Nachhaltigkeit, Regionalität, Saisonalität und ein biologischer Anbau eine immer wichtigere Rolle. Deshalb wird mittlerweile wieder vieles zu Hause selbst angebaut oder werden Kosmetika und Co selbst hergestellt. So zieht auch das uralte Wissen rund um die Wirkweise der Heilpflanzen langsam wieder in unser Heim ein. Denn oft befindet sich das Heilmittel direkt vor unserer Tür in unserem Garten. Wussten Sie zum Beispiel, dass Pfefferminze eine erfrischende Wirkung hat und deshalb an heißen Tagen angenehm ist? Darüber hinaus helfen ein paar Tropfen Pfefferminzöl oder -tee an der Schläfe gegen Kopfschmerzen. Welche tollen Wirkungen Kräuter noch haben können und wofür man diese einsetzen kann, zeigen wir Ihnen in unserem Beitrag über heilende und wohltuende Kräuter.

 

Baldrian

Wer kennt das nicht? Abends im Bett: Der Kopf ist noch voller Gedanken, man wälzt sich von einer Seite zur anderen und die Uhr tickt immer schneller und schneller - an einen erholsamen Schlaf ist nicht zu denken. Doch anstatt starke Schlaftabletten zu nehmen, kann Baldrian wahre Wunder bewirken.

Baldrian zählt zu den bekanntesten Heilpflanzen. Es wirkt vor allem bei nervösen Zuständen wie Stress oder auch Prüfungsangst sowie leicht krampflösend und wird deshalb gerne vor dem Schlafengehen als Tee oder in Form von Kapseln eingenommen.

Im Gegensatz zu chemisch hergestellten Schlaftabletten wirkt Baldrian zwar nicht so stark, macht dafür aber nicht abhängig und kann bedenkenlos öfter eingenommen werden. Doch Vorsicht: Wenn Sie häufig Schlafstörungen haben, gehen Sie am besten zu einer Ärztin oder einem Arzt. In der Regel sollte man nicht länger als zwei Wochen einen unruhigen Schlaf haben.

Zubereitung: Gießen Sie einen Teelöffel Baldrianwurzel (3 bis 5 Gramm) mit heißem Wasser auf und seihen Sie den Tee nach zehn bis 15 Minuten mit einem Teesieb ab. Soweit nicht anders verordnet, trinken Sie zwei bis drei Mal täglich und vor dem Schlafengehen eine Tasse frisch zubereiteten Teeaufguss.

Rosmarin

Mmh … Rosmarin ist vor allem in der mediterranen Küche sehr beliebt. Er gehört zu den Kräutern der Provence und verfeinert mit seinem leicht harzigen, herben ätherischen Aroma viele Gerichte. Neben seinem köstlichen Geschmack hat Rosmarin ein paar tolle heilende Wirkungen: Er lockert verspannte Muskeln, hilft bei Rheuma, Muskel- und Gelenkschmerzen und kurbelt den Kreislauf an. Innerlich angewendet fördert er zudem die Verdauung. Darüber hinaus ist Rosmarin auch bei diversen Frauenleiden wie nervösen Wechseljahrbeschwerden und Menstruationsbeschwerden zu empfehlen.

Zubereitung: Verwendet werden die getrockneten Blätter (Rosmarini folium) und das daraus gewonnene ätherische Öl. Das Öl ist in vielen Bio-Supermärkten oder Drogerien erhältlich. Für einen Rosmarintee übergießen Sie einen Teelöffel getrocknete Blätter mit einer Tasse kochendem Wasser, lassen den Aufguss zehn Minuten zugedeckt ziehen und seihen die Pflanzenteile dann ab. Sie können sich mehrmals am Tag eine solche Tasse Rosmarintee zubereiten. Halten Sie dabei eine Tagesdosis von vier bis sechs Gramm Blätter ein.

Tipp: Bei rheumatischen Muskel- oder Weichteilschmerzen sowie Kreislaufbeschwerden gönnen Sie sich zwei Mal wöchentlich ein Rosmarinbad. Dazu können Sie 50 Gramm Blätter mit einem Liter Wasser übergießen, kurz aufkochen, 15 bis 20 Minuten ziehen lassen, dann abseihen und ins Badewasser geben.

Achtung: In der Schwangerschaft darf Rosmarin nicht angewendet werden. Auch bei Lebererkrankungen sowie Gallenwegsbeschwerden sollten Sie auf Rosmarin verzichten oder die Anwendung vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abklären.

Die Vielzahl der verschiedenen Salbeiarten ist beinahe unbegrenzt. Von Muskatellersalbei über Echten Salbei bis zu Feuer- und Johannisbeersalbei. Im Frühjahr besticht er durch seine schöne Blütenpracht. © Getty Images © Getty Images
Zum Kochen und als Heilpflanze werden vor allem die Blätter des Salbeis verwendet. © Getty Images © Getty Images

Salbei

Bereits die Römerinnen und Römer liebten den aromatischen Salbei. Dort war das Kraut schon in der Antike bekannt und wurde vor allem als Heilkraut genutzt. Der lateinische Name „Salvia“, der von „salvare“, also „heilen“, abgeleitet wird, deutet darauf hin. Bis weit ins Mittelalter hinein wurden damit vor allem Magen- und Darmbeschwerden sowie Entzündungen und Erkrankungen der Atemwege behandelt. Mit katholischen Mönchen, die den Norden missionieren sollten, kam Salbei dann schließlich im Mittelalter auch über die Alpen. Hier wurde er zunächst in den Klostergärten kultiviert, bis er später auch für weltliche Küchengärten entdeckt wurde.

Salbei kann bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie verschiedenen Verdauungsbeschwerden verwendet werden. Außerdem hilft Salbei gegen Schwitzen.

Zubereitung bei Magen-Darm-Beschwerden: Bereiten Sie den Salbeitee wie folgt zu: Übergießen Sie zwei Gramm fein geschnittene Salbeiblätter mit 150 Milliliter kochendem Wasser, lassen den Aufguss zugedeckt fünf Minuten ziehen und seihen ihn dann ab. Sie können drei Mal täglich eine solche Tasse Salbeitee trinken (Tagesdosis vier bis sechs Gramm Salbeiblätter), und zwar am besten jeweils eine Tasse vor den Mahlzeiten (circa 30 Minuten vorher).

Zubereitung für einen Salbeitee gegen übermäßiges Schwitzen: Nehmen Sie drei Gramm Blätter auf 150 Milliliter kochendes Wasser und lassen Sie den Aufguss zehn Minuten zugedeckt ziehen, bevor Sie ihn abseihen. Bei Nachtschweiß sollten Sie diesen Tee kalt trinken. Als Tagesdosis werden wiederum vier bis sechs Gramm Salbeiblätter empfohlen.

Tipp: Sie können auch ein Fußbad mit Salbeiöl machen. Mischen Sie dazu einen Esslöffel Honig mit ein bis drei Tropfen Salbeiöl. Die Mischung geben Sie dann in das eingelassene Wasser. Das Baden der Füße darin wirkt schweißhemmend und belebend.

Vorsicht: Salbei sowie Salbeitee und Co sollten nicht zu hoch dosiert oder zu lang angewendet werden. Der im Salbei enthaltene Inhaltsstoff Thujon kann zu Vergiftungserscheinungen führen sowie zu Herzrasen, Hitzegefühl und Krämpfen. Deshalb sollte man Salbei nicht länger als vier Wochen innerlich anwenden. Achten Sie bei der Einnahme immer auf die vorgeschriebene Dosis oder fragen Sie in Ihrer Apotheke nach.

Thymian

Nicht nur Salbei ist ein wahrer Klassiker und Urgestein der Heilpflanzen. Auch Thymian wird bereits seit über 4.000 Jahren als Gewürz- und Heilpflanze genutzt, vor allem bei Entzündungen der Atemwege wie Erkältungen oder Husten. Grund dafür ist, dass das Kraut krampflösend auf die Bronchien wirkt, auswurffördernd und entzündungshemmend. Zudem ist Thymiantee auch ein beliebtes Hausmittel bei Kehlkopfentzündung, Asthma, Verdauungsbeschwerden (wie leichte Bauchschmerzen, Völlegefühl oder Blähungen), chronischer Gastritis und Hautproblemen wie Juckreiz.

Zubereitung: Übergießen Sie einen Teelöffel Thymiankraut (ungefähr 1,4 Gramm) mit etwa 150 Milliliter siedendem Wasser, lassen Sie das Ganze abgedeckt fünf Minuten ziehen und seihen Sie die Pflanzenteile dann ab. Mehrmals täglich eine Tasse heiß trinken. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei vier bis sechs Gramm getrocknetem Thymian. Sie können auch andere Heilpflanzen beimischen, etwa Sonnentau.

Tipp: Für eine Gurgellösung bereiten Sie, wie oben beschrieben, den Aufguss zu - allerdings mit fünf Gramm Thymiankraut auf 100 Milliliter Wasser. Wirkt wahre Wunder bei Atemwegsentzündungen. Auch zur Inhalation geeignet.

Lavendel

Schon die Römer benutzten Lavendel, um daraus duftende Bade-Essenzen zu gewinnen. Der Begriff Lavendel wird vom lateinischen Wort für "waschen" abgeleitet, was auch auf diese frühe Verwendung als Bade- und Waschzusatz hinweist. Bis heute findet die aromatische Pflanze in Parfüms und Hautpflegeprodukten ihren Einsatz. Denn der als Zier- und Heilpflanze verwendete Halbstrauch ist für seinen feinen Duft und die beruhigende Wirkung weltweit bekannt. In der Medizin wurde Lavendel früher vor allem gegen Blähungen und Magenkrämpfe eingesetzt. Heute nutzt man ihn nicht nur gegen viele körperliche Beschwerden, sondern auch bei psychischen Leiden wie Depressionen, Schlafstörungen und Nervosität.

Zubereitung: Wenn Sie unter Unruhezuständen, Einschlafproblemen oder leichten depressiven Verstimmungen leiden, trinken Sie vor dem Schlafengehen einen Lavendel-Tee. Dieser wirkt beruhigend und stimmungsaufhellend. Dazu übergießen Sie ein bis zwei Teelöffel der getrockneten Blüten mit 150 Milliliter heißem (nicht kochendem!) Wasser, lassen den Aufguss fünf bis zehn Minuten zugedeckt ziehen und seihen die Pflanzenteile dann ab. Sie können mehrmals täglich eine Tasse warm trinken. Für Kinder zwischen vier und zehn Jahren bereiten Sie die Tasse Lavendeltee bitte nur mit einem Gramm zu.

Neben dem Lavendeltee kann auch ein Vollbad mit Lavendel angenehm entspannend und beruhigend wirken. Für einen Badezusatz übergießen Sie 100 Gramm Lavendelblüten mit zwei Litern heißem Wasser, lassen Sie den Sud fünf Minuten ziehen, seihen Sie diesen dann ab und geben Sie ihn ins 37 bis 38 Grad warme Badewasser.

Der Vorteilsclub der Stadt Wien wünsch Ihnen viel Spaß beim Erkunden und Ausprobieren verschiedener Heilpflanzen. Bleiben Sie gesund!