Schaurig-schön wird es auch dieses Jahr zu Halloween. Woher der Brauch kommt und warum es in Wien besonders schön spukt, erfahren Sie hier. Happy Halloween und immer brav Abstand halten! © Getty Images

 

Wenn die Geister von Wien kommen

Halloween: Kürbisfratzen, schaurig-schöne Deko und gruselige Kostüme! Nur ein Trend aus Amerika? Weit gefehlt, denn kaum eine andere Stadt hat in so vielen Sagen, Mythen und Legenden mit dem Bösen aufzuwarten wie Wien.

Bitte beachten Sie die aktuell geltenden Corona-Maßnahmen, halten Sie Abstand und denken Sie daran: Zu Halloween ist im Gesicht die Maske heuer eine Pflicht!

In der Nacht von 31. Oktober auf den 1. November verwandeln sich weltweit Straßen, Häuser, ja ganze Städte in Orte des Schauderns, denn es ist Halloween. Der Abend vor Allerheiligen wird von Kindern, aber auch Erwachsenen, freudig erwartet. Endlich können die geschnitzten Kürbisfratzen mit Kerzen erleuchtet, Häuser gruselig geschmückt und schaurig-schöne Kostüme angezogen werden. Halloween in seiner heutigen Form, hat seinen Ausgangspunkt im 19. Jahrhundert. Es wurde von irischen Einwanderern in die USA quasi importiert, in Erinnerung an die Heimat ausgebaut und populär gemacht. Seit den 1990ern wird es auch in Europa gefeiert und ist heute nahezu weltweit nicht mehr wegzudenken.

Warum einst Halloween, also "All Hallows' Eve", zu Deutsch der Abend vor Allerheiligen, gefeiert wurde, wissen heutzutage nur mehr die wenigstens. Denn seinen eigentlichen Ursprung hat das Gruselfest im keltischen Fest Samhain, bei dem der Jahreszeitenwechsel zelebriert wurde. Die Kelten glaubten, dass zu diesem Zeitpunkt die Grenzen zwischen der Welt der Lebenden und der der Toten durchlässig werden. Abgesehen davon, dass die Stadt Wien und ihre Bewohnerinnen und Bewohner immer schon eine ganz eigene Beziehung zum Tod hatten, inwieweit wurde dieser keltische Brauch auch in unserer Hauptstadt zelebriert? CLUB WIEN machte sich auf die Spuren des Wiener Schreckens und Grauens und traf sich mit Ursula Schwarz. Sie ist Fremdenführerin, Expertin in Sachen "Mystisches Wien" und hält spannende Vorträge an der VHS Wien. Im Interview verrät sie, warum Wien nicht nur schön, sondern richtig schön gruselig ist und welche Geschichte dahintersteckt.

 

CLUB WIEN: Halloween und Wien? Wie passen dieses keltische Fest und unsere Hauptstadt zusammen?

Ursula Schwarz: Halloween gehörte zu den Parallelfesten des keltischen Jahreskreises. Dazu gehörten insgesamt vier an bäuerlichen Tätigkeiten orientierte Feste, die jeweils zwei und zwei diagonal im Kalender angeordnet waren. Als sich das Christentum in Europa und somit auch in Österreich und Wien ausbreitete, wurden viele heidnische Bräuche ins Christentum übernommen. So auch die vier Feste des keltischen Jahreskreises:

  • Imbolc, das Reinigungsfest: Wird am 2. Februar gefeiert und ist im Christentum Maria Lichtmess.
  • Beltaine, das Frühlingsfest: Wird am 30. April gefeiert und ist vergleichbar mit der Walpurgisnacht.
  • Lugnadash, das Schnitterfest: Das Schnitterfest wurde alljährlich von 1. bis 15. August gefeiert. Im Christentum wurde daraus die Mariä Himmelfahrt, die jährlich am 15. August gefeiert wird.
  • Samhain, das Totenfest: Aus dem Totenfest, das am 31. Oktober zelebriert wurde, wurde Halloween beziehungsweise Allerheiligen.

Erst in der Neuzeit entstand der Glaube, dass sich die Kelten als Vampire, Hexen und Skelette verkleidet hätten, um die Geister in die Unterwelt zurückzuschicken. Daraus entwickelte sich das Halloween, wie wir es heute kennen. Allerdings hat das Fest seinen schaurigen Charakter zumindest in Europa weitestgehend abgelegt und ist für Kinder eine willkommene Gelegenheit, zu Süßigkeiten zu kommen.

Welche Rituale werden auch heutzutage noch (unwissend) zelebriert?

Halloween wurde im Laufe der Jahrhunderte mit Beiwerk überfrachtet, dessen Ursprung nicht so leicht zu finden ist. Die Kürbisse zum Beispiel waren ursprünglich zwölf Totenköpfe und Teil des Ahnenkults. Neu hinzugekommen ist der Heischebrauch, bei dem die Kinder drohen "Süßes oder Saures" (mit dem Besen). Dabei diente der Besen einem Reinigungsritual der Aura. Ebenso sind Hexenverkleidungen beliebt. Halloween ist das Diagonalfest Samhain zur Walpurgisnacht, dem Fest der jungen Hexen.

An welche Sagen, Geister oder auch Mythen glaubten die Wienerinnen und Wiener früher?

Geister gehörten für die mittelalterlichen Menschen zum Weltbild. Für sie waren drei Ebenen, Himmel, Erde und die Zwischenwelt der Dämonen, ganz konkret vorhanden. Dämonen waren der Inbegriff des Bösen.

Welche Methoden hatte man, bösartige Wesen unschädlich zu machen?

Sie waren sinnlich nicht erfassbar, also musste man sie magisch bannen, indem sie sichtbar gemacht, also dargestellt, werden mussten. Man nennt das apotropäische Symbole. Die Ikonografie des Stephansdomes macht dies an der Außenmauer deutlich.

Wo findet man heutzutage in Wien noch Erinnerungen an diese gruseligen Mythen?

Allein der Sagenschatz in Wien bringt uns viele Einblicke in die Vorstellungswelt der Menschen: Der Teufel mit allen seinen Variationen ist reichlich um den Stephansdom zu finden: als siegreicher Verführer des Menschen, als betrogener Teufel. Daneben gibt es noch Maskaronen mit einem starren Blick, die den bösen Blick abwehren sollen. Drachen und Affen (der Teufel ist der Affe Gottes), ebenso der Basilisk, dessen Blick, versteinert, finden wir am Gewände des Domes.

Von Halloween, Drachen, Dämonen und anderen Geistern

Wollen Sie mehr über Wiens mystische Vergangenheit erfahren und Überreste dieser schaurigen Zeit kennenlernen? Tauchen Sie gemeinsam mit Ursula Schwarz in eine Welt ein, in der man fest ans Übernatürliche glaubte. Bei einem spannenden Vortrag am Freitag, den 30. Oktober in der VHS Landstraße gibt die Expertin Einblick in keltische Riten sowie in die Welt der Geister und des Bösen und erklärt, welche Methoden man hatte, diese unschädlich zu machen. Zudem beschäftigt sie sich mit der Geschichte von Halloween und seinem Werdegang vom keltischen Totenfest zum heutigen Fest für Groß und Klein. 

Ein Abend voll mit gruseligen Geschichten, die vielleicht reine Sagen sind oder vielleicht doch Realität?! Infos zur Veranstaltung finden Sie hier. Ob Vampir, Hexe oder Geist – wer mit Kostümierung kommt, dem ist ein Platz sicher und der Eintritt frei. CLUB WIEN wünscht viel Spaß beim Gruseln und happy Halloween!