Auf mittlerweile elf Geschoßebenen und einer Fläche von circa 5.000 Quadratmetern gibt es über 10.000 Tiere. © Bohmann/Ulrich Sperl

Ein Haus voller Leben

Haie, Rochen, Schildkröten, Affen und Krokodile, und das mitten in Wien? Im Haus des Meeres gibt es sowohl zu Wasser als auch zu Land eine unglaubliche Tiervielfalt. Seit über 60 Jahren beeindruckt die zoologische Einrichtung BesucherInnen aus aller Welt.

Einst für Kriegszwecke erbaut, beheimatet der ehemalige Flakturm im 6. Bezirk heute über 10.000 Tiere. Das Haus des Meeres beweist eindrucksvoll, wie aus einem militärischen Kriegsgebäude ein Haus voller Leben werden kann. Der Hochbunker diente im Zweiten Weltkrieg zur Abwehr von Luftangriffen und als Luftschutzbunker für die Bevölkerung und erinnert heute noch an die dunkelste Zeit Österreichs. Bereits seit 1957 befindet sich das Haus des Meeres im ehemaligen Feuerleitturm und verwandelte das Kriegsmal in den letzten Jahrzehnten in ein Zuhause für Wasser- und Landtiere. Zum 60-Jahre-Jubiläum eröffnete die zoologische Einrichtung die neue Mittelmeerabteilung. Eine Abteilung, die nicht nur aufgrund ihrer tierischen Bewohner etwas ganz Besonderes ist. Denn es waren Mittelmeerbecken, mit denen die zoologische Einrichtung genau vor 60 Jahren ihre erste dauerhafte Seewasserschaustellung eröffnete. CLUB WIEN besuchte Michael Mitic, Direktor des Haus des Meeres, und sprach mit ihm über die Anfangszeiten und die neue Mittelmeerabteilung.

Umbauarbeiten für die erste Seewasserausstellung Österreichs im Jahr 1957. © Haus des Meeres Aqua Terra Zoo

Wie alles begann

"Begonnen hat alles im Jahr 1958 mit der ersten Schaustellung von Mittelmeerfischen und Kleintieren", erzählt Herr Mitic. Eine bis dato einzigartige Ausstellung von Fischen und Meereslebewesen aus dem Mittelmeer, die dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich war.

"In den späten Fünfzigerjahren stieg in der Bevölkerung das Interesse an der Unterwasserwelt zunehmend an. Man machte Urlaub in Italien und kam so erstmals direkt mit dem Meer in Kontakt", erzählt Herr Mitic. Forscher Rupert Riedl war einer der ersten österreichischen Wissenschafter, der Fische, Kleintiere und Pflanzen direkt aus der Adria und dem Tyrrhenischen Meer nach Wien brachte und sie in der Universität Wien zur Forschung einquartierte. "Dies war natürlich von Seiten der Hauptuniversität nicht sehr gerne gesehen. Wenn man sich das altehrwürdige Gebäude mit den antiken Möbeln vorstellt, da ist Salzwasser keine gute Kombination", so Herr Mitic. "Zudem wollte man die faszinierende Unterwasserwelt auch der Öffentlichkeit zugänglich machen." Deshalb suchte die Gesellschaft für Meeresbiologie einen geeigneten Ort, an dem einerseits die Tiere untergebracht und andererseits auch hergezeigt werden konnten.

Der größtenteils leer stehende Flakturm mitten in Wien entpuppte sich dank seiner dicken Betonkonstruktion als idealer Ort für die schweren Aquarien. 1957 übersiedelte die Gesellschaft für Meeresbiologie an ihren neuen Wohnsitz. Bereits ein Jahr später, 1958, eröffnete die erste österreichische Seewasserschaustellung und feierte einen großen Erfolg. Mit seinen bis dato einzigartigen Einblicken in die Unterwasserwelt lockte das Haus des Meeres viele Besucherinnen und Besucher an, weshalb die zoologische Einrichtung bereits nach kurzer Zeit vergrößert wurde. "Begonnen haben wir mit Aquarien und Terrarien, die auf eineinhalb Stockwerken verteilt waren. Mittlerweile erstreckt sich der Zoo auf über elf Stockwerke und momentan wird an der Erweiterung in Form eines Glashauses gebaut." Der Zoo bekommt einen zwölf Meter tiefen Zubau, der 2019 im Außenbereich fertig sein soll. Der neue Platz wird für weitere Terrarien und Aquarien, Kunstausstellungen und Ruheräume verwendet. Auch Symposien, Vorträge und Filmvorführungen sollen dort stattfinden. Im neunten Stock wird ein zusätzlicher Außenbereich geschaffen, das Dachcafé im elften Stock wird auf die gesamte Dachfläche vergrößert.

Die neue Mittelmeerabteilung befindet sich auf Ebene 2 und beheimatet eine Vielzahl an Meereslebewesen aus dem Mittelmeer. © Bohmann/Ulrich Sperl

Eine unglaubliche Tierartenvielfalt

Auf insgesamt elf Stockwerken können die Besucherinnen und Besucher im Haus des Meeres in die Unterwasserwelt eintauchen. So gibt es von tropischen Meerestieren und Steinkorallen über heimische Süßwasserfische bis hin zum Hammerhaibecken eine unglaubliche Tierartenvielfalt. Doch nicht nur Meerestiere sind im Haus des Meeres zu finden. Neben vielen Reptilien und Amphibien wie dem Chinesischen Riesensalamander oder den zwei Gavialen, einer besonders bedrohten Krokodilart, gibt es auch noch viele weitere an Land lebende Tiere.

So gibt es im Krokipark, dem Tropenhaus, prachtvoll schillernde, frei fliegende Vögel wie den Toko, einen Nashornvogel aus Afrika, eine große Lisztaffenfamilie und im großen Wasserbereich Schildkröten. "Viele Besucherinnen und Besucher wundern sich, dass es im Haus des Meeres auch Vögel und Säugetiere gibt. Aber wenn man genau ist, heißen wir Haus des Meeres Aqua Terra Zoo, sozusagen ein Zoo sowohl für Wasserlebewesen als auch für am Land lebende Tiere", so Herr Mitic.

Die neue Mittelmeerabteilung befindet sich auf Ebene 2 und beheimatet eine Vielzahl an Meereslebewesen aus dem Mittelmeer. © Bohmann/Ulrich Sperl

Die neue Mittelmeerabteilung

"Die neue Mittelmeerabteilung ist die Wurzel des Hauses, denn mit den Mittelmeerbecken hat der Zoobetrieb vor 60 Jahren begonnen", erzählt Direktor Mitic.

Die neue Mittelmeerabteilung besteht aus neun Aquarien mit einem Fassungsvermögen von etwa 50.000 Liter Wasser. Ziel der neuen Abteilung war, eine möglichst naturgetreue Nachbildung von Lebensräumen des Mittelmeeres zu kreieren. Das größte Aquarium fasst knapp 42.000 Liter Wasser und zeigt den Lebensraum einer lichtdurchfluteten Seegraswiese mit benachbartem Felsabhang, der in tiefes Blau abfällt. Schwärme von silbrigen Schnauzenbrassen, Meeräschen und bunten Lippfischen besiedeln das helle Seegras. Der Felsabhang wird von roten Fahnenbarschen und dunkelvioletten Meerraben bewohnt. Eine regelmäßige Brandungssimulation erzeugt die natürliche Meeresstimmung im Becken. Neben den größten Becken gibt es in der Abteilung noch acht weitere Becken. Eines davon ist das Quallenaquarium.

Das Quallenaquarium ist das größte Aquarium seiner Art in Europa und beherbergt über hundert gepunktete Wurzelmundquallen. Das neue Kreiselströmungsbecken simuliert den Lebensraum des weiten, bodenlosen Meeres.

Seepferdchen leben paarweise und besetzen gemeinsam ein Revier. Jeden Morgen findet ein Begrüßungsritual statt, um die Bindung zwischen den beiden Partnern zu verstärken. © Bohmann/Ulrich Sperl

Seepferdchen

Bereits seit vielen Jahren werden im Haus des Meeres Seepferdchen gezüchtet. Darauf ist der Zoobetrieb besonders stolz, denn Seepferdchen gehören zu den gefährdetsten Tiergattungen der Welt. "Wir haben hier im Haus eine eigene Aufzuchtstation. Die gezüchteten Seepferdchen werden an Zoos, Meeresinstitutionen oder Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt verteilt. Die Seepferchen, die bei uns bleiben, werden, bevor sie zu den Besucherinnen und Besuchern in die neue Abteilung kommen, auf Lärm und Bewegungen trainiert", so Herr Mitic. Seepferdchen sind von Natur aus sehr schreckhaft. "Wenn sie trotz Klopfens an die Fensterscheibe von ihrem Teller essen, dann können wir sie in die größeren Becken zu den Besucherinnen und Besuchern lassen", erzählt Herr Mitic.

Die Lebensräume wurden möglichst naturgetreu gestaltet. © Bohmann/Ulrich Sperl

Lebensräume des Mittelmeers

Drei Becken der neuen Mittelmeerabteilung sind den verschiedenen Lebensräumen des Mittelmeeres gewidmet: Meereshöhlen, Gezeitentümpel und Schlammböden. "Wir zeigen hier verschiedene Lebensräume wie die Meereshöhlen, um den Besucherinnen und Besuchern einen Eindruck von diesen Lebensräumen zu vermitteln", erklärt Michael Mitic. "Bei Höhlen wird automatisch davon ausgegangen, dass es dunkel ist und kein Leben existiert, aber im Gegenteil: Wenn man Licht in die Höhle bringt, sieht man, wie lebendig und bunt hier alles ist. Das wollten wir den Besucherinnen und Besuchern mit den Aquarien der Lebensräume zeigen", erklärt Herr Mitic.

In den weiteren Aquarien der neuen Mittelmeerabteilung gibt es Katzenhaie und Giftfische, Oktopusse und bunte mediterrane Korallentiere - ein Querschnitt durch die Fauna des Mittelmeeres.

Der gescheite Oktopus

"Die Oktopusse sind die Gescheiten unter den Tieren. Um unseren Oktopus auch geistig zu fördern, bekommt er von uns immer wieder neue Aufgaben, wie etwa Shrimps aus einem Glas zu holen. Um an den Shrimp zu kommen, muss er zuerst den Deckel aufdrehen. Das schaffen diese Tiere aber meist locker", erzählt Michael Mitic.

Im Haus des Meeres gibt es von Fischen über Reptilien bis hin zu Vögeln und Säugetieren viel zu sehen, doch die absoluten Highlights sind die Lisztäffchen im Krokipark und die Meeresschildkröte im Haibecken.

Die kleinen Lisztäffchen sind sehr zutraulich und zeigen sich gerne den BesucherInnen. © Bohmann/Ulrich Sperl

Affen im Haus des Meeres

Im Haus des Meeres befinden sich neben den Aquarien und Terrarien auch zwei Tropenhäuser. Hier gibt es unter anderem zwei Krokodile, Schildkröten und Vögel, aber das Highlight des Krokiparks sind die felligen Vierbeiner, die Affen. Die Affen sind die einzigen Säugetiere im Haus des Meeres. Ein besonders zutraulicher Affe ist der Lisztaffe. Eine ganze Familiengruppe der Lisztäffchen bewohnt den Krokipark. Ihr ursprüngliches Zuhause ist in Südamerika, wo sie jedoch nur ein kleines Gebiet in Nordkolumbien bewohnen. Sie zählen zu den meist gefährdeten Krallenaffenarten.

"Puppi" ist eine weibliche Schildkröte, die auf einem Fischmarkt auf den Malediven gerettet wurde. © Bohmann/Ulrich Sperl

"Puppi", die älteste Zoobewohnerin

Das Haibecken wurde im Jahr 2007 eröffnet und erstreckt sich auf über zwei Stockwerke. Neben vielen größeren und kleineren Fischarten leben im Haibecken Schwarz- und Weißspitzenhaie sowie ein Bambushai. Besonderes Highlight ist jedoch die älteste Bewohnerin des Haus des Meeres, die Meeresschildkröte "Puppi". Sie wurde in den Siebzigerjahren von einer Frau an einem Fischmarkt auf den Malediven gerettet und lebte einige Jahre in einem privaten Aquarium. Doch mit der Zeit wurde die Schildkröte immer größer und hatte bald keinen Platz mehr in ihrem alten Aquarium. "Die Meeresschildkröte hat sich zu sehr an Menschen gewöhnt, als dass man sie auswildern hätte können. Deshalb kam sie dann zu uns und lebt seitdem in unserem Haibecken", so Herr Mitic.

Das Haus des Meeres sieht sich als Ort, an dem Menschen in eine fremde Welt eintauchen können und die Faszination der Unterwasserwelt hautnah und naturgetreu erleben können.  

Das Haus des Meeres steht für biologische Vielfalt. Wir haben uns das vor Ort angesehen. © Stadt Wien/Bohmann Verlag

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