Daniel Abed-Navandi zeigt den Hypnosegriff, mit dem Haibaby Jacek für das Wiegen und das Messen ruhiggestellt wird. © Günther Hulla

 

Baby-Alarm im Haus des Meeres

Sein Name ist Jacek, er ist momentan 53 Zentimeter groß und einer der Stars im Haus des Meeres. Das Schwarzspitzen-Riffhai-Baby verzaubert Publikum und Personal gleichermaßen. CLUB WIEN hat den Nachwuchs besucht.

Es ist eine sensationelle Geburt: Der kleine Jacek kam nach einer einjährigen Schwangerschaft der Haimutter Mitte Oktober zur Welt. Mit damals 50 Zentimetern und nur 740 Gramm brauchte er als Allererstes Schutz. Vor den eigenen Artgenossen. Nicht selten werden neugeborene Haie Opfer ihrer kannibalischen Verwandtschaft.

Jacek gedeiht prächtig

Dieses Schicksal blieb Jacek erspart und heute wächst er stetig vor sich hin. "Momentan wiegt er 960 Gramm und nimmt rund 20 Gramm die Woche zu", sagt Daniel Abed-Navandi, Haiexperte im Haus des Meeres.

Schwarzspitzen-Riffhaie werden bis zu 130 Zentimeter lang und leben in Küstennähe in indopazifischen Korallenriffen. Man erkennt sie ganz leicht an der namensgebenden schwarzen Spitze ihrer Rückenflosse. Das heißt, die Haie leben von Ostafrika, dem Nahen Osten, Indien und Südostasien bis Nordaustralien. Jungtiere jagen häufig im Flachwasser von sandigen Rifflagunen. "Sie sind sicher vielen dort Badenden schon begegnet", sagt Abed-Navandi.

Ein wählerischer Zeitgenosse

Haie sind Opfer vieler Mythen. Von der allesfressenden Maschine, zu der sie oft gemacht werden, sind sie weit entfernt. "Wie wir auch jetzt wieder anhand dieses kleinen Menschenhais erkennen, ist eher das Gegenteil der Fall", sagt Abed-Navandi. "Haie sind recht wählerisch und haben eine fixe Vorstellung von Nahrung und deren Qualität. Jacek frisst seit zwei Monaten ausschließlich ganze, unausgenommene Sardinen aus der Nordadria, die nicht älter als 15 Minuten sind."

 

Lachs, diverse Filets, gekochte und rohe Garnelen sowie Tintenfisch und Muscheln beäugt Jacek mit Interesse. "Aber es blieb bis heute dabei: kein Zubiss", sagt Abed-Navandi. Seine Entwicklung haben die Expertinnen und Experten vor Ort im Auge. "Um sein Wachstum zu kontrollieren, wird er ein Mal wöchentlich mit einem speziellen Hypnosegriff ruhiggestellt und im Trockenen abgewogen. So können wir genau feststellen, ob sich seine Nahrungsaufnahme und der Energieverbrauch durch Dauerschwimmen und Wachstum die Waage halten."

Stars des Haibeckens

Haifreundinnen und -freunde können im Haus des Meeres auch einige anderen Arten hautnah erleben. Mehrere bodenlebende, eierlegende Haiarten wie Bambushai, Katzenhai, Stierkopfhai und die wie Jacek dauerschwimmenden Arten wie Hammerhai, Weißspitzen-Riffhai und Hundshai leben im Aqua Terra Zoo. Ein Star des Haibeckens ist aber die seit vielen Jahren dort lebende Meeresschildkröte Puppi, ein richtiger Publikumsliebling. Viele haben schon gefragt: Hai und Schildkröte, ist das nicht gefährlich? Abed-Navandi gibt Entwarnung. "Kein Problem in Sicht, die Tiere ignorieren einander. Nur große Tigerhaie könnten Meeresschildkröten fressen."

Falls Sie sich für Jacek und Co interessieren, haben wir auch noch einen Veranstaltungstipp: Am 14. Jänner gastiert der weltberühmte Haiforscher Erich Ritter im Haus des Meeres. Mehr Infos zu dem Multimediavortrag finden Sie auf der Haus-des-Meeres-Homepage.